22. Januar 2020 (N87°26, E93°52)

Polarlichter bei MOSAiC

'Ihr werdet auf der MOSAiC-Expedition keine Polarlichter sehen, dafür seid ihr zu weit im Norden', hieß es vorher. Normalerweise tritt dieses Phänomen vor allem in einem schmalen Band um die magnetischen Pole auf. Zu Polarlichtern kommt es, wenn elektrisch geladene Teilchen des Sonnenwinds auf Sauerstoff- und Stickstoffatome in den oberen Schichten der Erdatmosphäre treffen und diese ionisieren. Dabei entsteht das markante grüne Licht.

Unserem Kollegen Hannes Grische und Dean Howard von der University of Colorado Boulder gelangt jetzt ein besonderer Schnappschuss. Als sie zum Messen von Spurengasen auf der Eisscholle unterwegs waren, bemerkten sie schwache Strukturen am dunklen Himmel, die sich für Wolken untypisch schnell bewegten. „Glücklicherweise hatten wir eine Kamera nebst Stativ dabei und konnten so ein paar Langzeitbelichtungsaufnahmen machen“, berichtet Hannes. Die Fotos zeigen deutlich, dass es hier auf 87° 28‘ Nord Polarlichter gibt!

Der fast senkrechte Strich im oberen Bildteil ist die Leuchtspur eines polumlaufenden Satelliten, die während der Polarnacht besonders deutlich zu sehen sind, da sie von der Sonne angestrahlt werden, während es Boden dunkel ist. Für das Foto mussten die beiden übrigens 25 Sekunden stillstehen – bei -27°C …

 https://follow.mosaic-expedition.org/blog/mosaic_23-1-20/?lang=de

Polarlicht (Aurora Borealis) während der MOSAiC-Expedition auf 87° 28‘ Nord am Morgen des 22. Januar 2020. Hannes Griesche (TROPOS, links) und Dean Howard (University of Colorado Boulder, rechts) während des Messens von Spurengasen auf der Eisscholle. Foto: Hannes Griesche, TROPOS

08. Januar 2020 (N51°21'9", E12°26'5")

Lidar-Daten jetzt online

Die Lidardaten vom TROPOS-PollyArielle im OCEANET-Container aus dem 1. Fahrtabschnitt von MOSAiC sind jetzt online in der TROPOS-Datenbank: http://polly.tropos.de/?p=lidarzeit&Ort=35

Alle Stationen des weltweiten Lidarnetzwerkes PollyNet gibt es unter: http://polly.tropos.de/ sowie http://picasso.tropos.de/

Mehr zu PollyNet, das Teil von ACTRIS ist, unter: https://www.tropos.de/forschung/grossprojekte-infrastruktur-technologie/koordinierte-beobachtungen-und-netzwerke/pollynet

PollyNet. Source: TROPOS.de

05. Januar 2020 (N87°4; E115°19)

Minustemperaturen und Finsternis

… können Hannes Griesche nicht schocken. Die Morgenpost am Sonntag berichtet über die MOSAiC-Expedition.

https://www.tag24.de/nachrichten/arktis-expedition-mosaic-saechsischer-forscher-hannes-griesche-ist-unser-mann-im-ewigen-eis-1341648

01. Januar 2020 (N86°44; E117°36)

Neujahr & nördlichste Silvesterparty der Welt

Frohes neues Jahr!

Wir haben hier heute am Boden fast gefühlte -50°C (bei eigentlichen -31 und mit ca. 10m/s Wind). In der Atmosphäre über uns ist es dagegen noch deutlich kälter: -78°C misst die Radiosonde in 18km Höhe.

Als nächsten Stationspunkt wurde der Nordpol eingetragen und daher wird immer die Distanz dahin angezeigt. Aktuell steht da: 197.45 NM – also Nautische Meilen. Das sind 365km – gemessen an den 4361km bisher nur noch ein Katzensprung .-)

Unsere Zeit ist übrigens Moskauer-Zeit. Wir waren also 2 Stunden vor Deutschland in 2020 und haben tatsächlich mal wieder einen strahlenden Sternenhimmel.

Viele Grüße!

