Weitersagen:
Netzwerk "Mutterschaft & Wissenschaft"

Nach dem Erscheinen ihres Buches haben die Wissenschaftlerinnen Sarah Czerney, Lena Eckert und Silke Martin nun auch ein Netzwerk gegründet.


Es richtet sich explizit nicht nur an biologische Mütter und Cis-Frauen, sondern auch an trans Mütter, Adoptivmütter, Sternenkindermütter, Kiwumütter und vor allem auch (Noch)Nichtmütter.

 

Das Netzwerk

  • bietet für all jene ein Forum, die sich als Mutter identifizieren und im Wissenschaftsbetrieb arbeiten, um sich auszutauschen, zu vernetzen, sich gegenseitig zu unterstützen und zu informieren
  • dient dazu, uns gegenseitig stark und sichtbar zu machen. Wir wollen uns von den lebensfeindlichen, ungesunden und wettbewerbsorientierten Strukturen des derzeitigen Wissenschaftsbetriebs nicht unterkriegen lassen!
  • ist ebenso ein Netzwerk für Verbündete und Alliierte, denn die Problematiken, die sich mit den Themen Mutterschaft und Wissenschaft auftun, betreffen nicht nur Mütter. Sie gehen alle an, denn Care-Arbeit ist die Grundlage der Gesellschaft und jedes menschlichen Zusammenlebens und -arbeitens.
  • ist ein Forum für diejenigen, die eine strukturelle Veränderung des Wissenschaftsbetriebes für notwendig halten.
     

Die Gründerinnen sagen selbst: "Um langfristig etwas zu verändern, müssen die Erfahrungen von Müttern und ihren Alliierten in der Wissenschaft jedoch nicht nur sichtbar gemacht werden. Es braucht zusätzlich die Vernetzung der Akteur*innen."

 

Das Netzwerk aktiv mitzugestalten geht zum Beispiel über eine Lokal- oder Onlinegruppe - auch in Leipzig gibt es bereits eine. Beteiligung und eigene Ideen sind willkommen!

 


 

Auswirkungen von COVID-19 auf die Forschung

Wird von Zuhause aus gearbeitet, bringt das häufig eine viel traditionellere Arbeitsteilung mit sich, als sie Paare und Familien sonst im Alltag leben.
So zeigt sich etwa bei heterosexuellen Paaren, dass Frauen im Homeoffice durchschnittlich 3 Stunden pro Woche mehr (unbezahlte) Care-Arbeit leisten - während Männer Überstunden für ihren (bezahlten) Job machen.

 

Eine neue Studie untersucht die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei den Zeitschrifteneinreichungen und Peer-Review-Aktivitäten im Elsevier-Verlag während der ersten Covis-19 Welle. Die Ergebnisse zeigen unter anderem, dass insbesondere jüngere Frauen während der ersten Welle der Pandemie proportional weniger Manuskripte einreichten als Männer - disziplinübergreifend.


Hier geht's zur Studie

 


 

Rückschritte in der Gleichstellung

Prof. Dr. Bettina Kohlrausch untersuchte in einer aktuellen Studie, wie sich die Coronasituation auf die Gleichstellung von Frauen und Männern auswirkte.


Ihr Fazit: Rückschritt. Die Soziologin stellt fest, dass sich die bereits vor der Pandemie existierenden Ungleichheitsstrukturen in der Krise verschärften. Da Frauen meist einen Großteil an Sorgearbeit leisten, nahm die doppelte Belastung durch Beruf und Familie während der Pandemie für sie besonders zu - und blieb hoch. Dagegen stieg der Anteil an Sorgearbeit zwar auch für Männer, pendelte sich allerdings dann wieder auf das Vorkrisenniveau ein.

 

Außerdem ist im Verlauf der Pandemie eine Vergrößerung des „Gender Time Gap“ zu beobachten, also des Rückstands bei der wöchentlichen Lohnarbeitszeit von Frauen gegenüber Männern. Dieser Negativeffekt  bei den Lohnarbeitszeiten ist auch bei Frauen feststellbar, bei denen die Differenz nicht auf familiäre Verpflichtungen zurückzuführen ist. Dies deute darauf hin, dass Frauen durch die Coronakrise stärker als Männer vom Arbeitsmarkt verdrängt wurden.

