12. Oktober 2020 (online)
Willkommen zu Hause, Polarstern!

Die Polarstern kehrt nach ihrer einjährigen MOSAiC-Expedition in der Arktis zurück nach Bremerhaven. Am Montag, 12.Oktober, wird ab circa 7:15 Uhr die Rückkehr des Eisbrechers live vom Alfred-Wegener-Institut gestreamt. Zusätzlich berichtet das AWI auf diversen Social Media-Kanälen unter dem Hashtag #welcomePolarstern: https://www.awi.de/im-fokus/mosaic-expedition/livestream.html

 

Foto: Jan Rohde, AWI

Foto: Jan Rohde, AWI

10. Oktober 2020 (N 58°39‘, E 04°09‘, westlich von Norwegen)
Letzter Bericht vor der Heimkehr

Liebe alle,

wir sind nun auf der Fahrt nach Hause und werden am kommenden Montag (12. Oktober 2020) in Bremerhaven ankommen. Es ging sehr zügig durch die verschiedene Meere (Grönlandsee, Norwegisches Meer, Nordsee) zurück.
Diese Ankunft ist keine Standardankunft, sondern eine Ankunft nach einem Jahr in der zentralen Arktis. Es ist eine Ankunft der Besatzung und der Wissenschaftler vom Abschnitt 5 der MOSAiC-Kampagne. Aber es ist indirekt auch eine Ankunft der Bemühungen von viel mehr Menschen. Ich möchte besonders die früheren Teilnehmer der MOSAiC-Kampagne nennen, die die Systeme betrieben haben, die ich zu betreiben hatte: Ronny, Hannes, Martin und Julian. Sie haben einen großartigen Job gemacht und ich brauchte nur einfach ihre Arbeit fortgesetzen.
Wir haben eine Menge Daten gemessen. Ich hoffe, dass wir die Gelegenheit haben werden, all die wunderbaren Daten auszuwerten. Besonders denke ich an das Frieren und Schmelzen auf "unserer" Scholle 2.0 während des Abschnitts 5. Wir hatten unterschiedliche atmosphärische Bedingungen: Kaltluftadvektion, Warmluftadvektion, abnehmender Sonnenhöhenwinkel (damit sich ändernde Strahlungsverhältnisse), abgehobene Aerosolschicht, unterschiedliche Wolkenentwicklungen und so weiter. Ich denke auch an unsere Transits durch die Eiskante, mit Stationen im Eisgebiet und dann vor und zurück (aus dem Eisbereich heraus und zurück in den Eisbereich).
MOSAiC ist die Abkürzung für "Multidisciplinary Drifting Observatory of the Study of Arctic Climate" (Multidisziplinäres driftendes Observatorium zur Erforschung des arktischen Klimas). Dieses ist auch in den 5 wissenschaftlichen Teams an Bord vertreten: ATMOS, EIS, OZEAN, ÖKO, Biogeochemie. WissenschaftlerInnen aus verschiedenen Disziplinen arbeiteten zusammen und blickten mit ihren unterschiedlichen Techniken vom All nach unten oder von einigen Metern über dem Meeresboden nach oben und ihren unterschiedlichen Untersuchungsobjekte auf die verschiedenen Skalen, Kreisläufe, Kräfte, Energien, Flüsse, lebende und nicht lebende Materie, Wasser, Temperaturen, Salzgehalt, Meereis, Atmosphäre, ...
Das nächste Ziel ist es, die Puzzleteile zusammenzufügen, um die Arktis und ihre inneren Eigenschaften, mögliche Einflüsse auf unser Leben und unsere Beiträge auf ihr zukünftiges Verhalten besser verstehen zu können. Hoffen wir, dass wir dafür Unterstützung bekommen werden.
Ich wünsche Euch alles Gute und bitte bleibt gesund!

Beste Grüße
Dietrich

 

Quelle: https://follow.mosaic-expedition.org/ / AWI

  • Polarstern auf dem Weg nach Süden beim Messen der Atmosphäre über der marginalen Eiszone (MIZ). Foto: Markus Rex, AWI

    Polarstern auf dem Weg nach Süden beim Messen der Atmosphäre über der marginalen Eiszone (MIZ). Foto: Markus Rex, AWI

  • Pfannkuchen-Eis auf der Heimreise. Foto: Folke Mehrtens, AWI

    Pfannkuchen-Eis auf der Heimreise. Foto: Folke Mehrtens, AWI

  • Das Atmos-Team lässt seinen letzten Radiosonden-Ballon der MOSAiC-Expedition steigen. Foto: Lianna Nixon, University of Colorado

    Das Atmos-Team lässt seinen letzten Radiosonden-Ballon der MOSAiC-Expedition steigen. Foto: Lianna Nixon, University of Colorado

22. September 2020 (N 86°28’, E 94°40’)
Abschied von der Eisscholle 2.0.

Liebe alle,

vorgestern war ein besonderer Tag. Es war Tag 366 des MOSAiC-Experiments (Geburtstag). Am 20. September 2019 hatte die Polarstern Tromsø verlassen. Und nun, ein Jahr später, haben wir die Scholle 2.0 verlassen. Die zwei Tage davor (18. - 19. September 2020) wurden für den Abbau, das Packen und das Verschiffen aller Instrumente genutzt.

Am 20. September 2020 waren um 13.00 Uhr Floelympics geplant. Die Floelympics wurden jedoch abgesagt, weil 2 Eisbären in der Nähe waren. Um 15.00 Uhr waren dann aber das Gruppenfoto und ein Glühwein auf der Scholle möglich. Das Ende des Glühweins wurde wieder von einem Eisbären bestimmt. Dieser wollte sich auch persönlich von uns verabschieden. Also ging er/sie in "unser" Gebiet. Wir gingen ruhig an Bord, alles funktionierte sehr gut. Die Eisbärenwächter hatten ihn/sie im Voraus sehr früh erkannt bzw. hatten schon mehrere Augen auf ihn gerichtet. Auch wir konnten ihn/sie auch schon im Voraus sehen. Wie auch immer, es war sowieso Zeit abzufahren. Alle Dinge sind wieder entfernt, und die Herren dieses Gebietes (die Eisbären) und all die anderen Tiere und Pflanzen übernahmen das Gebiet wieder als ihr Domizil wie es zuvor war. Nebenbei bemerkt: Wir haben die Eisbären nie gestört. Wenn sie kamen, entfernten wir uns immer.

Was geschah noch?
Am Mittwoch, den 16. September 2020, um 20:00 Lokalzeit hatten wir "den offenen Container". Es war eine gute und erfolgreiche Veranstaltung. Ich hatte mehrere Folien vorbereitet, diese Folien ausgedruckt und war dadurch gut vorbereitet. Das Interesse war groß, ich konnte vielen Forschenden unsere Systeme und die Ideen dahinter zeigen.

Sonnenaufgang, Sonnenuntergang:
An der Scholle kam die Sonne mit der Zeit immer weniger über den Horizont, aber einen Sonnenuntergang hatten wir dort nicht. Als wir uns auf den Rückweg in den Süden machten, kam die Sonne maximal 3° über den Horizont. Der Nachmittag und die Nacht waren dadurch  schon ein bisschen wie ein deutscher später Nachmittag. Jetzt sind wir aber mehr im Süden und hatten gestern unseren ersten Sonnenuntergang seit Wochen. Aber aufgrund von Wolken konnten wir diesen Sonnenuntergang nicht sehen ... es war eher ein theoretischer Sonnenuntergang. Aber heute war der Sonnenuntergang so wunderbar, wunderschön, erstaunlich, ... deshalb füge ich diesem Bericht ein Sonnenuntergangsfoto hinzu. Dieses Foto wurde auf dem Arbeitsdeck aufgenommen.

Niedrige Elevationswinkel der Sonne an der Scholle:
Es war interessant, bei dem niedrigen Sonnenstand im nebligen Himmel die dunklen Reflexionen der teilweise langen und unterschiedlich breiten Eisrisse mit mehr oder weniger offenem Wasser zu sehen. Ich habe für diese Zeit des Jahres gelernt: "wo man dunkle Strukturen am Himmel sehen kann ... gibt es bzw. könnte es Wasser unterhalb geben bzw. es könnte zugänglich sein". Ist das nicht interessant? …

Pläne:
Uns wurde mitgeteilt, dass die Polarstern am 2. Oktober 2020 im Isfjord/Svalbard ankommen wird. Dann sollen die Gewehre und andere Eisbären-Sicherheitsgegenstände in Ny-Aalesund zurückgegeben werden. Wir werden Svalbard am 4. Oktober verlassen, da es etwa 6 Tage bis Bremerhaven dauert (+2 Tage als Reserve für den Fall schlechter Wetterbedingungen). Die Ankunft der Polarstern ist für den 12. Oktober 2020 geplant.

Aber zuerst wollen wir sehen, wie schnell wir uns durch das Eis bewegen können. Im Moment scheint es einfacher zu sein als gedacht. Dies könnte weitere wissenschaftliche Stationen auf unserer Reise ermöglichen. Vor allem die Eiskante könnte ein interessantes Gebiet sein. Schauen wir mal.

Eine gute Zeit und bitte bleibt gesund.

Beste Grüße
Dietrich

 

Endlich wieder Sonnenuntergänge. Foto: Dietrich Althausen, TROPOS

  • Foto: Markus Rex, AWI

    Foto: Markus Rex, AWI

  • Foto: Sandro Dahlke, AWI

    Foto: Sandro Dahlke, AWI

  • Foto: Folke Mehrtens, AWI

    Foto: Folke Mehrtens, AWI

  • Foto: Folke Mehrtens, AWI

    Foto: Folke Mehrtens, AWI

  • Foto: Lianna Nixon, University of Colorado

    Foto: Lianna Nixon, University of Colorado

  • Foto: Lianna Nixon, University of Colorado

    Foto: Lianna Nixon, University of Colorado

31. August 2020 (N51°20, E12°23)
"Ein Jahr im Eis"

Für die größte Arktis-Expedition aller Zeiten driftet die Polarstern seit Monaten im Nordpolarmeer. Wie forscht es sich umgeben von Schollen und Eisbären? Ein Gespräch.

"Leibniz" - das Magazin der Leibniz-Gemeinschaft - sprach in Zusammenarbeit mit dem Podcast-Radio detektor.fm – über die Mammutexpedition, das Leben an Bord und Eisbärbesuche in kalten Polarnächten mit Martin Radenz und Andreas Macke vom TROPOS:
https://www.leibniz-magazin.de/alle-artikel/magazindetail/detail/ein-jahr-im-eis.html

Quelle: Leibniz-Gemeinschaft / Foto: Stefan Hendricks, AWI

Quelle: Leibniz-Gemeinschaft / Foto: Stefan Hendricks, AWI

09. September 2020 (N78°15, E15°28)
Messflüge von Spitzbergen in vollem Gange

Die Arktis-Messkampagne mit Forschungsflugzeugen läuft: Die wissenschaftlichen Flüge dienen der Erforschung von Atmosphäre und Meereis und ergänzen das umfangreiche Programm der MOSAiC-Expedition. Auch Forscher der Universität Leipzig sind an Bord.
Mehr dazu bei der Uni Leipzig https://www.uni-leipzig.de/newsdetail/artikel/messfluege-in-vollem-gange-2020-09-09/ , der Sächsischen Zeitung https://www.saechsische.de/wirtschaft/umwelt/endlich-uebers-polar-eis-5268862-plus.html und bei Youtube https://www.youtube.com/watch?v=K0cXMN_q7W4&feature=youtu.be

MOSAiC-Flugkampagne von Spitzbergen aus. Foto: Stephan Schön, Sächsische Zeitung

MOSAiC-Flugkampagne von Spitzbergen aus. Foto: Stephan Schön, Sächsische Zeitung

  • MOSAiC-Flugkampagne von Spitzbergen aus. Foto: Stephan Schön, Sächsische Zeitung

    MOSAiC-Flugkampagne von Spitzbergen aus. Foto: Stephan Schön, Sächsische Zeitung

  • MOSAiC-Flugkampagne von Spitzbergen aus. Foto: Stephan Schön, Sächsische Zeitung

    MOSAiC-Flugkampagne von Spitzbergen aus. Foto: Stephan Schön, Sächsische Zeitung

  • MOSAiC-Flugkampagne von Spitzbergen aus. Foto: Stephan Schön, Sächsische Zeitung

    MOSAiC-Flugkampagne von Spitzbergen aus. Foto: Stephan Schön, Sächsische Zeitung

06. September 2020 (N 88°45, E 116°34)
Stürme könnten unsere Welt verändern.

Liebe alle,

hier mein nächster Bericht von unserer Station auf der Eisscholle 2.0. Im Moment befinden wir uns auf etwa 88,757°N, 116,565°O.