Hannes

 

PS. Neujahr auf Polarstern klingt übrigens so: https://www.awi.de/fileadmin/user_upload/AWI/Expedition/Schiffe/Downloads/Polarstern-Horn2.mp3

Nördlichste Silvesterparty der Welt. Bei 86°38,25N/118°04.06E begrüßte das MOSAiC-Team die neue Dekade. Julia Wenzel vom Deutschen Wetterdienst (DWD) hatte die Ehre, das Schiffshorn um Mitternacht erschallen zu lassen. Foto: Michael Ginzburg

29. Dezember 2019 (N86°38; E115°52)

Noch 202.22 NM bis zum Nordpol

Hallo in die Heimat,

hier kommt eine kleine Zwischen-den-Jahren-Mail. Viel passiert ist hier in den letzten Tagen jedoch nicht. Wir hatten zweimal Besuch von einem Polarfuchs (anbei ein Foto). Aber obwohl die eigentlich immer in der Nähe von Eisbären unterwegs waren, haben diese sich bei uns noch nicht sehen lassen.

Unser Lidar „Arielle“ hat von mir am 23.12. einen kleinen Weihnachtsputz bekommen. Und gleich am Abend hat sich der Computer neugestartet. Aber seitdem läuft alles wieder wie gehabt. Nur interessante Falle bleiben gerade aus. Wir haben in den letzten Tagen wieder häufiger diese niedrigen Wolken gehabt, so dass es selten Signale von oberhalb 2km gibt. Und wenn doch, dann halte ich die Augen nach Polaren Stratosphärenwolken (PSCs) offen. Aber bisher habe ich nichts dergleichen in den Daten gesehen. Der Rest der Instrumente misst fleißig vor sich hin und das Cimel-Photometer  wartet sehnsüchtig darauf, dass der Mond wieder aufgeht.

Heiligabend hatten wir eine schöne Weihnachtsfeier (die wir als nördlichste der Welt definiert haben), mit Reden vom Kapitän und Fahrtleiter, Besuch vom Weihnachtsmann und Wichtel-Geschenken für alle. 

Am 1. Weihnachtstag gab es dann Ausflüge zu Fuß, oder, wer welche hatte, per Ski (ich konnte mir ein Paar ausleihen und war in der Skiergruppe unterwegs). Silvester steht dann schon die nächste offizielle Feier an, mit Begrüßung des neuen Jahres auf der Brücke.

Einen guten Rutsch ins neue Jahr wünsche ich allen!

Viele Grüße aus dem Eis,

Hannes

Besuch in der Dunkelheit der Polarnacht. Ein Polarfuchs kommt in der Nähe der Polarstern vorbei. In der Regel ernähren sie sich von den Resten, die Eisbären nach der Robbenjagd auf dem Eis zurücklassen und folgen diesen. Diesmal war aber kein Eisbär zu sehen. Foto: Hannes Griesche, TROPOS

24. Dezember 2019 (N86°38; E113°46)

Heiligabend

Das MOSAiC-Expeditionsteam genießt einen fröhlichen Weihnachtsabend an Bord der Polarstern. Der Weihnachtsmann hat uns einen Besuch abgestattet!

Foto: Folke Mehrtens, AWI

21. Dezember 2019 (N86°41;E112°24)

Wintersonnenwende

Ab jetzt werden die Tage länger!

 

Hallo nach Leipzig,

hier kommt ein Update von der Scholle. Im Container konnte ich regelmäßig nachschauen und mein Vorgänger Ronny hat mir alles sehr schön eingerichtet. Ich musste nur eine Software neu starten, damit die ganzen Daten auch in das zentrale Datacenter hier kopiert werden, aber alles andere läuft fein durch und misst.

Gestern Abend haben sich dann endlich die tiefen Wolken verzogen und unser Lidar Polly-Arielle konnte mal wieder Aerosolschichten messen. Und davon gab es zwei den ganzen Abend lang unterhalb von 2 km und eine bei 5km. Und da bin ich mir nicht sicher, aber oberhalb von 11km könnte das stratossphärische Aerosol sein, dass wir hier zuletzt so oft gesehen haben. Die Tropopause ist mittlerweile wieder bei 11km Höhe.

Gestern hatten wir ja den kürzesten unserer nicht vorhandenen Tage und haben den gebührend gefeiert. Dazu gab es Glühwein und der empfiehlt sich in Thermosbechern zu genießen. Sonst ist er angeblich schneller gefroren als ausgetrunken. .-)

Frohe Weihnachtsferien allen!

