Forschungsnetzwerk AiRisk untersucht Staub als Übertragungsweg für antibiotikaresistente Keime

Berlin, 28.05.2026 – RKI

Ziel: Mechanismen der luftgetragenen Übertragung besser zu erfassen

Das neue Forschungsnetzwerk „AiRisk“ analysiert die Rolle von Staub bei der Verbreitung antibiotikaresistenter Bakterien und zoonotischer Erreger. Ziel ist es, bislang unzureichend verstandene Mechanismen der luftgetragenen Übertragung besser zu erfassen und daraus wirksame Präventionsstrategien abzuleiten.

Antimikrobielle Resistenzen (AMR) zählen laut Umweltprogramm der Vereinten Nationen zu den drängenden globalen Umweltproblemen. Insbesondere die Tierhaltung gilt als bedeutendes Reservoir für resistente Bakterien, die über die Luft verbreitet werden können. Trotz wachsender Infektions- und Resistenzraten sind die zugrunde liegenden Übertragungswege bislang nur unzureichend modelliert – eine Lücke, die effektive Maßnahmen in Prävention, Überwachung und Krisenreaktion erschwert.

Hier setzt AiRisk an: Im Fokus steht Staub als potenzieller Träger von Krankheitserregern. Staubpartikel können Mikroorganismen binden, deren Überlebensfähigkeit in der Luft erhöhen und ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber Desinfektionsmitteln beeinflussen. Damit entsteht eine Verbindung zwischen Umwelt, Tierhaltung und menschlicher Gesundheit im Sinne des One-Health-Ansatzes, der die Wechselwirkungen zwischen diesen Bereichen berücksichtigt.

Das Netzwerk verfolgt mehrere zentrale Ziele: Zunächst wird kontaminierter Staub aus landwirtschaftlichen Betrieben – insbesondere aus der Schweinehaltung – charakterisiert und als Übertragungsmedium untersucht. Die gewonnenen Daten fließen anschließend in ein Diffusionsmodell ein, das die Ausbreitung von Erregern simuliert und eine Risikobewertung für Mensch und Umwelt ermöglicht. Parallel werden Interventionsmaßnahmen wie angepasste Desinfektionsverfahren entwickelt und getestet. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der verständlichen Kommunikation der Ergebnisse an Entscheidungsträger, Fachöffentlichkeit und Bevölkerung.

Die im Projekt gewonnenen Erkenntnisse sollen Bundesbehörden und Einsatzorganisationen dabei unterstützen, effektiver auf biologische Gefahrenlagen zu reagieren. Durch die enge Zusammenarbeit von Institutionen aus den Bereichen öffentliche Gesundheit, Veterinärmedizin und Umweltforschung wird zudem die Grundlage für koordinierte Maßnahmen im Ausbruchsfall gestärkt.

Das Netzwerk AiRisk wird vom Robert Koch-Institut koordiniert und läuft vom 1. April 2026 bis zum 31. März 2031. Beteiligt sind unter anderem das Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie, das Forschungszentrum Borstel, das Leibniz-Institut für Troposphärenforschung, die Universität Hamburg sowie die Bundesanstalt Technisches Hilfswerk. Gefördert wird das Projekt durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt.

Weitere Informationen: www.airisk-project.de 

https://airisk-project.de/de/