 

Eine gerechtere Arbeitsteilung in heterosexuellen Partnerschaften gelang vor allem dann, wenn Väter im Homeoffice oder mit reduzierter Arbeitszeit tätig waren. Hier sieht Dr. Kohlrausch mögliche Ansatzpunkte, um gleichstellungsorientierter zu handeln. Außerdem sei ein Kulturwandel auf betrieblicher Ebene nötig, damit politische Maßnahmen, wie etwa der ausgeweitete Anspruch auf Kinderkrankentage, auch tatsächlich genutzt würden. Denn insbesondere Personen in eher schwachen Arbeitsmarktpositionen nähmen ihre Rechte nur selten in Anspruch. Beschäftigte fürchteten oft, den Anforderungen ihrer Stelle ansonsten nicht mehr ausreichend gerecht zu werden. Gleichzeitig könne hier also auch eine Reduktion des Arbeitsvolumens zielführend sein, so die Soziologin.

 

Grundlage der Studie war eine Erwerbspersonenbefragung der Hans-Böckler-Stiftung. Hierbei wurden Paneldaten von über 5000 Personen ausgewertet, die in 5 Wellen (April 2020, Juni 2020, November 2020, Januar 2021, Juni 2021) befragt wurden.

 

Zum gesamten Artikel

 

Außerdem von Bettina Kohlrausch:

Gleichberechtigung während der Pandemie

Die Corona-Krise trifft Frauen doppelt

 

Dr. Kohlrausch ist Soziologin und wissenschaftliche Direktorin am Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut der Hans-Böckler-Stiftung. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind u.a. die Bildungsungleichheit, soziale Ungleichheit und Effekte der Digitalisierung auf Arbeit und Qualifizierung.

 



 

McKinsey Studie: Diversität und Erfolg

Arbeiten Menschen unterschiedlichen Gechlechts, unterschiedlicher Ethnien und wissenschaftlicher Hintergründe auf Führungsebene tatsächlich gleichberechtigt zusammen, kann das nachhaltig dafür sorgen, unter anderem die Zufriedenheit der Mitarbeitenden zu verbessern – denn dann werden verschiedene Stimmen gehört, Perspektiven betrachtet und unerwartete Fragen gestellt.

 

Die Korrelation von Diversität und Erfolg zeigen wirtschaftlich orientierte Studien wie die McKinsey Studie 2015 in allen dabei untersuchten Ländern. In deutschen Unternehmen ist diese sogar besonders ausgeprägt: Firmen mit größerer Vielfalt im Topmanagement (Vorstand und zwei bis drei Ebenen darunter) haben eine 42% höhere Wahrscheinlichkeit, überdurchschnittlich erfolgreich zu sein.

Zwar ist Korrelation nicht mit Kausalität gleichzusetzen, doch alles deutet darauf hin, dass vielfältige Unternehmen besser in der Lage sind, talentierte Mitarbeiter:innen zu finden und zu binden.

 

Genaueres ist hier zu lesen:

https://www.mckinsey.de/news/presse/2020-05-19-diversity-wins

https://www.mckinsey.com/business-functions/organization/our-insights/delivering-through-diversity

https://www.mckinsey.com/business-functions/organization/our-insights/why-diversity-matters

 


Medien-Empfehlungen

 

Dokumentationen
 

HERstory (ARD, 44 Min.)

Teil 1: Lebensgefahr - Der Mann als Standard in Medizin, Forschung und Technik. EIn Risiko für Frauen und Menschen außerhalb dieser Norm.
"Über Jahrhunderte erzählten und deuteten Männer Geschichte, schrieben HIStory, waren Maß und Norm für Wissenschaft, Rechtsprechung und Ingenieurskunst. HERstory findet: Es ist Zeit, endlich das ganze Bild zu malen."
 

Yes She Can – Frauen verändern die Welt (Amazon Prime, 58 Min.)

Gleichberechtigung heißt nicht automatisch Chnacengleichheit. In der Dokumentation kommen Frauen zu Wort, die mit dem Status Quo nicht einverstanden sind und versuchen, selbst etwas zu verändern. Expertinnen zeigen auf, wie Gender Equality von der Theorie in die Praxis umgesetzt werden kann.
 

Picture A Scientist – Frauen der Wissenschaft  (93 Min.)

Der Kinofilm erzählt die Geschichten von drei Wissenschaftlerinnen und enthüllt  dabei den systemischen und strukturellen Charakter von geschlechtsspezifischer Diskriminierung und Belästigung in der akademischen Wissenschaft. (in ausgewählten Kinos & auf DVD)
 

Yes She Can - Junge Frauen in Politik (ARD, 89 Min.)

