Richtfest für neues Laborgebäude zur Atmosphärenchemie

Leipzig, 23.03.2016

Neubau wird deutschlandweit einmalige Doppelkammer enthalten

 

Leipzig. Das Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) erhält ein modernes Laborgebäude. Der Neubau für Experimente zur Chemie der Atmosphäre wird Teile des alten Laborgebäudes ersetzen, das noch aus der Vorwendezeit stammt und zuletzt in den 1990er Jahren saniert wurde. Gleichzeitig wird damit die provisorische Unterbringung der Leipziger Aerosolkammer in ein festes Gebäude überführt und ausgebaut. Die neue Doppelkammer wird die einzige ihrer Art in Deutschland sein. Damit werden die Voraussetzungen geschaffen, die weltweit führende Rolle der Leipziger Arbeitsgruppe auf dem Gebiet von Multiphasenprozessen in der Atmosphärenchemie zu erhalten.

Nach zwei Jahrzehnten stand eine Sanierung des alten Laborgebäudes 23.2 an. Die Kosten dafür hätten etwa zwei Millionen Euro betragen, aber bestehende Provisorien fortgeführt und das Problem der nicht mehr zeitgemäßen Nutzflächen in den alten Laboren nicht gelöst. Daher beschloss das Kuratorium des TROPOS, die für die Sanierung des alten Gebäudes eingesparten Mittel als Startkapital für ein neues Laborgebäude 23.6 einzusetzen. Das neue Gebäude wird insgesamt 9,4 Millionen Euro kosten, die vom Bund und vom Freistaat Sachsen getragen werden. Die gesamte Laborfläche für die Abteilung Chemie der Atmosphäre erhöht sich dadurch von 850 auf 1370 Quadratmeter deutlich. Die frei gewordenen Flächen im alten Laborgebäude werden später unter anderem als Büro- und Seminarräume weiter genutzt.  

Der Entwurf für den Laborneubau stammt vom renommierten Architektenbüro Schulz und Schulz, deren Neubau der Propsteikirche St. Trinitatis am Neuen Rathaus 2015 Stadtgespräch in Leipzig war. Das Institut für Troposphärenforschung arbeitet schon seit 2003 mit Schulz und Schulz zusammen an der sukzessiven Erweiterung des eigenen Forschungsstandortes im Wissenschaftspark in der Permoserstraße. In dieser Zeit entstanden u.a. das viel gelobte Wolkenlabor (2005) und ein Multifunktionsgebäude (2011). Die besondere Qualität der Gebäude wurde vielfach durch unabhängige Jurys bei Architekturpreisen bestätigt. So wurde das Wolkenlabor 2007 mit den Architekturpreisen der Stadt Leipzig sowie des Bundes Deutscher Architekten BDA Landesverband Sachsen ausgezeichnet und erhielt eine Anerkennung im Rahmen des Deutschen Architekturpreises.  

Im Rahmen eines VOF-Verfahrens konnten sich Schulz und Schulz 2014 erneut mit ihrer Arbeit durchsetzen und wurden auch für die aktuelle Ausbaustufe des TROPOS ausgewählt, mit der das Leibnitz-Institut bis Ende 2016 um einen modernen Laborneubau erweitert wird. Struktur und Gestaltung des Neubaus orientieren sich in Materialität und Oberflächengestaltung am Wolkenlabor sowie dem Multifunktionsgebäude und stärken das bauliche Gesamtbild des TROPOS. „Der hochmoderne Neubau ist auf die Anforderungen der wissenschaftlichen Arbeitswelten ausgerichtet, zu denen u.a. die optimale Tageslichtversorgung und die funktionale Versuchsanordnung zählen. Die weitgehende Vorfertigung der Tragkonstruktion und die besonders effiziente Sandwichbauweise, bei der Tragstruktur, Dämmschicht und Fassade oberflächenfertig auf der Baustelle montiert wurden, fokussieren auf eine termingerechte und kostenminimierte Realisierung des Neubaus innerhalb einer nur 17-monatigen Bauzeit“, sagt Architekt Prof. Ansgar Schulz (Schulz und Schulz).  

