Fakten zum Klimawandel: Was die Wissenschaft heute weiß (10.09.20)

Die Weltwirtschaft steht unter dem Schock der Corona-Pandemie. Die Frage nach einer intelligenten Krisenbewältigung treibt Menschen, Staaten und Führungskräfte um. Kontrovers wird diskutiert, was wir aus der Pandemie für den Klimaschutz lernen können und wie sich die für den Wiederaufbau der Wirtschaft vorgesehenen enormen Finanzmittel konsequent auch in Richtung Nachhaltigkeit und Klimaschutz lenken lassen.

Unerlässlich für diese Debatte ist eine fundierte Faktenlage zur globalen Erwärmung. Sechs namhafte Organisationen haben daher jetzt eine Faktensammlung zu dem heute in der Klimaforschung unumstrittenen Wissen veröffentlicht – von seinen naturwissenschaftlichen Grundlagen, den Folgen in Deutschland und auf der ganzen Welt bis hin zu den in Paris vereinbarten Zielen.

Sechs Organisationen aus der Klimaforschung und der wissenschaftsbasierten Klimakommunikation – Deutsches Klima-Konsortium, Deutsche Meteorologische Gesellschaft, Deutscher Wetterdienst, Extremwetterkongress Hamburg, Helmholtz-Klima-Initiative, klimafakten.de – haben die wichtigsten wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Klimawandel zusammengefasst. Das Faktenpapier mit vier Kapiteln belegt, dass die gegenwärtige globale Erwärmung von circa ein Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit eine Tatsache und menschliches Handeln der Hauptgrund ist. Der Klimawandel richtet bereits große Schäden an, wirksamer Klimaschutz ist dringlicher denn je. Für künftige Risiken müssen wir uns wappnen und uns an unvermeidbare Folgen anpassen. Die Menschheit hat es immer noch in der Hand, die globale Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad oder gar 1,5 Grad zu begrenzen, wie im Pariser Klimaabkommen vereinbart, und damit das Risiko unkalkulierbarer Folgen erheblich zu verringern.

Trotz 30 Jahren internationaler Klimapolitik sammeln sich weiterhin immer mehr Treibhausgase in der Atmosphäre an und verstärken den Klimawandel – auch der Corona-Lockdown hat daran nichts geändert. Notwendig sind dauerhafte und tiefgreifende strukturelle Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft – vom Energiesystem über Landnutzung bis hin zur Infrastruktur, wie im Sonderbericht des Weltklimarats über 1,5 Grad Celsius globale Erwärmung dargelegt. Je später diese Veränderungen beginnen, desto schwieriger wird es, den Klimawandel zu bremsen und unumkehrbare Veränderungen zu vermeiden. Die massiven Finanzmittel, die zur Bewältigung der Corona-Krise investiert werden müssen, sind eine Chance, diese strukturellen Veränderungen jetzt einzuleiten.

Mehr dazu unter: https://www.deutsches-klima-konsortium.de/de/basisfakten.html

Klimawandel trotz Corona weiterhin wichtiges Thema (20.04.20)

Auch wenn die momentane Krise rund um Covid-19 die Medien und uns alle stark beschäftigt, so geht doch auch der Klimawandel weiter. Die Krise rund um Covid-19 kann den Klimawandel nicht nennenswert abschwächen, auch wenn momentan durch den Rückgang der weltweiten Wirtschaft auch ein Rückgang in der aktuellen Luftverschmutzung zu sehen ist (z.B. in China https://www.mdr.de/wissen/umwelt-profitiert-von-corona-100.html). Aber die Ansammlung von Treibhausgasen in der Atmosphäre seit Beginn des Klimawandels ist so stark, dass sich die Covid-19-Krise wenig auf die gesamte Menge der atmosphärischen Treibhausgase auswirkt (nur in Englisch: https://scripps.ucsd.edu/programs/keelingcurve/2020/03/11/what-does-it-take-for-the-coronavirus-or-other-major-economic-events-to-affect-global-carbon-dioxide-readings/).

 

Auch 2020 startete wieder mit 3 Monaten, deren mittlere Temperaturen deutlich über denen der langjährigen Mittelwerte lagen (monatlicher Wetterstatus Deutschland des DWD: https://www.dwd.de/DE/leistungen/pbfb_verlag_monat_klimastatus/monat_klimastatus.html). In vielen Gegenden Deutschlands gab es im Winter keinen Schnee. Seit Mitte März fiel kaum Niederschlag, und bereits jetzt, Mitte April, sind die Böden schon wieder zu trocken (https://twitter.com/DWD_klima/status/1250065070241038336). Auch wenn unklar ist, wie trocken der Sommer 2020 werden wird: ein trockener April allein kann den Landwirten Probleme bereiten, besonders in Regionen mit leichten sandigen Böden wie etwa in Teilen Mecklenburg-Vorpommerns oder in Brandenburg, so das Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung (https://www.tagesschau.de/faktenfinder/inland/duerresommer-101.html). Der Klimawandel geht weiter, und wir müssen unser Verhalten grundlegend ändern, um ihm zu begegnen.

 

Es ist daher wichtig, die Corona-Krise als Chance für einen Wechsel zu verstehen. Das Wiederbeleben der Wirtschaft muss unter dem Gesichtspunkt der Klimaneutralität erfolgen, wenn wir zukünftige Krisen durch den Klimawandel verhindern wollen, die die momentane Corona-Krise als winzig erscheinen lassen würden. Darauf verweist unter anderem auch die dritte Ad-hoc-Stellungnahme der Leopoldina zur Covid-19-Pandemie (https://www.leopoldina.org/presse-1/nachrichten/ad-hoc-stellungnahme-coronavirus-pandemie/) und ein Gastbeitrag von Patrick Graichen, Direktor der Denkfabrik Agora Energiewende (https://www.zeit.de/wirtschaft/2020-04/wirtschaftskrise-coronavirus-wachstum-klimaschutz-doppelstrategie-energiewende).

 

Am 24.4.2020 ist ein von „Fridays für Future“ schon seit langem geplanter weltweiter Klimaaktionstag, um auf die nach wie vor bestehende Wichtigkeit des Klimaschutzes hinzuweisen. Da öffentliche Demonstrationen nicht möglich sind, werden viele Aktionen im Netz stattfinden, darunter auch Informationen rund um den Klimawandel (https://www.youtube.com/channel/UCZwF7J5rbyJXBZMJrE_8XCA/featured). Weiter Infos zum #NetzstreikFürsKlima unter: https://fridaysforfuture.de/netzstreikfursklima/


Dr. Heike Wex, TROPOS & S4F Leipzig, https://www.tropos.de/institut/ueber-uns/mitarbeitende/heike-wex

 

 

Wärmestreifen nach Ed Hawkins, global, 1850-2019. (Die Streifen zeigen die mittleren jährlichen Temperaturen, wobei jedes Jahr durch einen Streifen dargestellt wird. Die Farbskala überstreicht 1.35°C von Dunkelblau nach Dunkelrot.)