Kleine Partikel, große Wirkung auf das Klima

Leipzig, 18.06.2026 – TU Braunschweig

Mit Drohnen auf Partikelsuche an der irischen Küste

 

 

Galway. Wo und wie kleine Aerosolpartikel in der Atmosphäre im Einflussbereich des Meeres entstehen, das untersuchen Wissenschaftler:innen des Instituts für Flugführung der Technischen Universität Braunschweig. Dazu setzten sie Drohnen an der irischen Küste ein und arbeiten mit der Universität Tübingen und dem Leibniz-Institut für Troposphärenforschung zusammen. Das auf drei Jahre angelegte Projekt EICA (Experimental Investigation of Coastal Aerosols) wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.

 

 

Ein Team von etwa zehn Wissenschaftler:innen führt im gesamten Monat Juni 2026 auf der Insel Inishbofin neun Kilometer vor der irischen Westküste (County Galway) eine Messkampagne zur Verteilung von Aerosolpartikeln durch. Bisher wird die Verteilung dieser Partikel vor allem durch Messungen am Boden erfasst. Im Projekt EICA kommen nun drei verschiedenartige Drohnen zum Einsatz, um die Konzentrationsverteilung in der Höhe zu erfassen und dynamische Prozesse zu dokumentieren:

  • Das Flugsystem „ALADINA“ erfasst insbesondere ultrafeine Partikel, die sich neu gebildet haben. Es fliegt dafür bis in eine Entfernung von etwa drei Kilometer aufs offene Meer hinaus.

  • Das Flugsystem „Hopper“ hat als Schwerpunkte die Messung von Turbulenz und größeren Aerosolpartikeln.

  • Der Quadrocopter „AirQDrone“ fliegt an einem festen Standort wiederholt bis in eine Höhe von etwa 1.000 Metern, um die Veränderungen der atmosphärischen Grenzschicht über den Tag und die Konzentration der Aerosolpartikel in verschiedenen Höhen zu ermitteln.

Die Ergebnisse werden genutzt, um besser zu verstehen, wie Aerosolpartikel entstehen und wie sie von den Bedingungen in der Atmosphäre beeinflusst werden.

 

Zum Hintergrund:

In der Atmosphäre gibt es unterschiedliche Aerosolpartikel – von Pollen bis zu ultrafeinen Partikeln, die nur wenige Nanometer groß sind. Für Aerosolpartikel gibt es anthropogene, also vom Menschen verursachte Quellen wie Autoabgase und andere Verbrennungsprozesse, oder natürliche Quellen, wie die Partikelneubildung, die zum Beispiel in Zusammenhang mit Phytoplankton und UV-Strahlung an der Küste auftreten kann. Diese Aerosolpartikel können zu Kondensationskeimen heranwachsen und zu Wolkentropfen aktiviert werden.

Aerosolpartikel in der Atmosphäre sind typischerweise zu klein, um sie mit bloßem Auge zu sehen. Sie haben jedoch große Auswirkungen – als Schadstoffe, die Lungenkrankheiten beeinflussen, als kleine Reflektoren für Sonnenstrahlung, die dem Treibhauseffekt entgegenwirken und einen abkühlenden Effekt haben, und als Bestandteile von Wolken, die notwendig für deren Entstehung sind.

Ihre Herkunft und räumliche Verteilung sind daher von großer Relevanz für Wetter und Klima. Aerosolpartikel in Küstennähe haben als eine natürliche Hauptquelle den Ozean, und spezielle natürliche Effekte in Küstennähe führen zu großen Konzentrationen.

 

Das Team

Im Projekt arbeiten Wissenschaftler:innen der TU Braunschweig, der Universität Tübingen und des Leibniz-Instituts für Troposphärenforschung aus den Disziplinen Messtechnik, Luft- und Raumfahrttechnik sowie Atmosphären- und Geowissenschaften zusammen.

 

Die Kooperation

Das Institut für Flugführung (IFF) der TU Braunschweig, das von Professor Peter Hecker geleitet wird, ist verantwortlich für die Durchführung der Messflüge mit den Drohnen ALADINA und AirQDrone. 