Viele Grüße,

Hannes Griesche

Foto: Stefan Hendricks, AWI

Messung des TROPOS-Lidars PollyArielle vom 21.12.2019

„Die vielen hohen Wolken bis 11 km zeigen (mal wieder) an, dass die Arktis kein abgeschlossenes System ist. Immer wieder überqueren Luftmassen aus eher mittleren Breiten den Pol. Die stabilen Luftmassen (und eingelagerten Aerosolschichten) weiter unten (unterhalb von 5-6km) sind da wohl schon eher typisch für winterliche arktische Verhältnisse“, interpretiert Albert Ansmann (Leiter der TROPOS-Arbeitsgruppe Bodengebundene Fernerkundung) die Messung vom 21.12.2019. Grafik: Hannes Griesche, TROPOS

19. Dezember 2019 (N86°40; E112°52)

Wechsel von Abschnitt 1 auf 2 abgeschlossen

Der russische Versorgungseisbrecher Kapitan Dranitsyn verließ die MOSAiC-Eisscholle am 18. Dezember 2019 um 14:30 Uhr Schiffszeit (12:30 Uhr MEZ). Damit ist die Versorgung und der Austausch zwischen Leg 1 und Leg 2 abgeschlossen. 

Abreise der Kapitan Dranitsyn. Foto: Alfred-Wegener-Institut / Folke Mehrtens (CC-BY 4.0)

18. Dezember 2019 (Leipzig/Dresden)

Schichtwechsel am Nordpol in den Medien

Über den Wechsel zwischen Fahrtabschnitt 1 und 2 bei MOSAiC berichten u.a.:

+ Sächsische Zeitung am 19.12.19: "Schichtwechsel am Nordpol" > https://www.saechsische.de/plus/schichtwechsel-am-nordpol-arktis-expedition-mosaic-saechsische-wissenschaftler-tropos-leipzig-5152729.html

+ MDR-Sachsenspiegel am 17.12.19: "Wie Leipziger Forscher in der Arktis am Klima forschen" > https://www.mdr.de/video/mdr-videos/a/video-366150.html

+ MDR-Radio-Sachsen am 17.12.19: "Schichtwechsel auf der Polarstern - Leipziger Forscher im Interview" > https://www.mdr.de/sachsen/leipzig/leipziger-forscher-polarstern-expedition-100.html

Rendesvouz in the Arctic. Photo: Ivo Beck, PSI (CC-BY 4.0)

17. Dezember 2019 (Leipzig)

Performance "POLARZEIT: Expedition extrem"

Zur Performance im Naturkundemuseum Leipzig gab es am Dienstag, 17.12.19, ab 19:30 Uhr auch ein Telefonat mit Ronny Engelmann vom TROPOS aus Leipzig, der im Rahmen der internationalen MOSAiC-Expedition gerade mit dem Forschungseisbrecher Polarstern in der Nähe des Nordpols auf einer Eisscholle durch die Arktis driftet und dabei hilft, der globalen Klimaforschung erstmals begehrte Daten aus der Polarnacht zu liefern.
http://www.schaubuehne.com/programm/polarzeit-expedition-extrem/

Das Kooperationsprojekt "Expedition 4x6" zwischen Naturkundemuseum Leipzig und Schaubühne Lindenfels widmet sich jetzt den Expeditionen in die Eiswelten der Polargebiete. Foto: Tilo Arnhold, TROPOS

Lisa Berger (Schaubühne Leipzig) und Dr. Ronny Leder (Direktor Naturkundemuseum Leipzig) im Gespräch mit Dr. Ronny Engelmann (TROPOS) während der MOSAiC-Expedition in der Arktis - via Satellitentelefon.

Rund 40 Leipzigerinnen und Leipziger erlebten die Polarzeit-Performance der Schaubühne Lindenfels im Naturkundemuseum Leipzig und hörten gespannt beim Telefonat mit der Polarstern in der Arktis zu. (Fotos: Tilo Arnhold, TROPOS)

17. Dezember 2019 (Potsdam)

UFA SHOW & FACTUAL zeigt erstes Material

"Kamerateams der UFA SHOW & FACTUAL begleiten die MOSAiC-Expedition ... exklusiv über den gesamten Zeitraum. ... Abschnitt für Abschnitt stellen UFA SHOW & FACTUAL und das Alfred-Wegener-Institut einige Minuten Material zur Verfügung"

https://www.ufa.de/presse/ufa-show-factual-begleitet-exklusiv-die-groesste-arktis-expedition-aller-zeiten-und-zeigt-nun-erstes-material

Video bei Youtube:

https://www.youtube.com/watch?v=tTAKzEUl0N0&feature=youtu.be

Foto: Alfred-Wegener-Institut / Stefan Hendricks (CC-BY 4.0)

16. Dezember 2019 (N86°37; E117°52)

Treffen sich zwei Eisbrecher - 270 Kilometer vom Nordpol entfernt

Schichtwechsel am Nordpol

Zu Beginn der zweiten Etappe der einjährigen MOSAiC-Expedition ziehen die Teilnehmer ein erstes Fazit

Mit dem Austausch von Team und Schiffscrew geht die bislang größte wissenschaftliche Expedition in der Zentralarktis in die nächste Phase, um dringend benötigte Forschung am arktischen Klimasystem durchzuführen. Das Team des ersten Fahrtabschnitts, geprägt durch dünnes Meereis, zieht erste Bilanz: Trotz extremer Herausforderungen fließen die wissenschaftlichen Daten zuverlässig. Das neue Team sieht nun der dunkelsten und kältesten Forschungsperiode entgegen: dem bislang unerforschten arktischen Winter.