TROPOS betreibt in Leipzig neben einer Reihe kleinerer vor allem zwei größere Versuchsanlagen: Das Wolkenlabor LACIS untersucht die physikalischen Prozesse beim der Wolkenbildung. Die Leipziger Aerosolkammer LEAK untersucht die chemischen Prozesse in der Atmosphäre. Dazu zählt beispielsweise der Abbau von Luftschadstoffen durch Sonneneinstrahlung. Seit 2004 ist LEAK provisorisch in einer Leichtmetallhalle untergebracht, die kaum Wärmedämmung bietet. Mit dem Umzug in ein richtiges Laborgebäude erhalten nun sowohl die empfindlichen Messgeräte als auch die Forschenden optimale Umgebungsbedingungen. Gleichzeitig verkürzen sich die Wege deutlich, da die zur großen Kammer gehörenden kleinen Labore dann im gleichen Gebäude untergebracht sein werden. „Die Erweiterung von einer einfachen auf eine doppelte Kammer bietet uns außerdem neue Möglichkeiten: Damit können wir beispielsweise einen Parameter verändern und durch den parallelen Vergleich wesentlich schneller Unterschiede erkennen. Diese doppelte Kammer wird die erste dieser Art in Deutschland sein. Weltweit gibt es eine ähnliche Anlage bisher nur im spanischen Valencia“, erklärt Prof. Hartmut Herrmann, der als Leiter der Abteilung Chemie der Atmosphäre den Neubau konzipiert hat. Neu dazu kommen auch Reinraumlabore, die hauptsächlich für Untersuchung von Proben genutzt werden sollen, mit denen die komplexen Wechselwirkungen zwischen den Ozeanen und der Atmosphäre untersucht und so neue Erkenntnisse zum Klimawandel gewonnen werden. „Insgesamt wird der Neubau die Arbeitsmöglichkeiten schaffen, um die Mission unseres Institutes umzusetzen. Dazu gehört auch, dass wir die troposphärischen Multiphasenprozesse von der molekularen Ebene bis hin zur Regionalskala mit Experimenten entlang der Grenze des technisch machbaren innerhalb der kommenden zwei Jahrzehnte verstehen wollen.“  

Der Tiefbau für das neue Gebäude begann im September 2015. Mit dem Richtfest am 23. März 2016 steht jetzt der Rohbau. Bis Herbst 2016 ist der Innenausbau wie Böden und Haustechnik geplant. Danach wird die Labortechnik folgen. Die Inbetriebnahme ist für 2017 vorgesehen. „Insgesamt werden dann von der ersten Idee bis zur Fertigstellung nur sechs Jahre vergangen sein, was für ein High-Tech-Gebäude dieser Art sehr schnell ist. Möglich wurde dies nur durch die professionelle Zusammenarbeit mit vielen Partnern – angefangen bei den Geldgebern beim Bund und Land, über das Architekturbüro und die Baubehörden bis hin zur Naumburger Baugesellschaft und den weiteren ausführenden Baufirmen. Allen diesen Partnern gilt daher unser Dank“, unterstreicht Claudia Peter, Verwaltungsleiterin des TROPOS. Die Chemikerinnen und Chemiker des TROPOS werden in etwa einem Jahr in das neue Gebäude umziehen. Die ersten Experimente dort können dann ab Sommer 2017 unter optimalen Bedingungen durchgeführt werden. Tilo Arnhold

 

 

Weitere Infos:

Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS)

Prof. Hartmut Herrmann, Leiter Abteilung Chemie der Atmosphäre, Tel. +49-341-2717-7024, http://www.tropos.de/institut/ueber-uns/mitarbeitende/hartmut-herrmann/

und Claudia Peter, Leiterin Verwaltung, Tel. +49-341-2717-7161, http://www.tropos.de/institut/ueber-uns/mitarbeitende/

oder Tilo Arnhold, TROPOS-Öffentlichkeitsarbeit, Tel. +49-341-2717-7189, http://www.tropos.de/aktuelles/pressemitteilungen/

 

Links:

Leipziger Aerosolkammer (LEAK): http://www.tropos.de/forschung/grossprojekte-infrastruktur-technologie/technologie-am-tropos/aerosolversuchsanlagen/leak/ & http://www.eurochamp.org/chambers/leak/index.html  