Heute Morgen hatten wir ruhiges Wetter. Daher konnte der Hubschrauber - zum ersten Mal auf der Scholle 2.0 - mehr als 400 m von der Polarstern entfernt fliegen.
Nun erwarten wir Schnee- und Windgeschwindigkeiten mit 5-6 Bft. (10-12 m/s) und Böen von bis zu 7-8 Bft. Ich nenne das mal das EREIGNIS MIT SCHNELLEREM WIND UND SCHNEE.
Allen ist bewusst, dass die Scholle brechen und "sonst etwas" passieren könnte. Daher bestand unsere heutige Arbeit darin, Generatoren in die Met-City zu bringen. Hoffentlich werden sie nicht notwendig sein.

In unserem Oceanet-Container scheint alles gut zu laufen. Das Sonnenphotometer mag einige Probleme haben, aber ich kann das nicht überprüfen, da wir bisher während der Etappe 5 keinen wolken- und nebelfreien Tag hatten.
Ich kontrolliere täglich alle Systeme, bin froh, dass alles gut läuft, und unterstütze andere Wissenschaftler: ich helfe beim Transport von Systemen vom Schiff zur Met-City und in der Umgebung und mache Brückenwache (Ausschau nach Eisbären).

Stürme könnten unsere Welt verändern. Das Ocean-Team denkt über die vertikale Struktur nach. In "unserer" Region befindet sich das Wasser des Arktischen Ozeans oben, unterhalb des Atlantikwassers, und die unterste "Schicht" ist wiederum Wasser des Arktischen Ozeans. Die Temperatur des Wassers des Arktischen Ozeans liegt unter 0°C, während die Oberseite des Atlantikwassers etwa 1°C warm ist. Es wird angenommen, dass ein Sturm eine vertikale Vermischung des Atlantikwassers mit der Meeresoberfläche verursachen könnte. Dies hätte dramatische Auswirkungen auf das Meereis. Es würde nicht überleben.

Außerdem könnte Schnee unsere frierende Welt verändern. Gegenwärtig befinden wir uns in diesem Übergangsstadium zum Gefrieren. Alles ist fragil und hängt vom Energie- und "Molekülbudget" an der Oberfläche ab. Schnee hat bereits und wird auch in Zukunft die Albedo der Schmelztümpel, der Eisrisse und der Teile des offenen Wassers hier verändern. Dies wird die Welt hier in eine winterliche Welt verwandeln.

Zurück zum "EREIGNIS MIT SCHNELLEREM WIND UND SCHNEE" ...
Eine besondere intensive Beobachtungsperiode steht an. Von heute ab nach dem Mittagessen (ca. 13:45) bis morgen (Montag) 24:00 werden viele zusätzliche Messungen durchgeführt. Dies erfordert auch einen großen logistischen Aufwand, da wir zu jeder Zeit mit Eisbären rechnen müssen. Die meisten Instrumente für atmosphärische Messungen laufen kontinuierlich. Für die Messungen im Ozean ist jedoch ein Meereswissenschaftler als Operator erforderlich. Aus Sicherheitsgründen ist auch eine zusätzliche Person erforderlich, die diesen Ozeanforscher bei den Messungen begleitet. Daher haben sie eine Liste von "Ozeanfreunden" erstellt. Ich habe mich eingetragen und werde morgen Abend von 18-20 Uhr ein "Ozeanfreund" sein. Ich freue mich darauf, mehr darüber zu erfahren, was und wie sie messen.

Mal sehen, was die Winde und der Schnee für uns alle bringen werden.
Ich wünsche allen viel Spaß und bitte bleibt gesund.

Beste Grüße
Dietrich

Foto: Folke Mehrtens, AWI

31. August 2020 (N78°15, E15°28)
Erste Arktis-Messflüge seit Beginn der Corona-Pandemie

Deutsche Polarforschungsflugzeuge Polar 5 & Polar 6 starten Atmosphärenmessungen über dem Arktischen Ozean.

Mehr dazu in den Pressemitteilungen der Universität Leipzig https://www.uni-leipzig.de/newsdetail/artikel/erste-arktis-messfluege-seit-beginn-der-corona-pandemie-2020-08-31/
und des AWI https://www.awi.de/ueber-uns/service/presse-detailansicht/presse/mosaic-flugkampagne-erste-arktis-messfluege-seit-beginn-der-corona-pandemie.html

Die Forschungsflugzeuge Polar 6 und Polar 5 während der Flugkampagne in Spitzbergen angekommen. Foto: Esther Horvath, AWI

Die Forschungsflugzeuge Polar 6 und Polar 5 während der Flugkampagne in Spitzbergen angekommen. Foto: Esther Horvath, AWI

31. August 2020 (N51°20, E12°23)
"Leipziger im ewigen Eis"

"Leipziger Leben – das Magazin für Leipzig“ berichtete über die MOSAiC-Expedition und sprach dazu mit Expeditionsteilnehmer Hannes Griesche vom TROPOS: https://www.l.de/assets/html/epaper/4/032020/ePaper032020/epaper/Leipziger-Leben-01-2020.pdf

Quelle: Leipziger Leben / LVV Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft mbH

Quelle: Leipziger Leben / LVV Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft mbH

31. August 2020 (N 88°19‘, E 114°18‘)
Die Farben hier sind wirklich etwas Besonderes.

Liebe alle,

 

hier ein Bericht von einem nebligen Tag in der Arktis. Auch heute hatten wir nicht die Wetterbedingungen, die sich Lidar-Leuten wünschen. Aber - natürlich - ich nehme Daten auf. Jeden Tag überprüfe ich die Systeme im OCEANET-Container und versuche zu verstehen, wie gut die Systeme darin laufen.

Daneben führe ich in der Regel eine Stunde lang Brückenwachen durch. Es gibt eine Menge Wissenschaftler mit Untersuchungen auf dem Meereis. Eisbärenwachen sorgen für die Sicherheit dieser Wissenschaftler. Die Brückenwachen (an der höchsten Stelle im Umkreis) sind notwendig, um Eisbären so früh wie möglich zu erkennen. Es ist ein harter Job: mit dem Fernglas auf eine weiße Fläche rund um das Schiff zu schauen, um weiße "Dinge" zu erkennen.

Aber es ist auch eine schöne Arbeit, all diese Formen und Farben des Eises zu sehen. Die Farben sind etwas Besonderes. Zuerst (bei der Anreise mit der Akademik Tryoshnikov) sahen wir beim Betreten des Meereisgebietes eine Menge schmutziger Schollen. Aber jetzt sehen wir fast nur noch "sauberes" weißes Eis. Warum auch immer. Wenn Eisstücke übereinander bewegt werden, können sie kleine Höhlen oder ähnliche Dinge bilden. Diese Höhlen schimmern, glänzen mit/in einer sehr, sehr schönen bläulichen Farbe. Außerdem unterscheidet sich die Farbe jedes Schmelztümples von dem eines anderen Tümpels. Von blau bis bläulich, bis bläulich-grünlich, bis schwärzlich, bis schwarz. Das Eis bewegt sich und kann auch leicht zusammen frieren. Die Oberflächen sind nicht wirklich stabil und können in dieser Jahreszeit schmelzen und gefrieren. Dies führt zu bizarren Formen. Teilweise mehr größere Blöcke, teilweise aber auch dünne Platten. Ich habe kein Gesetz gefunden, ob die Formen eher kugelförmig oder eckig sind. Jedenfalls ist alles in Entwicklung. Alles ist ein zerbrechlicher und permanenter Prozess. In letzter Zeit haben die Gesamtbewegungen einige "echte" Veränderungen unserer Scholle bewirkt (neue kleine Pressungen/Erhöhungen und offene Wasserbereiche ...). Aber wir alle sind gute Teams und können mit solchen Situationen umgehen.

Heute möchte ich ein Foto mit dem Blick auf die Container im Bugbereich und um das Meereis schicken. Die Scholle befindet sich auf der rechten Seite des Schiffes (Steuerbord). Gleich neben dem Schiff befindet sich ein wenig flaches Eis, dann die Erhöhung mit den blauen Schmelztümpeln. Hinter dem Rücken folgen die anderen Bereiche der Scholle mit verschiedenfarbigen Schmelztümpeln. Auf der Backbordseite ist das Eis durch Schiffsmanöver teilweise gebrochen. Dieser Bereich wird derzeit jedoch nicht untersucht.

 

Beste Grüße und bleibt gesund!
Dietrich

Foto: Dietrich Althause, TROPOS

27. August 2020 (N87°58 / E107°48)
Viel Nebel und langsam etwas Routine

Liebe alle,

lasst mich einen weiteren Bericht über meinen Aufenthalt auf der Polarstern versuchen: 87°58' N / 107°48' E.

Beginnen wir mit dem Wetter. Wir haben hier fast ständig Nebel und/oder tiefhängende Wolken. Das ist bei den Lidar-Messungen wirklich störend. Die Temperaturen liegen um 0°C, die gefühlte Temperatur kann durch den Windchill-Effekt zwischen -10°C und 0°C liegen. Wir hatten teilweise eisigen Regen. Die Sonne ist sehr oft / fast permanent durch Nebel und/oder Wolken verdeckt.

Wir befinden uns seit dem 21. August 2020 an der Scholle. Inzwischen sind wir seit unserem Anlegen an der Scholle 17 nautische Meilen nach Nordosten gedriftet. Wie auch immer, jeder Tag ist hier aufgrund der Entwicklung der Scholle (einige kleine Risse) anders und interessant. Nach der Überquerung des Nordpols befinden wir uns nun in einer östlichen Welt (105° Ost), weshalb die Schiffszeit um drei Stunden umgestellt wurde (im Vergleich zum MESZ).

Die Systeme im OCEANET-Container funktionieren einwandfrei: ich gerate mehr und mehr in eine Routine, wann und wo ich was tun sollte. Inzwischen ist mir klar geworden, dass die Strahlungssensoren (SCAWS, CORAS) eine häufigere Reinigung mögen. Aber ... nach dem Niederschlag und nicht während des Niederschlags. Die Mikrowellenradiometer HATPRO und LHUMPRO laufen bisher ohne Probleme. Ich denke, dass sie uns dafür danken, dass sie schon viel Hingabe bekommen haben. Julian und ich haben getan, was wir tun konnten ... wir haben sie kalibriert. Das ist eine harte Arbeit mit flüssigem Stickstoff auf dem Container. Außerdem musste ich das HATPRO neu starten (der IR-Sensor war verstellt). Jetzt scheint es, dass sie gut messen. Der Total Sky Imager (eine Kamera) hat gestern angehalten. Ich fing an, darüber nachzudenken ... wo ist was, woher bekommt er den Strom (wir haben eine Menge Kabel im Container), ... Aber dann habe ich einfach - als Versuch - die Strom- und USB-Anschlüsse an der Kamera abgezogen und eingesteckt und die Kamera neu gestartet ... und es hat funktioniert ... Ich bin wirklich glücklich über dieses schnelle Reparieren der Kamera, da ich schon verschiedene Geschichten über die Kamera gehört habe.

Das Lidar PollyXT_Arielle läuft ebenfalls. Aber - wegen des Nebels und der tiefhängenden Wolken - ist es schwierig, die Überlappung und die Neutraldichtefilter zu prüfen. Hoffentlich bekommen wir irgendwann bessere Einstellbedingungen. Bitte drückt mir die Daumen.

Heute wurde der Met-Turm hochgezogen. Ich habe den Kollegen aus Boulder (Ola und Michael) mehrmals geholfen. Es ist schön, auf dem Eis zu arbeiten. Es ist wie im Winter, aber ein Winter über 4000 m Wasser ... alles ist fast flach und beweglich, was einen anderen Eindruck von der Gegend vermittelt als in einem Berggebiet oder auf einem Gletscher.

 

Lassen wir es dabei bewenden.

Hoffentlich geht es Euch allen gut!