Mehr in der Pressemitteilung des AWI unter https://www.awi.de/ueber-uns/service/presse-detailansicht/presse/schichtwechsel-am-nordpol.html

 

Gruppenfoto des ersten Teams kurz vor Ende von Leg1. Unser Kollege steht hinten, aber - wie es sich für einen Atmosphärenforscher gehört .-) - ganz oben. Foto: Alfred-Wegener-Institut / Esther Horvath (CC-BY 4.0)

Rund 100 Personen tauschen die Plätze zwischen dem Forschungseisbrecher Polarstern, der seit Oktober mit dem arktischen Meereis driftet, und dem russischen Versorgungseisbrecher Kapitan Dranitsyn.

  • Polarstern und Captain Dranitsyn treffen sich an der MOSAiC-Scholle für den Austausch zum Start des zweiten Fahrtabschnitts. (Foto: Esther Horvath and Jakob Stark)

  • Nach der Ankunft an der MOSAiC-Scholle mit Captain Dranitsyn besuchen die wissenschaftlichen Teams und die Crew der zweiten Etappe die Polarstern. (Foto: Esther Horvath)

  • Frachtbetrieb auf dem Hubschrauberdeck von Polarstern (Foto: Esther Horvath)

  • Der Austausch zwischen den Schiffen bedeutet eine komplexe logistische Operation, bei der teilweise Fracht über das Eis, teilweise mit den Kränen direkt von Schiff zu Schiff befördert wird. (Foto: Esther Horvath)

  • Das Team Biogeochemie führt am Bohrloch die wissenschaftliche Übergabe durch. (Foto: Esther Horvath)

  • Wissenschaftler im Übergabegespräch auf der MOSAiC-Scholle (Foto: Esther Horvath)

14. Dezember 2019 (N86°36 E118°31)
Erste Filmaufnahmen im Deutschen Fernsehen

"Arktis-Expedition: Erste Filmaufnahmen der "Polarstern"

ARD-Tagesschau und -Tagesthemen zeigen anlässlich der UN-Klimakonferenz COP25 erste Filmaufnahmen aus dem Eis. (Das Erste, 14.12.19, 20:00 & 23:30 Uhr)

https://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-634023.html

 

Filmcrew bei der Arbeit im Eis. Foto: Esther Horvath, AWI

12. Dezember 2019 (N86°35 E119°17)
UN-Klimakonferenz COP25 in Madrid

Auf Einladung des BMBF gibt es im Deutschen Pavillon auf der UN-Klimakonferenz COP25 ein Side Event "Aerosol-Wolken-Wechselwirkungen in einem sich wandelnden Klima: Chance oder Bedrohung". Expertinnen und Experten, die mittels Live-Übertragungen zu Messstationen an Schlüsselorten auf verschiedenen Kontinenten und zum Forschungsschiff „Polarstern" in der Arktis zugeschaltet sind, stellen den Einfluss sich ändernder Luftverschmutzung auf das Wetter vor Ort und den globalen Klimawandel vor. Via Satelliten-Telefon können wir dabei auch mit unserem Kollegen Ronny Engelmann sprechen.

Mehr Infos unter
https://www.fona.de/de/aktuelles/nachrichten/2019/aerosole_wolken_side_event_cop25.php
&
https://www.tropos.de/aktuelles/veranstaltungen/un-klimakonferenz-2019-cop25

Die MOSAiC-Expedition ist auf der COP25 in Madrid dabei - via Satellitentelefon. Foto: Konstantin Engelbrecht, BMZ

10. Dezember 2019 (N86°32 E120°59)

„Man könnte es also schon fast Nordpol nennen .-)“

Kurz vor Ende des ersten Fahrtabschnittes von MOSAiC konnten wir am Dienstagabend mit unserem Kollegen Ronny Engelmann auf der Polarstern via Satellitentelefon sprechen. Das 5min-Telefonat war ein Test für die Live-Schaltung zu Observatorien weltweit während der UN-Klimakonferenz COP25 in Madrid, wo am Donnerstag in einem Side-Event über das internationale Lidar-Netzwerk PollyNet, die EU-Forschungsinfrastruktur ACTRIS und die Bedeutung von kurzlebigen Klimatreibern wie Aerosolen, Wolken und Spurengasen informiert werden soll.