Das Team "Partikelbildung und Mischungsprozesse" um Dr. Birgit Wehner vom TROPOS betreut Partikelmessgeräte auf den beiden Drohnen-Plattformen ALADINA und AirQDrone.

Die Untersuchungen finden an der Westküste von Irland statt, weil vom nahegelegenen Observatorium Mace Head aus „dem Global Atmosphere Watch“ der Weltwetterorganisation WMO Langzeitmessungen vorliegen, die wichtig sind, um die aktuellen Daten einordnen zu können.

 

 

 

Kontakte:

 

Prof. Dr. Astrid Lampert
Technische Universität Braunschweig
Institut für Flugführung
Tel.: +49 531 391-9885
http://www.tu-braunschweig.de/iff

 

Michael Ritzau-Jost
Technische Universität Braunschweig
Institut für Flugführung
Tel.: +49 531 391-9884
http://www.tu-braunschweig.de/iff

 

und
Dr. Birgit Wehner,
Team "Partikelbildung und Mischungsprozesse", Abteilung Atmosphärische Mikrophysik, Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS), Leipzig, und Universität Leipzig, Deutschland 
Tel. +49-341-2717-7309
https://www.tropos.de/institut/ueber-uns/mitarbeitende/birgit-wehner

 

oder
Tilo Arnhold
Öffentlichkeitsarbeit, TROPOS 
Tel. +49-341-2717-7189
http://www.tropos.de/aktuelles/pressemitteilungen/

 

 

Links: 

News der TU Braunschweig: https://magazin.tu-braunschweig.de/pi-post/kleine-partikel-grosse-wirkung-auf-das-klima/

DFG: Experimental Investigation of Open Ocean and Coastal Aerosol (EICA): https://gepris.dfg.de/gepris/projekt/532507805?language=de 

 

 

 

Das Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft, die 96 selbständige Forschungseinrichtungen verbindet. Ihre Ausrichtung reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute widmen sich gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevanten Fragen.

Sie betreiben erkenntnis- und anwendungsorientierte Forschung, auch in den übergreifenden Leibniz-Forschungsverbünden, sind oder unterhalten wissenschaftliche Infrastrukturen und bieten forschungsbasierte Dienstleistungen an. Die Leibniz-Gemeinschaft setzt Schwerpunkte im Wissenstransfer, vor allem mit den Leibniz-Forschungsmuseen. Sie berät und informiert Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. 

Leibniz-Einrichtungen pflegen enge Kooperationen mit den Hochschulen - u.a. in Form der Leibniz-WissenschaftsCampi, mit der Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Sie unterliegen einem transparenten und unabhängigen Begutachtungsverfahren. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 21.400 Personen, darunter 12.170 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. 

Das Finanzvolumen liegt bei 2,3 Milliarden Euro. Finanziert werden sie von Bund und Ländern gemeinsam. Die Grundfinanzierung des Leibniz-Instituts für Troposphärenforschung (TROPOS) wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) und dem Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst (SMWK) getragen. Das Institut wird mitfinanziert aus Steuermitteln auf Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.

http://www.leibniz-gemeinschaft.de

https://www.bmbf.de/ 

https://www.smwk.sachsen.de/ 

 

 

Das Flugsystem „Hopper“ im Einsatz an der Küste. Bildnachweis: Samantha Gallatin, Eberhard Karls Universität Tübingen

ALADINA im Landeanflug auf den stillgelegten Flugplatz von Inishbofin nach Datensammlung über dem offenen Meer. Bildnachweis: Michael Ritzau-Jost, TU Braunschweig

AirQDrone bei einem der regelmäßigen Aufstiege zur Erfassung der Aerosol-Verteilung über der Insel Inishbofin. Bildnachweis: Lutz Bretschneider, TU Braunschweig

Das Flugsystem „Hopper“ im Einsatz an der Küste. Bildnachweis: Samantha Gallatin, Eberhard Karls Universität Tübingen