Beste Grüße
Dietrich

Foto: Lianna Nixon, University of Colorado

19. August 2020 (N90°00’, O/W*)
Nordpol - ein Ort ohne "echten" Osten oder Westen

Liebe alle,

Grüße vom Nordpol.
Es ist
- spektakulär, hier zu sein,
- erstaunlich für mich, dass der Pol nicht vollständig mit Eis bedeckt ist und auch dass das Eis hier einen verrotteten Eindruck macht,
- schön zu sehen, dass der Längengrad keine Rolle spielt (kein "echter" Osten oder Westen).

Während unseres Meetings gestern Abend wurde uns mitgeteilt, dass wir den Pol heute um 10 Uhr erreichen können. Schließlich erreichten wir den Nordpol heute offiziell um 12:45 Uhr (MESZ). Obwohl die Motoren abgestellt waren und man keine Bewegung im Vergleich zur Umgebung sah, ergaben die Positionsmessungen mit dem GPS meines Handys eine Änderung unsere Position um 4 Längengraden innerhalb von 40 Sekunden.
Aufgrund des Events gab es einen kleinen Empfang auf der Brücke und es wurden einige Gruppenfotos gemacht.
Glücklicherweise waren unsere Instrumente am Messen, aber unglücklicherweise gab es keinen Sonnenschein (nur tiefhängende Wolken) über uns und auch teilweise Nebel hier um uns herum.

Ich bin wirklich überrascht, wie schnell das Schiff die Fahrt zum Pol geschafft hat. Dies war nur möglich, da es hier keine totale Eisbedeckung gibt. Es ist für mich schwer, den Prozentsatz der Eisbedeckung zu schätzen ... möglicherweise 90% ... möglicherweise 95% .... möglicherweise weniger als 80% ... die Eisbedeckung ist nicht überall ähnlich. Auch ist dieses Eis oft so brüchig, dass es nicht sicher wäre, darauf zu laufen. Am Pol sahen wir auch eine Robbe an der Meeresoberfläche (Eisloch) ... sie muss genug Eislöcher gehabt haben, um hierher zu kommen.

Im Moment wird eine CTD (ozeanische Messung von Leitfähigkeit/Temperatur/Tiefe) durchgeführt. Das gibt uns etwas mehr Zeit, um über den heutigen Tag nachzudenken, die große Erdachse und die Orientierung, die wir von ihr erhalten, obwohl wir sie nicht sehen.

Nach der CTD begeben wir uns in das Gebiet um 88.5N, 105E. Erwartete Ankunftszeit dort ist übermorgen, Donnerstag.

Gute Zeit und bleibt gesund!

Beste Grüße
Dietrich von 89°59.627'N und 136°(variierend) E (!)

Foto: Dietrich Althausen, TROPOS

  • Dünnes Eis rund um den Nordpol. Foto: Folke Mehrtens, AWI

  • Auf dem Weg nach Norden ist das Meereis überraschend schwach, hat viele Schmelzteiche und Polarstern kann es leicht brechen. Foto: Steffen Graupner, AWI

  • Großer Andrang auf der Brücke beim Erreichen des Nordpols. Foto: Lianna Nixon, University of Colorado

  • Die MOSAiC-Crew am Nordpol. Foto: Lianna Nixon, University of Colorado

  • Auf dem Weg nach Norden ist das Meereis überraschend schwach, hat viele Schmelzteiche und Polarstern kann es leicht brechen. Foto: Steffen Graupner, AWI

  • Dünnes Eis rund um den Nordpol. Foto: Folke Mehrtens, AWI

14. August 2020 (N 83°34‘, W 12°13‘)
Übergabe, Abschied und Aufbruch in den Norden

Liebe alle,

hier mein zweiter Bericht von Abschnitt 5, obwohl - offiziell - Abschnitt 5 erst vorgestern (12. August 2020) um 10 UTC (12 lokale Zeit) begann.

Die 3 Tage davor (Montag - Mittwoch) waren etwas anstrengend. Julian – unser Teilnehmer am Leg4 – übergab mir einen Container voller Instrumente für atmosphärische Messungen.

Abgesehen von der Übergabe aller Instrumente haben wir
- die Reparatur des Sonnenphotometers,
- den Austausch der Laserblitzlampen und
- die Flüssigstickstoff-Kalibrierung der beiden Mikrowellenradiometer
durchgeführt.

Leider gab und gibt es fast ständig Nebel um uns herum. Also keine Chance, die Geräte nach Reparatur und Kalibrierung zu überprüfen. Hoffentlich werden wir übermorgen nördliche Winde haben, die trockener sind. Wir werden sehen. Also habe ich noch eine andere wesentliche Sache getan ... das Hochladen aller Daten in das MOSAiC-Zentralspeichersystem, was eine Voraussetzung für alle MOSAiC-Teilnehmer ist.

Vorgestern zwischen Mittagessen und Kaffeepause haben wir uns von unseren Kollegen vom Leg4 verabschiedet. Es war ein bisschen emotional. Sie hatten ein Lied für uns, das MOSAiC-Lied. Solche Veranstaltungen sind auch gut für das Kamerateam, das häufig und fast überall präsent ist. Fast alle Teilnehmer der Leg4 gingen in die Tryoschnikow hinüber. Aber Julian blieb bis etwa 17:30 Uhr auf der Polarstern, damit wir unsere Arbeit beenden konnten. Er war also einer der letzten Leg4-Teilnehmer, der zur Tryoschnikow überwechselte. Er bereitete die Übergabe sehr gut vor, und ich werde mein Bestes tun, dass all diese laufenden Systeme die Anforderungen jederzeit erfüllen werden.
Gestern, um 9 Uhr, wurden die beiden Schiffe abgekoppelt. Nach einigen Grüßen der Schiffshörner begann die Reise der Teams: Leg4 zurück in den Süden, Leg5 in den Norden.

Der Plan sieht vor, dass MOSAiC-Leg5 nun den im letzten Jahr verpassten Prozess des Frierens untersuchen wird. In der Regel und abhängig von vielen Bedingungen beginnt der Friervorgang etwa am 20. August. Die MOSAiC-Expedition begann um den 20. September 2019.
Wir bewegen uns derzeit in Richtung Norden. Abhängig von der Eisbedeckung werden wir dann nach Osten fahren, um eine Scholle zu bekommen, die – zusammen mit dem Schiff – in der nächsten Zeit unser driftendes Zuhause werden wird.

Gute Zeit und bleibt gesund!

Beste Grüße
Dietrich

Foto: Lianna Nixon, University of Colorado

01. August 2020 (N53°34, E08°33)
Abschnitt 5 kommt immer näher und näher

Hallo nach Hause,

Lasst mich versuchen, Euch ein wenig mit dem nächsten MOSAiC-Abschnitt vertraut zu machen. Er hat die Nummer 5, und ich werde daran teilnehmen.

Ich schreibe gerade aus einer 14-tägigen Quarantäne im Hotel in Bremerhaven. Die (inzwischen) drei Covid-19-Tests jedes Teilnehmers waren negativ.  Die Besatzung der Polarstern und die Besatzung des russischen Eisbrechers Akademik Tryoshnikov wurden ebenfalls negativ getestet. Daher werden wir einen Bus bekommen, der am kommenden Montag um 10 Uhr vom Hotel abfährt. Dieser Bus wird uns zur Tryoschnikow bringen. Hoffentlich findet der Bus den Eisbrecher ????.
Die 5. Etappe des MOSAiC rückt also immer näher.

Beste Grüße
Dietrich aus Bremerhaven

Foto: Marcel Nicolaus, AWI

28. Juli 2020 (N79°19, W02°41)
Viel Nebel und das Zusammenpacken fängt langsam an

Hallo nach Hause,

am Mittwoch war ich wieder angeln und wir haben 8 Fische gefangen. Neuer persönlicher Rekord! Danach habe ich in Ocean-City ausgeholfen, d.h. ich habe darauf geachtet, dass das Kabel einer Profilsonde nicht im Eis stecken bleibt. Am Abend organisierte Tuija eine offene Container-Nacht. Die Container-Messungen erhalten nicht die Aufmerksamkeit wie z.B. die Aktivitäten auf dem Eis, weil sie normalerweise nicht Teil der Diskussionen im großen Meeting sind. Deshalb waren ARM-, UHEL-PSI- und OCEANET-Container am Bug für Interessierte offen. Tatsächlich kamen sehr viele Besucher, und ich habe etwa 2,5 Stunden lang hauptsächlich das PollyXT-Lidar erklärt.
Am Donnerstag und Freitag half ich während des Mittagessens bei der Bedienung des Ballons, so dass entweder Christian oder Michael die Bärenwache übernehmen konnten, da sonst niemand in Met City zum Mittagessen war. Dies ermöglichte ihnen, 1 bis 2 zusätzliche Profile zu erstellen.
Während der Woche hatten wir mehrere Eisbärenbesuche. Sie erschienen fast jeden Tag, und eines Tages gab es sogar 4 Begegnungen.
Da das Eis immer dünner wird, insbesondere das Eis des ersten Jahres auf der "linken" Seite unserer Scholle, wurde das ROV aus der ROV-Hütte evakuiert. Die Hütte wurde ein paar Meter in eine stabilere Position geflogen, und es musste ein neues Loch in das Eis geschnitten werden. Ich meldete mich am Samstag freiwillig für diese Aufgabe. Die Prozedur begann bereits einen Tag früher, und als wir ankamen, war der erste, vielleicht ein halber Meter Schnee und Eis bereits entfernt. Unsere Aufgabe bestand dann darin, mit einem Eiskernbohrer um das verbliebene Eis herum "Kekse auszuschneiden". Es waren noch etwa 1,5 m Eis übrig, so dass zwei Schichten Kernbohrungen (1 m Bohrer) notwendig waren. Ich half, die Bohrer zu entleeren, die Verlängerungen anzubringen und das entfernte Eis an die vorgesehene Ablagerungsstelle zu bringen. Das Wasser war voller Schneematsch und es war unmöglich, durchzusehen. Der "Eisfresser" (im Grunde ein Propeller, der sehr viel Wasser bewegt) konnte nicht effizient eingesetzt werden, da das Wasser über dem Eis nicht tief genug war. Aber schließlich löste sich der verbleibende Eisblock ab und tauchte auf, was ein sehr befriedigender Moment war. Nun begann aber erst die harte Arbeit. Mit einer Kettensäge wurde der Eisblock oberflächlich in Stücke geschnitten, die dann mit einem Hebel auseinandergeschnitten wurden und aus dem Wasser entfernt werden mussten. Sie waren sehr schwer. Wir mussten den Eisblock auch mit den Füßen eintauchen, um ihn von kleinen Eisstücken zu reinigen und ihn im Loch umzudrehen, um ihn mit der Kettensäge besser schneiden zu können. Das hat wirklich viel Spaß gemacht, aber es hat den ganzen Tag gedauert. Es stellte sich heraus, dass das neue Loch nur für drei nicht einmal vollständige Messtage genutzt werden konnte.
Am Montag und Dienstag war ich eingesetzt, um mit dem Hubschrauber zu fliegen. Die Mission hatte die Bergung einiger Ozeanmessgeräte aus dem alten zentralen Observatorium zum Ziel, hat aber wegen des sehr dichten Nebels nicht stattgefunden. Außerdem mussten an beiden Tagen wegen der schlechten Sicht erhebliche Eisaktivitäten abgesagt werden.
So nahe an der Eiskante war es erforderlich, einige Notfallpläne für die Bergung der Infrastruktur aus dem Eis zu erstellen. Das Team ATMOS hat das meiste Gerät auf dem Eis. Auf der heutigen Besprechung wurde bekannt gegeben, dass die Eiskante nur noch 17 Nautische Meilen entfernt ist und in den letzten 24 Stunden 14 Nautische Meilen in Richtung der Eiskante drifteten. Daher wurde beschlossen, die Hauptinfrastruktur vom Eis zu entfernen. Das ROV ist bereits an Bord, und wahrscheinlich wird morgen der größte Teil der Infrastruktur MetCity/Ballon Town/Ocean City/Remote Sensing folgen. Eine detailliertere Planung wird morgen früh erfolgen.