Dr. Ronny Engelmann vom TROPOS an seinem Arbeitsplatz, dem OCEANET-Container auf der Polarstern während des ersten Fahrtabschnitts der MOSAiC-Expedition. Foto: Esther Horvath, AWI

Telefonat mit Dr. Ronny Engelmann vom TROPOS – z.Z. auf der FS Polarstern in der zentralen Arktis (10. Dezember 2019, 18:00 MEZ)

Telefonat mit Dr. Ronny Engelmann vom TROPOS – z.Z. auf der FS Polarstern in der zentralen Arktis (10. Dezember 2019, 18:00 MEZ)

Wie geht es Dir? Wie ist das Wetter bei Euch?

Mir geht es super. Das Wetter ist heute extrem schön: Wir haben sehr klaren Himmel, leichten Wind und gerade etwa -28°C.

Wo befindet ihr Euch zur Zeit?

Wir sind momentan ungefähr bei 86,5 Grad Nord und auf direktem Weg nach Norden. Man könnte es also schon fast Nordpol nennen .-)

Ist seid dort auf einer Forschungsreise mit einem Schiff, welches viele wissenschaftliche Geräte trägt. Was untersucht ihr dort alles?

Wir sind auf der Expedition MOSAiC. Das ist eine multidisziplinäre Messkampagne, wo es um arktische Parameter geht. Vom tiefen Ozean bis in die hohe Atmosphäre übers Eis über Biologie alles wird vermessen. Dazu gibt es verschiedene Teams und wir gehören zum Team Atmosphäre. Und im speziellen untersuchen wir, wie Aerosole und Wolken transportiert werden.

Das TROPOS ist beteiligt mit mehreren Geräten. Welche sind das?

Wir haben einen Messcontainer mit einem Aerosol- und Wolkenlidar, zwei verschiedene Mikrowellenradiometern, ein bisschen Standardmeteorologie und eine Strahlungsmessstation. Damit wollen wir den Zusammenhang zwischen Aerosolen, Wolken und Strahlung hier festhalten.

Ihr untersucht also die Atmosphäre. Habt ihr schon etwas Besonderes festgestellt?

Hmm, besonders: Man stellt sich die Arktis immer als ursprünglich, also als eine Art Reinluftgebiet vor. Aber so ist es nicht. Wir sehen die ganze Zeit Aerosolschichten in 7 bis 14 Kilometern Höhe, die aus südlichen Breiten antransportiert werden. Und am Boden, wenn man Wolken hat – und wir haben oft ziemlich viele Wolken - , ist die Luft sehr sauber, weil die Wolken das alles auswaschen. Wenn wir aber wie z.B. die letzte Woche ziemlich wenig Wolken haben, kann man sehen wie kontinentale Verschmutzung z.B. aus Waldbränden nach Norden in die Arktis driftet, wo man das dann hier messen kann. Das ist speziell.

Also seid ihr gar nicht so weit weg von uns: Wir schicken zur Zeit unsere Abgase zu Euch…

So könnte man das sagen, ja. Es ist aber auch nicht ganz einfach herauszufinden, von wem das stammt weil wir hier ja Wettermodelle haben, aber keinen Live-Zugang zu den Trajektorienberechnungen. Deshalb ist es noch viel Arbeit herauszubekommen, wo das eigentlich alles herkommt.

Wie ist der Plan? Wie lange soll Eure Forschungsreise gehen?

Diese Messkampagne dauert ja ein ganzes Jahr. Ich bin jetzt auf dem ersten Abschnitt dabei. Insgesamt gibt es 6 Abschnitte bis Oktober nächstes Jahr. Wir wollen alle Jahreszeiten am Nordpol erfassen. Mein Abschnitt selber wird ziemlich bald enden, da wir demnächst Ablösung bekommen mit einem anderen Schiff. Das ist noch ungefähr 100 Meilen entfernt und wird eventuell morgen – wenn es gut läuft – am Horizont auftauchen. Dann wird ein bisschen umgeladen, dann werden wir Personal austauschen und dann fahren, glaube ich, alle auf diesem Schiff bis auf 5 Leute zurück.

(Die Fragen stellten Dr. Dietrich Althausen und Tilo Arnhold.)

