Erstmals zuverlässige Satellitenmessungen der Aerosolmenge über arktischem Meereis möglich
Leipzig, 12.06.2026 – Bernd Heinold / Tilo Arnhold
Studie im Open-Access-Fachjournal npj Clean Air
Die Arktis erwärmt sich doppelt so schnell wie der Rest der Erde. Neben Treibhausgasen spielen dabei auch Aerosole - winzige Partikel in der Luft - eine wichtige Rolle. Sie beeinflussen das Klima indem sie Sonnenlicht streuen und die Wolkenbildung verändern.
Ein internationales Forscherteam hat mittels Satellitenfernerkundung untersucht, welche Menge es an Aerosolpartikeln eigentlich über dem arktischen Meereis gibt und wie sie das Sonnenlicht abschwächen. Das war bisher kaum bekannt, weil Satellitenmessungen über der stark reflektierenden Schnee- und Eisoberfläche sehr schwierig sind. Die neuen Satellitenbeobachtungen wurden für eine umfassende Evaluierung von 16 Klimamodellen genutzt, wobei eine signifikante Unterschätzung des simulierten Transports von Luftschadstoffen aus mittleren Breiten in die Arktis aufgedeckt wurde - ein wichtiger Schritt, um diese Modelle künftig zu verbessern.
An der Studie, die im Open-Access-Fachjournal npj Clean Air des Nature-Springer-Verlages erschienen ist, waren Forschende der der Universitäten Oxford und Bremen sowie des MPI-Chemie, TROPOS und DLR beteiligt. Die Arbeiten sind Teil des Sonderforschungsbereichs/Transregios „Arktische Verstärkung (AC)³“, den die Deutsche Forschungsgemeinschaft seit 2006 fördert. Das Abschlusstreffen des Forschungsverbundes wird am 8.-12.03.2027 im Rahmen der Joint (AC)3 - MOSAiC Conference (JAMC27; https://www.jamc27.com) an der Universität Leipzig stattfinden.
Wissenschaftler des IUP der Abteilung von Prof. Bösch (ehemals die Abteilung von Prof. Burrows) haben eine Methode namens AEROSNOW entwickelt, die erstmals zuverlässige Satellitenmessungen der Aerosolmenge (gemessen als "Aerosol Optical Depth", AOD) über arktischem Meereis ermöglicht - und zwar für fast ein ganzes Jahrzehnt (2003-2011).
Die Messungen zeigen ein klares saisonales Muster:
Frühling (April-Mai): Erhöhte Aerosolwerte (AOD ~0.08-0.18) besonders an den Eisrändern nahe Kanada, Alaska und Sibirien. Dies ist der bekannte "Arktische Dunst" - verursacht durch den Transport von Schadstoffen aus mittleren Breiten in die Arktis. Sommer (Juni-August): Deutlich sauberere Luft (AOD ~0.05-0.07) durch stärkere Regenfälle und schwächeren Transport von Schadstoffen.
Die Forscher verglichen die AEROSNOW Messungen mit Simulationen von 16 verschiedenen Klimamodellen (CMIP6). Das Ergebnis ist ernüchternd. Die meisten Modelle unterschätzen den Arktischen Dunst: 12 von 16 Modellen unterschätzen die Frühlings-Aerosole um 40-75%. Sie simulieren zu wenig Partikeltransport aus mittleren Breiten in die Arktis
Mehr dazu in der Nachricht der Universität Bremen:
Publikation:
Swain, B., Vountas, M., Singh, A. et al. Large inter-model spread in simulated aerosol load over Arctic sea ice. npj Clean Air 2, 37 (2026). https://doi.org/10.1038/s44407-026-00080-7