Viele Grüße,
Julian

https://follow.mosaic-expedition.org/blog/mosaic_28-07-20/?lang=de

 

Sommer in der Arktis: Die MOSAiC-Scholle schmilzt immer mehr und nähert sich der Eiskante. Die Tage der Scholle sind gezählt … Foto: Luisa von Albedyll, AWI

Sommer in der Arktis: Die MOSAiC-Scholle schmilzt immer mehr und nähert sich der Eiskante. Die Tage der Scholle sind gezählt … Foto: Luisa von Albedyll, AWI

  • Eisbärenbesuche sind inzwischen Alltag und erfordern höchste Wachsamkeit vom MOSAiC-Team. Foto: Lianna Nixon, University of Colorado

    Eisbärenbesuche sind inzwischen Alltag und erfordern höchste Wachsamkeit vom MOSAiC-Team. Foto: Lianna Nixon, University of Colorado

  • Die MOSAiC-Scholle schmilzt immer stärker. Direkt neben dem Turm in MetCity hat sich ein großer Schmelztümpel gebildet. Foto: Lianna Nixon, University of Colorado

    Die MOSAiC-Scholle schmilzt immer stärker. Direkt neben dem Turm in MetCity hat sich ein großer Schmelztümpel gebildet. Foto: Lianna Nixon, University of Colorado

  • “Open House” beim Atmosphärenteam, das alle anderen Teams zwecks Austauschs in ihre Messcontainer eingeladen hat - hier Tuija Jokinen (University of Helsinki / INAR). Foto: Lianna Nixon, University of Colorado

    “Open House” beim Atmosphärenteam, das alle anderen Teams zwecks Austauschs in ihre Messcontainer eingeladen hat - hier Tuija Jokinen (University of Helsinki / INAR). Foto: Lianna Nixon, University of Colorado

21. Juli 2020 (N80°35, W00°36)
Wie Eisbären unsere Arbeit durcheinander bringen

Hallo nach zu Hause,

Diese Woche war ich wieder angeln. Dieses Mal haben wir an einem anderen Loch 4 Fische gefangen. Einer davon war ein roter Tiefseefisch. Als Freiwilliger begleitete ich auch Ian, der mit einem Lidar Eisoberflächen misst. Er muss jedes Mal, wenn er den Scan startet, auf der Brücke eine Ansage machen, einen bestimmten Sektor nicht mit einem Fernglas oder anderen optischen Geräten zu betrachten, weil es sich um einen nicht augensicheren Laser handelt.
Am Donnerstagmorgen, etwa 20 Minuten bevor die Leute auf das Eis gehen wollten, lief ein Eisbär um das Schiff herum. Ich ging zum Bug hinaus, schaute in die Ferne, konnte den Bären aber nicht sehen, dann fragte ich einige Leute und sie zeigten direkt auf das Eis neben dem Schiff. Der Bär lief um den Bug herum. Da schrien die Leute und machten laute Geräusche, was den Bären nur ein wenig erschreckte. Dann ging er in Richtung Fernerkundungsplatz und roch an einem Instrument, als eine Leuchtpistole abgefeuert wurde, die ihn diesmal etwas mehr erschreckte, aber immer noch nicht ausreichend. Er lief auf den ASFS-Schlitten zu als das Schiffshorn betätigt wurde und dann lief er weiter. Trotzdem war an diesem Morgen keine Arbeit auf dem Eis möglich.
Am Donnerstagabend hielt unser Wettertechniker Andreas einen Vortrag über seine Zeit auf der DDR-Antarktis-Forschungsstation "Georg Forster" während der Zeit der deutschen Wiedervereinigung.
Am Freitag meldete ich mich freiwillig, um den ganzen Tag bei der Ballonarbeit zu helfen. In der Nacht tauchte jedoch wieder ein Eisbär auf und am Morgen war keine Eisarbeit möglich. Am Nachmittag gingen wir hinaus, um das Helium aus dem Beluga-Ballon abzulassen und ihn zurück zum Schiff zu bringen. Die Filmcrew war auch dabei, um dieses Ereignis festzuhalten, aber auch um mit zu helfen.
Am Samstagmorgen wollte ich helfen, den Ersatzballon aufzublasen. Doch zum dritten Mal in Folge besuchte uns ein Eisbär und die morgendliche Arbeit auf dem Eis musste abgesagt werden. Am Nachmittag konnte ich nicht mehr helfen, weil ich mich für die Reinigung und den Aufbau des Nasslabors für die Halbzeit-Party angemeldet hatte. Dies war nun das dritte Mal, dass ich den Boden des Nasslabors schrubbte. Bei der Party aßen wir einige der Fische, die wir gefangen hatten. In derselben Nacht erkannte ich ein Problem mit CORAS, das noch immer nicht vollständig gelöst ist.
Heute sind die Ballon- und Drohnenteams am frühen Morgen zu einem intensiven Flug aufgebrochen. Leider wurden sie nach kurzer Zeit von einem Eisbären unterbrochen und sie mussten zum Schiff zurückkehren.
Wir sind westwärts abgedriftet, haben den Meridian von Greenwich überquert und befinden uns in einer Zone mit einigen Stellen geringer Eiskonzentration bereits nahe der Eiskante. Das Ende unserer Eisscholle rückt nun näher. Wir gehen davon aus, dass wir in etwa 10 Tagen mit dem Abbau der Anlagen auf dem Eis beginnen müssen. Der Plan sieht vor, nicht mehr nach Norden zu fahren, sondern eine Übergabe mit dem Team von Abschnitt 5 nahe der Eiskante durchzuführen. Die Ausdehnung des Meereises hat in diesem Sommer ein Rekord-Minimum erreicht.

Viele Grüße,
Julian

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Im Juli bekam das MOSAiC-Team mehrfach Besuch von neugierigen Eisbären. Für die Forschenden hieß das dann: Aus Sicherheitsgründen keine Arbeiten auf dem Eis – bis der neugierige Besucher wieder in der Ferne verschwunden ist. Foto: Lisa Grosfeld, AWI

Im Juli bekam das MOSAiC-Team mehrfach Besuch von neugierigen Eisbären. Für die Forschenden hieß das dann: Aus Sicherheitsgründen keine Arbeiten auf dem Eis – bis der neugierige Besucher wieder in der Ferne verschwunden ist. Foto: Lisa Grosfeld, AWI

  • 18. Juli – Rund drei Viertel der Expedition sind geschafft! Foto: Lisa Grosfeld, AWI

    18. Juli – Rund drei Viertel der Expedition sind geschafft! Foto: Lisa Grosfeld, AWI

  • Zwei Fesselballone helfen dem ATMOS-Team bei MOSAiC die Atmosphäre in den untersten Luftschichten über dem Eis zu untersuchen. Foto: Lianna Nixon, University of Colorado

    Zwei Fesselballone helfen dem ATMOS-Team bei MOSAiC die Atmosphäre in den untersten Luftschichten über dem Eis zu untersuchen. Foto: Lianna Nixon, University of Colorado

  • Jeden Abend gibt es eine Einsatzbesprechung für den nächsten Tag und die Gelegenheit, sich für viele Aufgaben freiwillig zu melden. Foto: Lianna Nixon, University of Colorado

    Jeden Abend gibt es eine Einsatzbesprechung für den nächsten Tag und die Gelegenheit, sich für viele Aufgaben freiwillig zu melden. Foto: Lianna Nixon, University of Colorado

14. Juli 2020 (N81°22, E00°15)
Wie BELUGA meine Woche prägte

Hallo nach Hause,

Anfang dieser Woche nahm ich die Kalibrierung des Mikrowellenradiometers aus dem Behälter, nachdem der größte Teil des flüssigen Stickstoffs verdampft war. Später dominierte der Beluga-Ballon meine Woche. Ich war einer von vielen Helfern beim Befüllen des Ballons neben dem Schiff. Dank des ruhigen Windes verlief dies reibungslos und wir brachten den Ballon wieder zu seiner Parkposition in der Balloon-Town.
Das war genau zum richtigen Zeitpunkt, um an dem 26-stündigen Messzyklus teilzunehmen, der von Freitag bis Samstag stattfand. Ich half Christian und Michael bei zwei Profilen mit dem Ballon. Danach zog plötzlich Nebel auf und der Wind nahm zu. Deshalb wurde der Ballon wieder auf dem Eis festgemacht, was ohnehin für den späteren Nachmittag geplant war, da stärkere Winde vorhergesagt wurden. Fast das gesamte ATMOS-Team kam dazu und half, obwohl die Sicht minimal war. Die Situation wurde von den Wissenschaftlern und dem Logistikteam bemerkenswert gut bewältigt (z.B. spontane Bärenwache, Koordination von der Brücke aus), so dass die Aktivitäten auf dem Eis weitergehen konnten.
Nachdem die ARM-Radardaten wieder eintreffen, läuft Cloudnet, und es ist mir gelungen, die Daten des Parsivel-Disdrometers (= Gerät zur Messung des Niederschlags) auf der OCEANET-Seite anzuzeigen. Der Wettertechniker fragte mich nach diesen Daten und sagte mir, sie seien sehr hilfreich für ihn. Eine meiner nächsten Aufgaben wird es sein, die Parsivel- und Microtops-Daten korrekt in den MCS (MOSAiC-Zentralspeicher) zu kopieren.
Am Samstagabend bewegte sich das Schiff etwa 100 m vorwärts. Irgendwie wurde Eis von hinten unter das Schiff geschoben. Daher war am Sonntag ein Umsetzmanöver erforderlich, um zur alten Position zurückzukehren. Außer dem Wiederanschließen der Kabel konnten keine Aktivitäten auf dem Eis stattfinden. Michael und ich kalibrierten stattdessen den CORAS.
Am Montag befanden wir uns in einer etwas neuen Position. Wiederum mit fast dem gesamten ATMOS-Team haben wir den Ballon losgebunden und in Parkposition gebracht. Am Nachmittag half ich bei den Ballonoperationen, die bei ruhigen Windverhältnissen erfolgreich verliefen. Zum ersten Mal trug ich die schwarzen Stiefel anstelle der gelben Gummistiefel, die viel wärmer waren. Am Ende hat der Ballon wieder etwas Helium verloren, aber wir haben ihn in Parkposition gelassen, um ihn am Dienstagmorgen wieder aufzufüllen. Die Wiederbefüllung hat mit Hilfe großer Teile des ATMOS-Teams erneut gut funktioniert. Während wir den Ballon zurück nach Balloon-Town brachten, mussten wir durch tiefe Schmelztümpel laufen. Dies führte zu nassen Füßen in den schwarzen Stiefeln, aber ich bezweifle, dass es in den gelben Stiefeln anders gewesen wäre. Die Mühe hat sich gelohnt, denn am Nachmittag flog der Ballon zwei Profile, und bis jetzt sind keine weiteren Probleme aufgetreten.

Viele Grüße,
Julian

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Das Ballonsystem BELUGA war seit Frühjahr 2020 für Messungen in der unteren Atmosphäre über der MOSAiC-Scholle im Einsatz - mit tatkräftiger Unterstützung vieler Hände. Foto: Lianna Nixon, University of Colorado

  • Das Team ATMOS während des Austauschs vor Spitzbergen. Im Fahrabschnitt IV kümmern sich 15 Forschende schwerpunktmäßig um die Untersuchung der Prozesse in der Atmosphäre, darunter zwei vom TROPOS und einer von der Universität Leipzig. Foto: Lianna Nixon, University of Colorado

    Das Team ATMOS während des Austauschs vor Spitzbergen. Im Fahrabschnitt IV kümmern sich 15 Forschende schwerpunktmäßig um die Untersuchung der Prozesse in der Atmosphäre, darunter zwei vom TROPOS und einer von der Universität Leipzig. Foto: Lianna Nixon, University of Colorado

  • Ein Messmarathon soll dabei helfen, einen Tageszyklus im arktischen Sommer aufzuzeichnen – von Messungen im Ozean unter dem Eis bis hinauf in die Atmosphäre darüber. Foto: Lianna Nixon, University of Colorado

    Ein Messmarathon soll dabei helfen, einen Tageszyklus im arktischen Sommer aufzuzeichnen – von Messungen im Ozean unter dem Eis bis hinauf in die Atmosphäre darüber. Foto: Lianna Nixon, University of Colorado

  • Eisbewegungen haben die Position der Polarstern über Nacht verschoben und machten einige Arbeiten am folgenden Tag nötig. Foto: Lianna Nixon, University of Colorado

    Eisbewegungen haben die Position der Polarstern über Nacht verschoben und machten einige Arbeiten am folgenden Tag nötig. Foto: Lianna Nixon, University of Colorado