 

 

8. Dezember 2019 (Leipzig/Tromsø/Arktik)

Neue Ausrüstung und Ablösung unterwegs

Sensoren für den großen TROPOS-Fesselballon „BELUGA“ unterwegs zu MOSAiC

Für den kommenden Einsatz des TROPOS Fesselballons „BELUGA“ auf der MOSAiC Expedition von April bis Juni 2020, sind nun auch die Instrumente zur Erforschung der atmosphärischen Grenzschicht in der Arktis auf dem Weg ins Eis. Auf dem ersten Versorgungseisbrecher „Kapitan Dranitsyn“ werden die Sensoren zur Messung von Aerosolen, Turbulenz und Strahlung zur eingefrorenen Polarstern gebracht. Mit dabei ist auch das Ergebnis intensiver Entwicklungsarbeiten des TROPOS: zwei neue Plattformen „CAMP 1 & 2“, die mittels hochsensibler Instrumente selbst geringste Konzentrationen an Ruß sowie weitere Aerosol-Eigenschaften messen können. Christian Pilz, TROPOS

BELUGA-Ausrüstung vor dem Abtransport. Foto: Tilo Arnhold, TROPOS

Im November gingen vom TROPOS in Leipzig aus mehrere Kisten nach Tromsø (Norwegen). Von dort bringt sie ein russischer Eisbrecher zur Polarstern damit die Technik dann im Frühjahr 2020 auf dem Eis eingesetzt werden kann. Fotos: Tilo Arnhold, TROPOS

Mit der „Kapitan Dranitsyn“ ist Ende November in Tromsø (Norwegen) auch ein Kollege aus unserer Lidargruppe gestartet, der den jetzigen Betreuer des OCEANET-Containers ablösen wird. Der Eisbrecher wird an der Polarstern für ca. 13.12. erwartet.

  • Foto: Folke Mehrtens, AWI

  • Foto: Folke Mehrtens, AWI

  • Foto: Folke Mehrtens, AWI

7. Dezember 2019 (N86°9 E122°9)

Winterstürme und völlige Finsternis

„Bis einschließlich gestern herrschte hier ein paar Tage lang ein starker Wind mit Schneedrift und geringen Sichtweiten. Um die Arbeit auf dem Eis zu erleichtern und den Weg nach Hause zu beleuchten, werden die drei Scheinwerfer von Polarstern eingesetzt.“ https://follow.mosaic-expedition.org/

Die Polarstern in der Polarnacht. Inzwischen herrscht rund um die Uhr totale Finsternis. Bis mittags eine Andeutung von Dämmerung zu erahnen ist, wird noch über ein Monat vergehen, bis sich wieder die Sonne am Horizont zeigen wird, noch deutlich länger. Die Temperaturen sinken unter -30°C – im Schneesturm mit Windchill-Effekt weit unter -40°C. Foto: Esther Horvarth, AWI

6. November 2019 (N85°55; E116°43)

Arbeit in der Polarnacht

„Unsere Schiffsuhren stehen derzeit auf UTC+8. Damit sind wir der mitteleuropäischen Zeit sieben Stunden voraus. Wir werden von nun an jede Samstagnacht die Uhren zurücksetzen bis wir UTC +3 erreicht haben. Das ist die Moskauer Zeit, nach der auf dem Eisbrecher Dranitsyn, das nächste Versorgungsschiff, gelebt und gearbeitet wird.“ https://follow.mosaic-expedition.org/

Die Polarstern in der Polarnacht. Die großen Bordscheinwerfer bringen etwas Licht ins Dunkel. Vorn auf dem Deck stehen diverse Messcontainer, darunter auch der OCEANET-Container vom TROPOS – zu erkennen am grünen Licht des Lasers, das von der Dachluke des Containers reflektiert wird. Der Laserstrahl des Lidars selber ist nicht zu erkennen, weil die Luft am Boden hier sehr sauber ist und die Bordscheinwerfer der Polarstern deutlich heller sind. Foto: Esther Horvarth, AWI

25. Oktober 2019 (N85°26 E127°50)

Polarnacht & Wetter

Polarnacht

Die Polarnacht ist auf der MOSAiC-Eisscholle eingekehrt. Dunkelheit prägt das Bild da die Sonne nicht mehr über den Horizont kommt. Statt dessen gibt es in der Mittagszeit nur noch wenig Restlicht wie in der Heimat weit nach Sonnenuntergang am Ende der Dämmerung.

https://follow.mosaic-expedition.org/blog/mosaic_25-10-19/?lang=de

Die Scholle triftet jetzt immer mehr nach Nordwesten Richtung Spitzbergen: https://www.awi.de/fileadmin/user_upload/MET/PolarsternCoursePlot/psobse.pdf 

 

Wie ist das Wetter auf FS Polarstern in der Arktis gerade?