Immer mehr und immer öfter stehen junge Frauen in der ersten Reihe, wenn es um gesellschaftliche und (umwelt-)politische Umbrüche geht. Ein Jahr lang begleitet Carolin Genreith vier junge Politikerinnen - ein Film über Vorbilder und Female Empowerment: Yes, she can and yes she will.

 



Youtube

 


Gender-Sprache: Das sagen Kinder (funk, 6 Min.)

Unconscious Bias erklärt (Universität Wien, 4 Min.)

 


Podcasts

 


Genderaspekte in der MIN-Lehre (Universität Hamburg, 23 Min.)

Warum die Integration der Geschlechterperspektive in die Naturwissenschaften bedeutend ist. Interview mit Dr. Maria Riedner


traditionell unkonventionell (Universität Leipzig)

Die Podcast-Reihe der Stabsstelle Chancengleichheit, Diversität & Familie der Uni Leipzig versucht, sich dem Thema Diversität in seinen vielfältigen Ausprägungen zu nähern.


Sexuelle Belästigung (ZEIT Online, 41 Min.)

Ungebetene Kommentare, Pfeifen auf der Straße oder sexuell aufgeladene Geräusche - Alltagssexismus kann sehr unangenehm und verunsichernd sein. Meistens trifft er Frauen - wie können sie in so einer Situation am besten reagieren? Und wie wirken sich Erlebnisse dieser Art auf Psyche und Verhalten aus?
 

Sexismus am Arbeitsplatz – Feminismus und Arbeit (Unter Kolleg:innen, 29 Min.)

Das Wort "Sexismus" wird im Kontext Arbeitsplatz selten in den Mund genommen - dabei ist die Arbeitsstelle der zweithäufigste Ort, an dem er erlebt wird. Woran das liegen könnte und was Sexismus eigentlich genau ist, darum geht es in diesem Podcast.
 

Die wütende Frau (SZ-Magazin, 27 Min.)

In diesem Podcast wird die Coronakrise mit der systematischen Vernachlässigung der Interessen von Frauen verbunden. Ein guter Grund, wütend zu werden, findet das Magazin der Süddeutschen Zeitung.
 

Queer am Arbeitsplatz – Coming-Out ja oder nein (BR, 29 Min.)

Das Foto von dem*der Partner*in als Screensaver, in der Kaffeepause Smalltalk über das Wochenende: für viele Menschen aus der LGBTIQ* ist das nicht selbstverständlich. Sie fragen sich, was mit einem Coming-Out in der Arbeit verbunden sein könnte. Auf Möglichkeiten und Risiken hiervon geht dieser Podcast ein.
 

Nonbinär & Genderqueer – Was bedeutet das? (BR, 50 Min.)

In unserer Gesellschaft werden Menschen meistens in die Kategorien Mann oder Frau eingeteilt. Nonbinäre oder genderqueere Menschen können sich aber weder in der einen noch der anderen Schublade einsortieren. Dieser Podcast beleuchtet, was es bedeutet, nonbinär zu sein und welche Folgen es hat, nicht ins Mann-Frau-Geschlechtersystem zu passen.


Raus aus der Geschlechterrolle (mdr, 34 Min.)

Ist Feminismus heute noch nötig? Der Podcast verbindet aktuelle Benachteiligungen mit unbewussten, strukturell und individuell verankerten Rollenbildern und möchte Muster erkennen, hinterfragen und aufbrechen.
 

Kritische Männlichkeit - Ich werde Feminist (mdr, 42 Min.)

Eine Gesellschaft, in der niemand Diskriminierung, Sexismus und Ungerechtigkeit erfahren muss. Das ist auch der Wunsch von Moderator Max - wie kann er als Mann dazu beitragen?
Und was genau ist mit toxischer Männlichkeit gemeint, von der immer häufiger gesprochen wird?
 

Straight Allies – Wie kann ich die queere Community unterstützen? (BR, 31 Min.)

Straight Allies, das sind Leute, die die LGBTIQ*-Community unterstützen, aber selbst nicht queer sind. Was motiviert sie zu ihrem Engagement, und wo liegen die Grenzen? Und wie wird man selbst zu einer "verbündeten" Person, die sich für die Rechte und Anerkennung aller Menschen einsetzt?