07. Juli 2020 (N81°57, E09°12)
Wie wir uns alle gegenseitig helfen

Hallo nach Hause,

zu Beginn dieser Woche versuchte ich, das reparierte CIMEL laufen zu lassen, um zu prüfen, ob es sich drehen kann, was aber nicht ausreichend funktionierte. Ich erklärte das Gerät für kaputt, bis beim nächsten Austausch ein Ersatzteil gebracht wird. Am Ende stellte ich es wieder auf den Container.
Ich ging dreimal auf das Eis. Zweimal half ich bei der Handhabung des Beluga-Ballons. Zuerst versuchten wir, den Ballon bei eher windigem Wetter wieder aufzufüllen. Wir brauchten bald mehr Hände, die Freiwillige anderer Gruppen sehr schnell zur Verfügung stellten, was beeindruckend war. Aber am Ende musste der Ballon wieder herunter gezogen werden, da es nicht genug Helium und zu viel Wind gab. Beim zweiten Mal ließen wir das Helium ab, falteten den Ballon und brachten ihn zurück zum Schiff, wo wir ihn wieder auffüllen werden, sobald die Windverhältnisse dies sicher erlauben.
Juarez (ARM) und ich führten schließlich die Kalibrierung der beiden Mikrowellenradiometer durch. Wir befüllten das Dewargefäß etwas zu sehr, aber ein Teil des übrig gebliebenen flüssigen Stickstoffs konnte vom Team BGC verwendet werden.
Am Sonntag wurden die ersten Fische an der Langleine gefangen. Dies motivierte Giulia, mehr zu fischen, und sie bat um Freiwillige, um die Langleine zu holen (300 m Leine, dann 150 m Leine mit einem Haken pro Meter). Zusammen mit dem Medienteam fuhren wir mit dem ROV hinaus und holten die Langleine ein und fingen tatsächlich drei Fische. Während dieser Zeit gab ich erneut ein Interview in Schweizerdeutsch. Später konnten das ROV und die CTD, die warten mussten, bis die Leine aus dem Wasser war, endlich eingesetzt werden.
Ich mache immer noch fast täglich Brückenwache. Neben dem unglaublich hart arbeitenden Log-Team hilft auch das Heli-Team dem Wissenschaftler bei der Bärenwache oder als Walk-Buddies bei schlechtem Wetter (keine Heli-Flüge) aus.
Als wahrscheinlich die letzten Neuinstallationen montierten Matt Shupe und Kollegen die FMI-Strahlungsstation am ROV und das Sodar in Met City. Das Piepen des Sodars ist am Schiff und sogar am anderen Ende der Scholle hörbar, wo die Drohnen gestartet werden. Von heute an funktioniert auch die Verbindung zu den ARM-Radardaten wieder und daher sollte Cloudnet wieder laufen können.

Viele Grüße,
Julian

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  • Die Helikoper sind eine wichtige Unterstützung bei der Expedition: Sie helfen bei der Erkundung des Eises oder wie hier bei Transport von Material auf die Scholle. Foto: Lianna Nixon, University of Colorado

    Die Helikoper sind eine wichtige Unterstützung bei der Expedition: Sie helfen bei der Erkundung des Eises oder wie hier bei Transport von Material auf die Scholle. Foto: Lianna Nixon, University of Colorado

  • Eisbär-Besuche sind keine Seltenheit. Umso wichtiger ist die Wache auf der Brücke, um das größte Raubtier der Arktis rechtzeitig zu entdecken. Foto: Lianna Nixon, University of Colorado

    Eisbär-Besuche sind keine Seltenheit. Umso wichtiger ist die Wache auf der Brücke, um das größte Raubtier der Arktis rechtzeitig zu entdecken. Foto: Lianna Nixon, University of Colorado

  • Zur Reaktivierung der MOSAiC-Eisscholle gehörte auch das Wiederaufstellen eines 10 Meter hohen Messturms. Eine Arbeit, bei der viele Hände gebraucht wurden. Foto: Lisa Grosfeld, AWI

    Zur Reaktivierung der MOSAiC-Eisscholle gehörte auch das Wiederaufstellen eines 10 Meter hohen Messturms. Eine Arbeit, bei der viele Hände gebraucht wurden. Foto: Lisa Grosfeld, AWI

  • Während die MOSAiC-Scholle langsam taute, wurden die Schmelztümpel im größer und die Arbeit auf dem Eis zunehmend schwieriger. Foto: Lianna Nixon, University of Colorado

    Während die MOSAiC-Scholle langsam taute, wurden die Schmelztümpel im größer und die Arbeit auf dem Eis zunehmend schwieriger. Foto: Lianna Nixon, University of Colorado

  • Fotos von blauen Himmel und blendend weißem Schnee täuschen oft etwas darüber hinweg, dass der arktische Sommer meist sehr neblig ist. Hier ein Nebelbogen (statt eines Regenbogens). Foto: Lisa Grosfeld, AWI

    Fotos von blauen Himmel und blendend weißem Schnee täuschen oft etwas darüber hinweg, dass der arktische Sommer meist sehr neblig ist. Hier ein Nebelbogen (statt eines Regenbogens). Foto: Lisa Grosfeld, AWI

  • Team ICE und ECO bei der Arbeit auf dem Eis. Dabei werden sie auch von Atmosphärenforscher wie Julian unterstützt. Für viele Arbeiten sind die Team auf zusätzliche Unterstützung angewiesen. Foto: Lisa Grosfeld, AWI

    Team ICE und ECO bei der Arbeit auf dem Eis. Dabei werden sie auch von Atmosphärenforschern wie Julian unterstützt. Für viele Arbeiten sind die Team auf zusätzliche Unterstützung angewiesen. Foto: Lisa Grosfeld, AWI

Rückblick: Mit ARIELLE Richtung Nordpol

"Neues aus der Feldforschung" im (AC)3 Newsletter #9 (Seite 2-4):
Ronny Engelmann, Wissenschaftler am TROPOS, und Hannes Griesche, Doktorand in (AC)3 A01 am TROPOS, berichten auf Englisch von der MOSAiC-Expedition in die zentrale Arktis. Ronnys Hauptaufgabe auf Polarstern von September bis Dezember 2019 bestand darin, alle Instrumente von OCEANET zu installieren, die Messungen am Laufen zu halten und eine erste Datenanalyse durchzuführen, wie er es bereits mehrmals auf diesem Schiff getan hat. Hannes löste Ronny Mitte Dezember ab und übernahm die kälteste und dunkelste Etappe des MOSAiC (Polarnacht) als einziges Mitglied von (AC)³, bis er im Februar von Martin Radenz abgelöst wurde. Viel Spaß beim Lesen!
http://www.ac3-tr.de/wp-content/uploads/2016/07/ac3_newsletter_issue_9_2020.pdf

Erfahren Sie mehr über den DFG-Transregio-Sonderforschungsbereich Arktische Amplifikation unter: http://www.ac3-tr.de/

 

Rückblick: Der Lidar-Beam vom TROPOS-Polly zeigte auf den Polarstern - ein untrügliches Zeichen, dass der Nordpol während der Drift im Winter 2019/20 nicht weit war. Foto: Hannes Griesche, TROPOS

Rückblick: Der Lidar-Beam vom TROPOS-Polly zeigte auf den Polarstern - ein untrügliches Zeichen, dass der Nordpol während der Drift im Winter 2019/20 nicht weit war. Foto: Hannes Griesche, TROPOS

30. Juni 2020 (N81°47, E08°57)
Erste Eisarbeiten und erster "BELUGA"-Aufstieg

Hallo nach Hause,

eine weitere Woche ist vergangen. Ich bin das erste Mal auf das Eis gegangen, um Instrumente von ARM und NOAA mit zur Met City zu verlegen. Dort haben wir den „Met City Tower“ installiert und die ersten Instrumente daran montiert. Ein paar Tage später wurde der „Met City Tower“ schließlich aufgestellt. Nach den Arbeiten an der Met City habe ich an der Balloon Town mitgeholfen, die schwere Winde zu platzieren, wofür wir sie auf Holzplatten schieben mussten. Das zweite Mal ging ich auf das Eis, um während eines verlängerten Morgenslots beim Aufblasen des Beluga-Ballons zu helfen. Der Ballon musste mit mehreren Seilen neben der Polarstern unten gehalten werden, während er aus einem Gestell von Ballongasflaschen auf dem Arbeitsdeck gefüllt wurde. Trotz warmer Temperaturen verursachte das Halten der Seile über meinem Kopf schnell ziemlich kalte Finger. Danach zogen wir den Ballon vorsichtig mit einem Skidoo nach Balloon Town und brachten ihn in seine Halteposition. Sein erster Einsatz mit Nutzlast erfolgte dann einige Tage später. Während dieser ganzen Prozedur begleitete uns die UFA-Filmcrew, und ich habe sogar versucht, wie gewünscht einige ihrer Fragen in Schweizerdeutsch zu beantworten. Wir demontierten "Parsivel" des ARM von OCEANET, um ihn in Met City zu installieren, was gut funktioniert hat. Leider erwies sich die Reparatur des Sonnenphotometers als eine kompliziertere Angelegenheit. Es handelte sich nicht um eine lose Schraube, sondern um einen zerrissenen Riemen, den ich versucht habe, auf provisorische Weise zu reparieren, zuerst mit Klebstoff und Klebeband, dann mit Nähen und Klebeband. Das Ergebnis ist unklar, aber ich bin überhaupt nicht optimistisch, da die Verwendung dieser Materialien in dem kalten arktischen Klima eine ziemliche Herausforderung darstellt. Die Kalibrierung der Mikrowellenradiometer steht noch immer auf der To-do-Liste. Darüber hinaus ist für die kommende Woche die Neuinstallation eines Sodars in der Nähe von Met City als Gruppenarbeit des Atmos-Teams geplant. Ich halte immer noch mindestens eine Schicht Brückenwache pro Tag und versuche, anderen an Bord zu helfen, wenn es nötig ist, z.B. habe ich einem Teil des Ice-Teams mit unserer Laserschutzbrille ausgeholfen.

Viele Grüße
Julian

Julian Hofer bei Arbeiten an der "Met City" auf der Scholle. (Foto: Lianna Nixon, University of Colorado)

22. Juni 2020 (N81°57, E09°12)
Mein Start im neuen Zuhause

Hallo alle daheim,

nach 2,5 Wochen Quarantäne in Bremerhaven und 2,5 Wochen an Bord der FS Sonne sind wir nun seit 2 Wochen an Bord der FS Polarstern. Martin machte eine umfassende Übergabe an mich. Seither kümmere ich mich um die OCEANET-Systeme, die meistens gut laufen. Ich kümmere mich auch um die Doppler-Lidars von Trier/Leeds. Die ARM- und NOAA-Leute halfen mir bei die Einrichtung des neuen Parsivel-Disdrometers auf dem Bugkran, das im Moment parallel zu dem ARM-Parsivel arbeitet, das noch auf dem OCEANET-Container installiert ist. An den wenigen klaren Tagen nahm ich einige Messungen vor mit dem tragbaren Microtops-Sonnenphotometer. Der Wettertechniker hier meldete sich auch freiwillig, um z.B. einige Messungen mit einem Mikrotops durchzuführen. Heute führt er stündliche Messungen durch.

Seit ein paar Tagen sind wir wieder an der ursprünglichen MOSAiC-Eisscholle, die jetzt völlig anders aussieht: Sie hat viele Schmelztümpel, weiches Eis und Schnee. Nach einigen Umparkmanövern erreichten wir schließlich unsere endgültige Position. Gestern begann Phase 1 mit der Neuinstallation der Infrastruktur auf dem Eis. Ich war noch nicht auf dem Eis, aber ich habe mich freiwillig ein paar Mal für die Wache gemeldet.  Die Wachen sind unverzichtbar, denn wir sind bereits auf viele Eisbären und Eisbärenspuren gestoßen. Nach dieser anfänglichen und intensiven Aufbauphase, in der die individuelle Wissenschaft an zweiter Stelle stand, werde ich als nächstes eine Kalibrierung der Mikrowellenradiometer durchführen und am CIMEL-Sonnenphotometer arbeiten.

Außerdem gewöhne ich mich langsam an das Leben hier an Bord. Ich denke, wir haben eine gutes Team und insbesondere innerhalb des ATMOS-Teams kommen wir sehr gut miteinander aus. gut. Die Freiwilligenarbeit funktioniert gut und alle helfen sich gegenseitig.