Die aktuellen Daten zu Temperatur, Niederschlag und Wind gibt es jetzt auch stündlich beim Norwegischen Wetterdienst - inkl. Vorhersage: https://www.yr.no/en/forecast/daily-table/0-82/Polarstern

Mehr dazu in den PolarPredictNews auf Englisch: https://www.polarprediction.net/news.html

Diese Daten stammen von der Bordwetterwarte der Polarstern, die vom Deutschen Wetterdienst (DWD) betrieben wird. Die aktuellen Wetterdaten sind auch online
beim DWD https://www.dwd.de/DE/fachnutzer/schifffahrt/maritimberatung/mosaic/polarstern/polarstern_node.html
und AWI https://www.awi.de/nc/forschung/langzeit-beobachtung/atmosphaere/polarstern-eisbrecher.html

 

Die Polarstern in der Polarnacht. Foto: Alfred-Wegener-Institut / Esther Horvath (CC-BY 4.0)

04. Oktober 2019:
MOSAiC-Expedition startet Eisdrift auf einer Scholle bei 85 Grad Nord und 137 Grad Ost

Das MOSAiC-Team hat die Scholle festgelegt, die Ausgangspunkt für die einjährige Eisdrift mit dem deutschen Forschungseisbrecher Polarstern vorbei am Nordpol sein wird. Vorausgegangen ist eine intensive Suche per Satellitenbildern und Helikopter-Überflügen im Zielgebiet in der zentralen Arktis, die durch den vom Arktischen und Antarktischen Forschungsinstitut Russlands (AARI) betriebenen Eisbrecher Akademik Fedorov unterstützt wurde. Die beteiligten Wissenschaftler hatten 16 Schollen genauer untersucht, deren Satellitenaufnahmen vermuten ließen, sie wären groß genug für das Forschungscamp. Während einer Zusammenkunft auf der Polarstern werteten sie schließlich die Ergebnisse aus und einigten sich darauf, die Eisdrift auf einer etwa 2,5 mal 3,5 Kilometer messenden Scholle bei 85 Grad Nord und 137 Grad Ost vorzubereiten. Die Scholle, an der sich die Polarstern nun festfrieren lässt, driftet derzeit bis zu 10 Kilometer pro Tag in unterschiedliche Richtungen.

Mehr dazu unter: https://www.awi.de/ueber-uns/service/presse-detailansicht/presse/eine-festung-aus-eis-und-schnee.html

 

Erste Forschergruppe auf der Scholle (Foto: Esther Horvath, AWI)

22. September 2019:
Auf dem Weg ins Packeis

Polarstern ist unterwegs in die nordöstliche Arktis. Die Vorbereitungen für die Arbeiten auf der Eisscholle laufen während dieser Transferfahrt auf Hochtouren. In der Barentsee boten sich nachts spektakuläre Anblicke von Nordlichtern, der Aurora Borealis:  https://follow.mosaic-expedition.org/blog/mosaic_22-09-19/?lang=de
Für unseren Lidarexperten ein seltener Anblick: Das grüne Licht des Lasers aus unserem OCEANET-Container trifft auf grüne Polarlichter.

 

"Leinen Los für MOSAiC Leg 1" - der erste Post im Polarstern-Blog von Marcel Nicolaus (AWI) vom 22.09.2019: https://blogs.helmholtz.de/polarstern/2019/09/leinen-los-fuer-mosaic-leg-1/

Mehr zum tagesaktuellen Geschehen auf Polarstern unter https://follow.mosaic-expedition.org/

 

Foto: Alfred-Wegener-Institut / Stefan Hendricks

Abschiedsparty zum Auslaufen der FS Polarstern in Hafen von Tromsø (Norwegen) am 20.09.2019

  • Foto: Ronny Engelmann, TROPOS

  • Foto: Alfred-Wegener-Institut (CC-BY 4.0)

  • Foto: Andreas Macke, TROPOS

  • Foto: Alfred-Wegener-Institut (CC-BY 4.0)

  • Foto: Alfred-Wegener-Institut (CC-BY 4.0)

  • Foto: Alfred-Wegener-Institut (CC-BY 4.0)

  • Foto: Alfred-Wegener-Institut (CC-BY 4.0)

  • Foto: Alfred-Wegener-Institut (CC-BY 4.0)

  • Foto: Alfred-Wegener-Institut (CC-BY 4.0)

  • Foto: Alfred-Wegener-Institut (CC-BY 4.0)

  • Foto: Alfred-Wegener-Institut (CC-BY 4.0)

  • Foto: Alfred-Wegener-Institut (CC-BY 4.0)