Eurochamp (European Simulation Chambers for Investigating Atmospheric Processes): http://www.eurochamp.org/chambers/index.html  

Architekturbüro Schulz & Schulz: http://schulz-und-schulz.com/

 

Das Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft, die 88 selbständige Forschungseinrichtungen verbindet. Ihre Ausrichtung reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute widmen sich gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevanten Fragen. Sie betreiben erkenntnis- und anwendungsorientierte Grundlagenforschung, unterhalten wissenschaftliche Infrastrukturen und bieten forschungsbasierte Dienstleistungen an. Die Leibniz-Gemeinschaft setzt Schwerpunkte im Wissenstransfer. Sie berät und informiert Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Leibniz-Institute pflegen enge Kooperationen mit den Hochschulen, der Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Sie unterliegen einem transparenten und unabhängigen Begutachtungsverfahren. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die 88 Institute der Leibniz-Gemeinschaft, an denen rund 18.100 Personen beschäftigt sind; darunter 9.200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei 1,64 Milliarden Euro. http://www.leibniz-gemeinschaft.de  

Neues Laborgebäude 23.6 des TROPOS. Quelle: © Schulz und Schulz

Neues Laborgebäude 23.6 des TROPOS. Quelle: © Schulz und Schulz

Richtfest Chemie-Laborneubau am in TROPOS Leipzig, 23.03.2016. Foto: Tilo Arnhold, TROPOS

Richtfest Chemie-Laborneubau am in TROPOS Leipzig, 23.03.2016. Foto: Tilo Arnhold, TROPOS

Richtfest Chemie-Laborneubau am in TROPOS Leipzig, 23.03.2016. Foto: Tilo Arnhold, TROPOS

Richtfest Chemie-Laborneubau am in TROPOS Leipzig, 23.03.2016. Foto: Tilo Arnhold, TROPOS

Richtfest Chemie-Laborneubau am in TROPOS Leipzig, 23.03.2016. Foto: Tilo Arnhold, TROPOS

Richtfest Chemie-Laborneubau am in TROPOS Leipzig, 23.03.2016. Foto: Tilo Arnhold, TROPOS

Richtfest Chemie-Laborneubau am in TROPOS Leipzig, 23.03.2016. Foto: Tilo Arnhold, TROPOS

Richtfest Chemie-Laborneubau am in TROPOS Leipzig, 23.03.2016. Foto: Tilo Arnhold, TROPOS

Richtfest Chemie-Laborneubau am in TROPOS Leipzig, 23.03.2016. Foto: Tilo Arnhold, TROPOS

Richtfest Chemie-Laborneubau am in TROPOS Leipzig, 23.03.2016. Foto: Tilo Arnhold, TROPOS

Richtfest Chemie-Laborneubau am in TROPOS Leipzig, 23.03.2016. Foto: Tilo Arnhold, TROPOS

Richtfest Chemie-Laborneubau am in TROPOS Leipzig, 23.03.2016. Foto: Tilo Arnhold, TROPOS

Richtfest Chemie-Laborneubau am in TROPOS Leipzig, 23.03.2016. Foto: Tilo Arnhold, TROPOS

Richtfest Chemie-Laborneubau am in TROPOS Leipzig, 23.03.2016. Foto: Tilo Arnhold, TROPOS

Richtfest Chemie-Laborneubau am in TROPOS Leipzig, 23.03.2016. Foto: Tilo Arnhold, TROPOS

Richtfest Chemie-Laborneubau am in TROPOS Leipzig, 23.03.2016. Foto: Tilo Arnhold, TROPOS

Richtfest Chemie-Laborneubau am in TROPOS Leipzig, 23.03.2016. Foto: Tilo Arnhold, TROPOS

Richtfest Chemie-Laborneubau am in TROPOS Leipzig, 23.03.2016. Foto: Tilo Arnhold, TROPOS

Richtfest Chemie-Laborneubau am in TROPOS Leipzig, 23.03.2016. Foto: Tilo Arnhold, TROPOS

Richtfest Chemie-Laborneubau am in TROPOS Leipzig, 23.03.2016. Foto: Tilo Arnhold, TROPOS