Viele Grüße,
Julian

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Foto: Julian Hofer, TROPOS

Foto: Julian Hofer, TROPOS

17. Juni 2020 (N51°21, E12°26)

Willkommen zurück, Martin!

Am Montag sind in Bremerhaven die beiden Forschungsschiffe Sonne und Maria S. Merian angekommen und mit ihnen das Team vom MOSAiC-Fahrtabschnitt 4 – darunter auch unser Kollege Martin Radenz, der seit Februar unterwegs war und insgesamt 140 Tage auf See und im Eis verbrachte.

Sein Fazit:

„In der Retrospektive war Leg 3 unerwartet herausfordernd, einerseits durch die Bedingungen vor Ort mit Temperaturen von -42°C am Ende der Polarnacht bis zum Beginn der Schmelzsaison Ende Mai. Bereits die Anreise und Versorgung mit dem Eisbrecher Kapitan Dranitsyn erforderten seemännisches Geschick und viel Geduld von allen Beteiligten. An der MOSAiC-Scholle angekommen waren die Eisbedingungen während der gesamten Zeit außergewöhnlich dynamisch und die Drift vergleichsweise schnell. Die Messungen, trotz sich ständig verändernder Risse und Presseisrücken, aufrecht zu erhalten erforderte gemeinsame Anstrengung des gesamten Teams – Wissenschaft und Besatzung der Polarstern. Aus Perspektive der bodengebundenen Atmosphärenfernerkundung bietet der Datensatz aus Leg 3 eine große Bandbreite interessanter Beobachtungen: Marine Aerosole trotz dichten Packeises, "Arctic Haze" im Frühjahr, Warmlufteinbrüche von Süden und häufig Mischphasenwolken in niedrigen Höhen.  Die zweite Herausforderung wurde uns durch die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Reiseeinschränkungen aufgebürdet. Die ursprünglich für April geplante Ablösung verzögerte sich bis in den Juni und erforderte von Polarstern, die Scholle zu verlassen. Auch die Fahrt von der Scholle nach Spitzbergen wurde durch die kompakte Eissituation erschwert, bevor die Übergabe an Leg 4 im Isfjord stattfand und wir den Heimweg antreten konnten“, fasst Martin Radenz vom TROPOS die letzten 5 Monate zusammen.

Martin ist der Dritte aus der Lidar-Gruppe des TROPOS, die während der einjährigen Nordpol-Drift der Polarstern dafür sorgen, dass der OCEANET-Container auf dem Vordeck rund um die Uhr misst. Dank der hervorragenden Aufbauarbeit unseres Kollegen Ronny Engelmann konnten die Lidar-Messungen im Herbst komplikationslos starten und in die Polarnacht gehen. Hannes Griesche betreute ab Weihnachten 2019 die Technik und brachte sie gut durch die Polarnacht mit Dunkelheit rund um die Uhr und extremer Kälte. Martin Radenz übernahm die Betreuung im Februar und erlebte den Frühling in der Arktis mit der Rückkehr der Sonne und steigenden Temperaturen. Seit Juni kümmert sich Julian Hofer um den Container. Ihn erwartet eine spannende Zeit des Sommers in einer auftauenden Arktis. Schließlich wird Dietrich Althausen auf dem letzten Abschnitt die einjährige Expedition der Polarstern abschließen und die Fernerkundungsgeräte des TROPOS zurück in die Heimat bringen.

Großen Dank an alle für ihren Einsatz!!!

  • Martin Radenz vor der "Polarstern" (Foto: Hannes Griesche/TROPOS)

  • TROPOS-Crew in der Reihenfolge ihres geplanten Einsatzes bei MOSAiC (v.r.n.l. Ronny Engelmann, Hannes Griesche, Martin Radenz, Karsten Hanbuch, Julian Hofer, Dietrich Althausen) (Foto: Tilo Arnhold/TROPOS)

08. Juni 2020 (N78°14, E15°37)
Dreier-Gipfel vor Spitzbergen

Vor Spitzbergen trafen sich Anfang Juni die deutschen Forschungsschiffe Maria S. Merian, Sonne und Polarstern, um Team und Technik für den nächsten Abschnitt der MOSAiC-Expedition auszutauschen. Wegen der Corona-Pandemie fand der Austausch auf See statt – im sicheren Abstand zum Hafen von Longyearbyen.
Über die Corona-bedingten Änderungen informierten BMBF und AWI am 08. Juni auf einer Pressekonferenz mit Live-Schaltung nach Spitzbergen:
https://www.bmbf.de/de/was-sie-zur-expedition-mosaic-wissen-muessen-9700.html

Mit neuem Team und frischem Proviant geht es für die Polarstern jetzt nach Norden zurück ins Eis. Für Christian, Julian und die anderen Teilnehmenden von Abschnitt 4 fängt die Expedition damit endlich richtig an. Die Merian und Sonne fahren dagegen nach Deutschland zurück und bringen u.a. unseren Kollegen Martin nach fast einen halben Jahr zurück in die Heimat. Gute Reise!
https://follow.mosaic-expedition.org/blog/mosaic_8-6-20/?lang=de

FS Maria S. Merian, Polarstern und Sonne beim Wechsel vor Spitzbergen. Foto: Leonard Magerl

FS Maria S. Merian, Polarstern und Sonne beim Wechsel vor Spitzbergen. Foto: Leonard Magerl

04. Juni 2020 (N78°03, E15°06)
Vor Spitzbergen

Nach 17 Wochen im Eis der Arktis nähert sich Abschnitt 3 der MOSAiC-Expedition dem Ende. "Die Dynamik des Meereises, das Wetter und die Corona-Pandemie sorgten für unerwartete Herausforderungen. Was für eine unglaubliche Zeit!", schreibt unser Kollege Martin als Fazit auf Twitter. Die Polarstern liegt jetzt vor dem Hafen von Longyearbyen (Svalbard/Spitzbergen) und damit wieder im Bereich des normalen Mobilfunks…
In den kommenden Tagen werden die Vorräte aufgefrischt und die Teams werden die Schiffe wechseln.

Foto: Martin Radenz, TROPOS

Foto: Martin Radenz, TROPOS

27. Mai 2020 (N80°55, E09°42)
ATMOS ohne Pause

Obwohl Polarstern die MOSAiC-Scholle mit den autonomen Instrumenten verlassen hat, werden auch an Bord viele Messungen fortgesetzt. Ein Beispiel sind die neun Container des ATMOS Teams auf dem Vordeck und dem Peildeck. Die Messgeräte liefern ununterbrochen Daten zum Zustand der Atmosphäre, Spurengasen, Zusammensetzung von Aerosolpartikeln und Wolkeneigenschaften. Ein umfangreicher Park an Messgeräten von verschiedenen Institutionen ist notwendig um alle relevanten Messgrößen zu erfassen. „Für die Wissenschaftler und Techniker, die diese Messungen betreuen, geht die tägliche Routine bis zur Übergabe an Leg 4 normal weiter. Tatsächlich bietet die unerwartete Fahrt vom dichten Packeis ins offene Wasser einen spannenden Einblick in die räumliche Variabilität der Atmosphäre sowie chemische und mikrophysikalische Prozesse über dem arktischen Meereis“, berichtet unserer Kollege Martin im MOSAiC-Blog. Er war während des Fahrtabschnitts 3 für das Lidar und diverse andere Messgeräte des OCEANET-Containers von TROPOS verantwortlich.
https://follow.mosaic-expedition.org/blog/1499/?lang=de

Gruppenfoto des ATMOS-Teams auf dem Vordeck der Polarstern. Rechts unten im Bilder der weiße OCEANET-Container des TROPOS mit unserem Kollegen Martin. Foto: Christian Rohleder, DWD

Gruppenfoto des ATMOS-Teams auf dem Vordeck der Polarstern. Rechts unten im Bilder der weiße OCEANET-Container des TROPOS mit unserem Kollegen Martin. Foto: Christian Rohleder, DWD

27. Mai 2020 (N82°23, E08°20)
Warten auf Polarstern

Die Versorgungsschiffe mit dem Team für Abschnitt 4 (inkl. 2x TROPOS & 1x Uni Leipzig) sind inzwischen vor Spitzbergen angekommen und warten jetzt in einem windgeschützten Fjord auf die Polarstern. Der deutsche Forschungseisbrecher bahnt sich inzwischen seinen Weg durch das Eis. An vielen Stellen der Arktis ist 2020 wenig Eis – die Strömung treibt das wenige Eis aber nach Süden. Vor Spitzbergen staut es sich dann und dort muss Polarstern hindurch.
Den Transit ins offene Meer nutzt das ATMOS-Team (inkl. unserem Kollegen Martin) natürlich für weitere Messungen: Das Lidar scannt die Atmosphäre über Polarstern und viermal pro Tag werden vom Hubschrauberdeck aus Wetterballons zusammen mit dem DWD gestartet. Die Daten, die die Ballons nach unten senden, helfen nicht nur der Bordwetterwarte sondern fließen auch in die weltweiten Wetterprognosen ein.
https://follow.mosaic-expedition.org/blog/mosaic_27-5-20/?lang=de

Die Fahrt aus dem Eis nutzt das Team für letzte Arbeiten an Bord: Aufräumen, Dokumentieren und natürlich Vorbereiten des Wechsel. Vögel über dem Schiff kündigen an, dass das offene Meer nicht mehr weit ist. Foto: Christian Rohleder, DWD

Die Fahrt aus dem Eis nutzt das Team für letzte Arbeiten an Bord: Aufräumen, Dokumentieren und natürlich Vorbereiten des Wechsel. Vögel über dem Schiff kündigen an, dass das offene Meer nicht mehr weit ist. Foto: Christian Rohleder, DWD

19. Mai 2020 (N83°22, E09°01)
Quarantäne, Eisscholle beräumt und Ablösung in Bremerhaven gestartet

Das Team für Abschnitt 4 (inkl. 2x TROPOS & 1x Uni Leipzig) hat sich in Bremerhaven auf die Expedition vorbereitet. Vorbereitung hieß hier: 2 Wochen Quarantäne und damit isoliert im Hotelzimmer. Selbst Essen wurde nur vor die Zimmertür gestellt, um direkte Kontakte & das Risiko einer Covid-19-Ansteckung zu minimieren. https://follow.mosaic-expedition.org/blog/mosaic_13-5-20/?lang=de

Unterdessen hat das Team von Abschnitt 3 die MOSAiC-Scholle beräumt und für die Abwesenheit vorbereitet. Nach 7 Monaten heißt es jetzt Abschied nehmen und hoffen, dass die Scholle noch intakt ist, wenn Polarstern in wenigen Wochen nach dem Teamwechsel zurückkehrt.  https://follow.mosaic-expedition.org/blog/mosaic_17-5-20-2/?lang=de

Am 18. Mai sind die FS Sonne und die FS Maria S. Merian mit 56 Forschenden, 37 Crewmitgliedern und 14 Tonnen Verpflegung von Bremerhaven gestartet. Der Personalwechsel soll vor Spitzbergen erfolgen da diese Forschungsschiffe keine Eisbrecher sind. Die Polarstern muss daher ihre Position im Eis für ca. 3 Wochen verlassen …https://follow.mosaic-expedition.org/blog/mosaic_18-5-20/?lang=de
Videos:
https://twitter.com/MOSAiCArctic/status/1262352374716342272
https://www.zdf.de/nachrichten/heute-in-europa/crew-austausch-auf-der-polarstern-100.html
https://www.sat1regional.de/trotz-corona-neue-mosaic-versorgungsschiffe-starten-von-bremerhaven-aus-in-die-arktis/

https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/niedersachsen_1800/Polarstern-wechselt-Personal-auf-See-aus,ndsmag36756.html

11. Mai 2020 (N83°28, E13°05)
Aerosolforschung & MetCity auf der Eisscholle

"Woher kommen Aerosole über dem Meereis?"
Über diesen wichtigen Faktor für Wolken & Klima der Arktis berichten Markus Frey vom British Antarctic Survey und Julia Schmale vom Schweizer Paul Scherrer Institut (PSI) im MOSAiC-Blog: https://follow.mosaic-expedition.org/blog/mosaic_11-5-20/?lang=de  

Weshalb leert sich die Eisscholle um die MetCity langsam?
Mehr dazu ebenfalls im MOSAiC-Blog: https://follow.mosaic-expedition.org/blog/mosaic_10-05-20/?lang=de