20. September 2019:
Abfahrt der Polarstern

Meldungen und Medienberichte zum Start:

Radiointerview auf detektor.fm mit Prof. Dr. Andreas Macke, zum Interview "Die größte Arktis-Expedition der Geschichte", 19.09.2019

Bericht im Tagesspiegel, zum Artikel "Eiskalte Forschung Warum Wissenschaftler den Winter in der Arktis verbringen", 18.09.2019

Bericht in der sächsischen Zeitung, zum Artikel "Sachsen lassen sich am Nordpol einfrieren. Heute beginnt Mosaic, die größte Arktis-Expedition aller Zeiten. Sächsische Forscher sind dort mit dabei - und auch die SZ", 20.09.2019

In Tromsö werden die letzten Container verladen. Der weiße OCEANET-Container von TROPOS (rechts in der Mitte) steht bereits auf dem Deck. Foto: Esther Horvarth, AWI

26. August 2019:
Abtransport Container & Ausrüstung

Jetzt geht’s los! Unser OCEANET-Container mit PollyNet-Lidar & anderen Geräten hat heute Leipzig verlassen. Ziel: Tromsö.

https://twitter.com/TROPOS_de/status/1166004044768456704

Foto: Tilo Arnhold, TROPOS

Vorbereitungen

Das Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) wird sich federführend an zwei zentralen Messungen der MOSAiC-Kampagne beteiligen: Zum einen wird der OCEANET-Fernerkundungscontainer für die gesamte Eisdrift kontinuierlich die vertikale Aerosol- und Wolkenverteilung mittels Lidar, Radar und Mikrowellenradiometern erkunden. Zum anderen wird ein 90 Kubikmeter großer Fesselballon auf den Abschnitten 4 und 5 im Sommer 2020 mehrere Messsysteme bis in 1500 m Höhe bringen, um die arktische Grenzschicht möglichst genau auszumessen. TROPOS ist außerdem in die Fahrtleitung des Expeditionsabschnitts 5 eingebunden: Fahrtleiter dieses Abschnitts werden Prof. Dr. Dieter Wolf-Gladrow vom AWI und TROPOS-Direktor Prof. Dr. Andreas Macke sein.

siehe Pressemitteilung vom 27. Juni 2018

 

Von Mitte Januar bis Mitte Februar 2019 fand an der TROPOS-Station Melpitz bei Torgau eine Feldkampagne, die zur Vorbereitung auf die MOSAiC-Expedition diente.

siehe auch Kampagnenbericht von Februar 2019 und Video zu den Probemessungen von MDR Wissen

 

Im Winter hat das Leipziger Team in Melpitz den Auf- und Abbau des Fesselballons samt der daran angehängten Messtechnik geprobt. Foto: Tilo Arnhold, TROPOS

Ein Jahr eingefroren im Nordpolarmeer

MOSAiC - Multidisciplinary drifting Observatory for the Study of Arctic Climate

Es wird die größte Arktisexpedition aller Zeiten: Ab Herbst 2019 driftet der deutsche Forschungseisbrecher Polarstern eingefroren durch das Nordpolarmeer. Auf der MOSAiC-Expedition erforschen Wissenschaftler aus 19 Nationen die Arktis im Jahresverlauf. Sie überwintern in einer Region, die in der Polarnacht nahezu unerreichbar ist. Allein die Naturgewalt der Eisdrift bietet ihnen diese einmalige Chance. Auf einer Eisscholle schlagen sie ihr Forschungscamp auf und verbinden es mit einem kilometerweiten Netz von Messstationen.

Kaum eine Region hat sich in den vergangenen Jahrzehnten so stark erwärmt wie die Arktis. Ziel der Expedition ist es daher, den Einfluss der Arktis auf das globale Klima besser zu verstehen. Sie wird damit ein Meilenstein für die Klimaforschung, ihre Daten wertvoll für Generationen sein. Die Mission unter Leitung des Alfred-Wegener-Instituts ist verbunden mit noch nie dagewesenen Herausforderungen. Eine internationale Flotte von Eisbrechern, Helikoptern und Flugzeugen versorgt das Team auf dieser extremen Route. Nur mit geeinten Kräften kann die Expedition gelingen.

Trailer zur MOSAiC-Expedition des Alfred-Wegener-Instituts

Erstmals wird der Forschungseisbrecher Polarstern eingefroren durch die zentrale Arktis driften. Archivfoto (Polarsternexpedition ANT-XXIX/6 2013): Alfred-Wegener-Institut/Stefan Hendricks

Die MOSAiC-Expedition des deutschen Forschungseisbrechers Polarstern. Karte: AWI/BMBF