Atmosphärenforschung auf der MOSAiC-Eisscholle. Fotos: Christian Rohleder, DWD & Julia Schmale, PSI

08. Mai 2020 (N83°55, E16°40)
Neue Bilder aus der Polarnacht

Die ARD-Tagesschau im Ersten zeigt neue Aufnahmen von der Arktis-Expedition MOSAiC und berichtet über den bevorstehenden Teamwechsel:
http://tagesschau.de/multimedia/video/video-699017.html

FS Polarstern während der Polarnacht. Foto: Ronny Engelmann, TROPOS

07. Mai 2020 (N83°55, E16°40)
Arktische Wolken

Wolken sind ein wichtiger Bestandteil des arktischen Klimasystems und unterscheiden sich von Wolken in niedrigen Breiten. „Wolken bestehen aus kleinen Wassertropfen, Eiskristallen oder einer Mischung aus beidem. Bei Temperaturen bis -38°C bildet sich zunächst die flüssige Phase. Wann, ob und wie viele Eiskristalle enstehen, hängt von vielen Variablen wie Temperatur, Feuchte, Turbulenz und Aerosolpartikeln ab“, erklärt Martin Radenz vom TROPOS im MOSAiC-Blog. Und Chris Cox (University of Colorado/CIRES/NOAA-PSD) führt weiter aus: Wolken modifizieren die atmosphärische Grenzschicht und die Oberflächenenergierbilanz. Wir interessieren uns besonders für Mischphasenwolken, die sowohl Eispartikel als auch Wassertropfen enthalten …“
https://follow.mosaic-expedition.org/blog/mosaic_07-05-20/?lang=de

Blick auf über das Peil- und Vordeck der Polarstern auf die Wolken im Arktischen Frühling bei MOSAiC. Foto: Christian Rohleder, DWD

Blick auf über das Peil- und Vordeck der Polarstern auf die Wolken im Arktischen Frühling bei MOSAiC. Foto: Christian Rohleder, DWD

26. April 2020 (N83°56, E15°31)
Alte arktische Luftmassen und neue Warmluft

Für MOSAiC waren der März und April geprägt von stetiger nördlicher Luftströmung, die unter anderem für den schnellen Drift Richtung Süden verantwortlich war. „Aus atmosphärenwissenschaftlicher Perspektive“, sagt Julia Schmale, „heißt das, dass wir sehr alte arktische Luftmassen gesehen haben. Alt heißt, dass die Luft mehrere Wochen in der hohen Arktis verbracht hat und deshalb die Zusammensetzung von Spurengasen und Aerosolpartikel sehr homogen ist und sich nur langsam ändert.“ Die Warmluftintrusion Mitte April brachte einen abrupten Wandel: Die Luft wurde über dem Nordatlantik herangeströmt. Wo im diese Jahreszeit schon Algenblüten passieren. „… Die Wolken waren auch anders mit vielen flüssigen Tröpfchen im Gegensatz zu den Eiskristallen sonst. Da ist ein erster Ausblick in die spannenden Zeiten für Atmosphärenchemie und Mikrobiologie in den nächsten Wochen.“, berichtet Julia Schmale vom Schweizer Paul Scherrer Institut (PSI): https://follow.mosaic-expedition.org/blog/mosaic_25-4-20/?lang=de
(Ihre Gruppe vom Laboratory of Atmospheric Chemistry (LAC) berichtet ebenfalls in einem Blog von der MOSAiC-Expedition: https://www.psi.ch/en/lac/mosaic-blog)

Weitere Blog-Einträge vom Team Atmos:  https://follow.mosaic-expedition.org/blog/mosaic_4-4-20/?lang=de & https://follow.mosaic-expedition.org/blog/mosaic_9-4-20/?lang=de &  https://follow.mosaic-expedition.org/blog/mosaic_11-4-20/?lang=de

Ein Warmlufteinbruch erreichte MOSAiC am 19.04.2020 nachmittags (15:00 UTC) bei 84,6°N und ließ das Thermometer kurz bis zum Gefierpunkt ansteigen (-0,1°C = 32F) - siehe auch Daten der DWD-Bordwetterwarte auf Polarstern: https://www.awi.de/fileadmin/user_upload/MET/PolarsternCoursePlot/psobsedat.htmlhttps://www.dwd.de/DE/fachnutzer/schifffahrt/maritimberatung/mosaic/polarstern/polarstern_node.html

Foto: Julia Schmale, PSI

Foto: Julia Schmale, PSI

25. April 2020 (N84°00, E15°37)
Eisbär-Pause beendet

Am Mittwoch gab es nach langer Pause wieder vierbeinigen Besuch: „In den frühen Morgenstunden wurde das erste Mal seit Anfang Januar wieder ein Eisbär in unserem Observatorium gesichtet. Der gut genährte Eisbär hat dabei eine interessierte Tour zwischen den Aufbauten auf der Scholle genommen…“, berichtet das Team im MOSAiC-Blog: https://follow.mosaic-expedition.org/blog/mosaic_24-4-20/?lang=de

Foto: Julia Schmale, PSI

Foto: Julia Schmale, PSI

24. April 2020 (N53°32', E08°34')
Alternativplan für Polarstern-Versorgung steht

Die MOSAiC-Expedition wird trotz Corona-Pandemie dank Unterstützung der deutschen Forschungsschiffe Merian und Sonne fortgesetzt. Das neue MOSAiC-Team startet im Mai von Bremerhaven aus.

Die MOSAiC-Expedition kann trotz der aktuellen Herausforderungen weitergehen. Nach den durch die Corona-Pandemie bedingten internationalen Grenzschließungen musste ein Team-Austausch verschoben werden. Dank neuer Alternativpläne unterstützt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, der Deutschen Forschungsgemeinschaft und den Betreibern der deutschen Forschungsflotte und großem Einsatz des aktuellen Expeditionsteams an Bord kann MOSAiC fortgesetzt werden. Die Zwischenbilanz des Projekts zeigt: Die wertvollen Daten der kommenden Monate sind unverzichtbar für die Wissenschaft.

Mehr dazu in der Pressemitteilung des AWI unter https://www.awi.de/ueber-uns/service/presse-detailansicht/presse/alternativplan-fuer-polarstern-versorgung-steht.html

 

Und unser Kollege Martin Radenz ergänzt: "Uns geht es soweit gut, kein Grund zur Beschwerde :)"

Polarstern im Eis und Aufbauten des MOSAiC-Forschungscamps. (Foto: Manuel Ernst, UFA/AWI)

16. April 2020 (N53°32', E08°34')

World Press Photo Award für Foto von MOSAiC

Esther Horvath gewinnt mit einem Motiv der MOSAiC-Expedition eine der weltweit höchsten Auszeichnungen für Fotografen

Eine Eisbärin und ihr Jungtier erkunden neugierig im Scheinwerferlicht der Polarstern das MOSAiC-Forschungscamp – mit diesem Motiv hat Esther Horvath, Fotografin und Bildredakteurin am Alfred-Wegener-Institut, dem Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI), den World Press Photo Award in der Kategorie „Umwelt“ als Einzelbild gewonnen. Dies gab die World Press Photo Foundation am Abend des 16. April bekannt.

Mehr dazu in der Pressemitteilung des AWI: https://www.awi.de/ueber-uns/service/presse-detailansicht/presse/world-press-photo-award-fuer-awi-fotografin.html

Das Foto aus dem Herbst ist nicht das erste Foto einer Eisbären-Mutter mit ihrem Nachwuchs, das von den Medien aufgegriffen wurde. Bereits bei PS106 2017 sorgte ein Schnappschuß von Hauke Flores vom AWI für Schlagzeilen. Siehe https://www.tropos.de/fileadmin/user_upload/Aktuelles/Messkampagnen/Bilder_2017/Messkampagnen_2017/PS106.1_PASCAL/PS106.1_PASCAL_Polarstern-Blog/PS106_Blog_4_Bild_4_Hauke_Flores_800p.jpg
>
https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/eisbaer-in-der-arktis-klaut-fahnenstange-a-1151505.html
&
https://www.tropos.de/aktuelles/messkampagnen/blogs-und-berichte/polarsternfahrt-ps106-2017

AWI-Fotografin Esther Horvath. Ihr gelang während des 1. Fahrtabschnitts von MOSAiC das Foto einer Eisbärenmutter mit ihrem Jungen auf der Scholle. (Fotos: Esther Horvath, AWI)

AWI-Fotografin Esther Horvath. Ihr gelang während des 1. Fahrtabschnitts von MOSAiC das Foto einer Eisbärenmutter mit ihrem Jungen auf der Scholle. (Fotos: Esther Horvath, AWI)

Ostermontag, 13. April 2020 (N84°17, E14°55)
Herzliche Ostergrüße aus dem Eis!

"Wir senden herzliche Ostergrüße an unsere Lieben daheim und alle Freunde von MOSAiC! ... am Sonntagabend fand ein gemeinsamer Grillabend statt. Wir sind uns darüber bewußt, dass dies in diesen außergewöhnlichen Zeiten ein Privileg darstellt.", schreibt das Team im Blog. https://follow.mosaic-expedition.org/blog/mosaic_13-4-20/?lang=de

MOSAiC-Team während Fahrtabschnitt 3. Foto: Michael Gutsche

02. April 2020 (N84°58, E15°06)
Bye, bye, North Pole!

Die Eisscholle der MOSAiC-Expedtion hat auf ihrer Drift den 85. Breitengrad Richtung Süden passiert und damit die Zentrale Arktis verlassen. AWI-Meereisphysikerin Stefanie Arndt hielt diesen Moment mit einem selbst gebastelten „Ortsschild“ im Foto fest.

Foto: Stefanie Arndt, AWI

Foto: Stefanie Arndt, AWI

01. April 2020 (N85°08, E15°27)
Polartag bei MOSAiC

„Noch vor fünf Wochen war es hier stockdunkel. Anfang März haben dann wunderschöne Dämmerungsfarben den Himmel eingenommen, bis schließlich am 12. März die Sonne erstmals wieder über den Horizont gestiegen ist. Und nun, keine 2,5 Wochen später geht sie schon nicht mehr unter. Seit gestern erleben wir den Polartag“, schreibt das Team im MOSAiC-Blog: https://follow.mosaic-expedition.org/blog/mosaic_1-4-20/?lang=de

Foto: Christian Rohleder, DWD

Foto: Christian Rohleder, DWD

01. April 2020 (N53°03', E08°47')

Zurück ins Licht und in der Heimat!

Kein Aprilscherz: Am 1. April sind sie endlich zurück in Deutschland – die Teilnehmenden von MOSAiC-Fahrtabschnitt 2.

Angekommen! Für die Forschenden, darunter mit Hannes Griesche auch ein Wissenschaftler vom TROPOS in Leipzig, ging der Fahrtabschnitt länger  als ursprünglich geplant. Insgesamt verbrachten sie vier Monate (inklusive Weihnachten) in der Arktis – darunter auch die Zeit, in der die Temperaturen in der Polarnacht bei völliger Dunkelheit unter -30°C sinken…

Der Austausch hatte sich verzögert, weil durch die Corona-Pandemie keine Flüge über Spitzbergen mehr möglich waren und diesen Winter ungewöhnlich dickes Eis herrschte. Starker Wind hielt den russischen Versorgungseisbrecher Kapitan Dranitsyn am Anfang auf . Das Brechen des starken Meereises dauerte länger als geplant und verbrauchte soviel Treibstoff, dass auf der Rückreise ein viertägiger Tankstopp nötig wurde. Dafür kam Mitte März ein zweiter Eisbrecher, die russische Admiral Makarov, zu Hilfe. Am 31. März erreichte die Dranitsyn dann endlich Tromsø im Norden Norwegen. Von dort ging es mit einer Chartermaschine nach Bremen. Mehr dazu im MOSAiC-Blog: https://follow.mosaic-expedition.org/blog/mosaic_31-3-20/?lang=dehttps://follow.mosaic-expedition.org/blog/mosaic_16-03-20/?lang=de

Ankunft der Arktis-Heldinnen und Helden von MOSAiC-Fahrtabschnitt 2 auf dem Flughafen Bremen. Foto: Folke Mehrtens, AWI

Ankunft der Arktis-Heldinnen und Helden von MOSAiC-Fahrtabschnitt 2 auf dem Flughafen Bremen. Foto: Folke Mehrtens, AWI

28. März 2020 (N83°37, E13°19)
Erste Raman-Lidar-Messungen in der zentralen Arktis im Frühling

"Hallo zusammen,

wir sind vor fast einem Monat auf der MOSAiC-Scholle angekommen. Seitdem verging die Zeit wie im Fluge. Die Sonne ist zurückgekehrt und beleuchtet die Landschaft um uns herum in prächtigen Farben. Gegenwärtig geht die Sonne während der Nacht für ein paar Stunden unter, bleibt aber nur knapp unter dem Horizont, um 24 Stunden lang Dämmerungsbedingungen zu schaffen. In einigen Tagen wird sie erst wieder im Herbst untergehen.

Wissenschaft in der zentralen Arktis zu betreiben, bleibt eine Herausforderung. Wind- und Gezeitenkräfte halten das Eis beweglich und dynamisch. Während der ganzen Zeit befand sich "unsere" Scholle innerhalb einer besonders aktiven Scherzone, was die häufige Bildung von Rissen, Vorsprüngen und Graten bedeutet. Dies wirkt sich auch auf die Anlagen und die Logistik auf dem Eis aus:  Wir müssen die Instrumente häufig verlagern und umrüsten, um kontinuierliche, qualitativ hochwertige Messungen zu gewährleisten.  ...

Die von OCEANET durchgeführten Beobachtungen sind im Moment sehr interessant. Aufgestiegene Aerosolschichten von arktischem Dunst und Seesalz sind fast die ganze Zeit vorhanden. Dies sind die ersten Beobachtungen des Raman-Lidars in der zentralen Arktis im Frühling. Darüber hinaus erfüllen häufige geschichtete Mischphasenwolken alle Wünsche von Forschern, die sich für die Wolkenprozesse interessieren.

Die Korona-Pandemie betrifft uns auch hier. Wegen der Reisebeschränkungen wird der Wechsel zwischen Leg 3 und 4 auf Anfang Juni verschoben. Daher wird der Aufenthalt der Forschenden bei Leg 3 höchstwahrscheinlich um 2 Monate verlängert. Abgesehen von der Sorge um die Situation der Angehörigen zu Hause ist die Stimmung an Bord nach wie vor gut, und das wissenschaftliche Programm hält uns auf Trab.

Viele Grüße, Martin", schreibt unser Lidar-Kollege Martin Radenz aus dem Eis.

Die MOSAiC-Scholle mit der FS-Polarstern und den Instrumenten auf dem Eis aus der Luft. Foto: AWI

Die MOSAiC-Scholle mit der FS-Polarstern und den Instrumenten auf dem Eis aus der Luft. Foto: AWI

16. März 2020 (N78°15', E15°29')
MOSAiC-Flugkampagnen finden vorerst nicht statt. Polarstern-Crew bislang nicht durch Corona-Pandemie beeinträchtigt

Wegen drastischen Reisebeschränkungen und der weiterhin sehr dynamischen Entwicklung der Corona-Pandemie hat sich die MOSAiC-Projektleitung am 13. März dazu entschieden, die geplanten Messflug-Kampagnen im Frühjahr von der Basis der unter norwegischer Verwaltung stehenden Inselgruppe Spitzbergen vorerst auszusetzen. In der Zentralarktis sind derweil drei Eisbrecher für die MOSAiC-Expedition im Einsatz.

Mehr dazu in der Pressemitteilung des AWI > https://www.awi.de/ueber-uns/service/presse-detailansicht/presse/mosaic-flugkampagnen-zur-vermessung-von-atmosphaere-und-meereis-finden-vorerst-nicht-statt.html  und der Universität Leipzig > https://www.uni-leipzig.de/newsdetail/artikel/vorerst-keine-flugkampagnen-zur-vermessung-von-atmosphaere-und-meereis-2020-03-16/

Archivfoto: Raimund Waltenberg, AWI

14. März 2020 (N84°48', E42°35')
Eisbrecher-Hilfe auf dem Weg nach Hause

„Die Kapitan Dranitsyn hat am 4. März die MOSAiC-Eisscholle mit dem Team von Fahrtanschnitt 2 verlassen und ist am Samstag, 14. März, … auf die Admiral Makarov getroffen. Dieser weitere Eisbrecher aus Russland war aufgebrochen, um die Kapitan Dranitsyn nach ihrer langen Reise durch das arktische Eis mit Treibstoff zu versorgen …“, schreibt das MOSAiC-Team im Blog >  https://follow.mosaic-expedition.org/blog/mosaic_16-03-20/?lang=de

Wir wünschen allen eine gute, schnelle und sichere Heimreise!

Foto: Steffen Graupner, AWI

12. März 2020 (N87°27', E20°20')
Die Sonne ist zurück!

Polarnacht ade! Seit 11:09 Uhr ist die Sonne ist zurück auf der Eisscholle von MOSAiC. Noch versteckt sie sich am Horizont im Schneetreiben eines Tiefdrucksystems, aber die dunkle Zeit ist für die MOSAIC-Expedition in der Arktis jetzt vorbei …
>  https://follow.mosaic-expedition.org/blog/mosaic_12-03-20/?lang=de

Foto: Stefanie Arndt, AWI

03. März 2020 (N78°15', E15°29')
Leipziger Meteorologen bald mit Forschungsflugzeugen unterwegs

Aktuell läuft der Schichtwechsel bei der „MOSAiC“-Expedition mit dem für 14 Monate im Eis eingefrorenen deutschen Eisbrecher „Polarstern“. Während des dritten Expeditionsabschnitts werden unter der Regie des Meteorologen Prof. Dr. Manfred Wendisch von der Universität Leipzig auch wissenschaftliche Missionen mit den Forschungsflugzeugen Polar 5 und Polar 6 stattfinden.

Mehr dazu in der Pressemitteilung der Universität Leipzig: https://www.uni-leipzig.de/newsdetail/artikel/leipziger-meteorologen-bald-mit-forschungsflugzeugen-unterwegs-2020-03-03/

Das Forschungsflugzeug "Polar 5" des Alfred-Wegener-Instituts auf Spitzbergen. Foto: Tobias Donth, Universität Leipzig

01. März 2020 (N88°16', E31°45')
So weit nördlich wie kein anderes Schiff

Hallo,

so langsam neigt sich meine Zeit hier auf Polarstern und an der MOSAiC-Scholle tatsächlich einem Ende entgegen. Seit Freitagnachmittag liegt die Dranitsyn in einiger Entfernung neben der Polarstern und gestern war Martin auch zum ersten Mal hier. Heute wollen wir das HATPRO kalibrieren und eventuell einen Telecovertest machen. Ich habe letzte Woche noch die Blitzlampen bei unserem Lidar „Arielle“ nach ca. 160 Millionen Schuss gewechselt. Das hat gut geklappt. Und seit ein paar Tagen aktuell hat sie auch endlich wieder wolkenfreie Hochdruckbedingungen.
Der Rest der Instrumente läuft weiterhin gut weiter. Ich habe mich nochmal an das Cimel-Photometer gewagt und versucht, die Schalter, die die Motorumdrehungen regeln sollen, besser einzustellen. Das ist leider eine sehr mühsame Geschichte ... Ich denke wir werden es jetzt diese Mondphase (seit zwei Tagen kann man hier den Mond wieder sehen) wieder so messen lassen und dann muss sich Martin leider damit rumschlagen. Er hat ein paar neue Schalter dabei, ich weiß nicht, ob es sich lohnen würde, sie zu ersetzen.
… In ein paar Tagen werden wir ca. 110 Seemeilen vom Nordpol entfernt auf ein Schiff gehen, das nicht aus eigener Kraft den nächsten Hafen erreichen kann. Natürlich gehe ich davon aus, dass mit der Makarov, einem russischen Eisbrecher, der gechartert wurde um uns entgegen zu kommen und uns mit Treibstoff zu versorgen, alles gut geht und wir entspannt irgendwann in Tromsø ankommen. Aber wie lange wir für den Rückweg brauchen und wann wir dann wieder zuhause sind, ist nach wie vor unklar. Unser Fahrtleiter ist da entspannter: er hat den Kapitän der Dranitsyn gefragt, ob wir auf dem Rückweg nicht einen Abstecher über den Nordpol machen können :-).
Hier sind die nächsten Tage noch Cargo-Operationen zum Umladen der Fracht eingeplant. Die können sich wegen der extrem kalten Temperatur (aktuell -38°C) noch hinziehen … dann geht's Richtung Festland (man vergisst es leicht, wenn man auf dem Eis rumläuft, aber wir sind ja nach wie vor auf einem Ozean).
Ach ja, wir haben auch eine Auszeichnung vom Scott Polar Institute bekommen: So weit nördlich zu dieser Jahreszeit wie wir (24.02.: 88°36'N) war vor uns noch kein anderes Schiff (offiziell zu mindestens :-) ).

Viele Grüße!
Hannes

Hannes und sein Arbeitsplatz: Der OCEANET-Container auf dem Vordeck der Polarstern beherbergt im Innern ein PollyXT-Lidar vom TROPOS sowie auf dem Dach das besagte Cimel-Photometer und diverse meteorologische Geräte. Foto: Ronny Engelmann, TROPOS

01. März 2020 (N88°16', E31°45')
Licht!

„Zusammen mit dem neuen Team ist auch die Dämmerung so richtig eingetroffen. Seit zwei Wochen herrscht sogenannte „nautische Dämmerung“ und seit dem heutigen Sonntag erleben wir die „bürgerliche Dämmerung“, während der die Sonne nur noch sechs Grad unter dem Horizont steht. Die Definition von Letzterer lautet, dass man draußen lesen kann, außerdem können wir die Oberfläche von Schnee und Eis erkennen …“ , schreibt Folke Mehrtens im MOSAiC-Blog. https://follow.mosaic-expedition.org/blog/mosaic_01-03-20/?lang=de

Foto: Folke Mehrtens, AWI

28. Februar 2020 (N88°21', E34°13')
„Sie sind da!“ - Kapitan Dranitsyn erreicht die Polarstern

„Sie sind da! Seit zweit Tagen haben wir Sichtkontakt, und nun ist es soweit: Der Versorgungseisbrecher Kapitan Dranitsyn ist heute nach einer Verzögerung durch schwierige Meereis-Situation in der unmittelbaren Nähe der Polarstern angekommen Der Austausch der beiden Teams von Fahrtabschnitt 2 und 3 steht damit unmittelbar bevor. Es gilt nun, insgesamt 83 Wissenschaftler*innen und Besatzungsmitglieder auszuwechseln…“, schreibt das MOSAiC-Team von der Eisscholle im Blog > https://follow.mosaic-expedition.org/blog/mosaic_28-02-20/?lang=de
Und von Bord der Dranitsyn schreibt Stefanie Arndt, Meereisphysikerin am AWI, bei Twitter: „Geschafft! Unglaublich, aber wir sind endlich bei #RVPolarstern @MOSAiCArctic  - nur 100 NM vom #Nordpol - mitten im Winter der #Arktis. Um 14:17 Schiffszeit haben wir unsere Parkposition erreicht - mit einem euphorischen Applaus auf der Brücke der #KapitanDranitsyn“ > https://twitter.com/arndt_st/status/1233368544819269632

Wir drücken allen die Daumen für die anstrengenden Tage des Umzugs! Und natürlich ganz besonders unseren Lidar-Kollegen Hannes (Abschnitt 2, noch auf der Polarstern) & Martin (Abschnitt 3, noch auf der Kapitan Dranitsyn)!

Die Polarstern - endlich in Sichtweite der Kapitan Dranitsyn. Foto: Michael Gutsche, MOSAiC (https://follow.mosaic-expedition.org/blog/mosaic_28-02-20/?lang=de)

20. Februar 2020 (N88°35', E55°55')
MOSAiC Mondays – Weekly Updates from the Arctic (The Atmosphere: Part 1+2)

Die MOSAiC-Expedition hat sich nicht nur wissenschaftliche ambitionierte Ziele gesetzt, sie will auch dazu beitragen, dass die jungen Generationen mehr über die Arktis und den gravierenden Klimawandel dort erfahren. Dazu gibt es das Education-Modul. Das Education Team kümmert sich darum, Wissenswertes leicht verständlich und interessant aufzubereiten, damit es Lehrer im Unterricht einsetzen können. Die Kolleginnen und Kollegen vom Cooperative Institute for Research in Environmental Sciences (CIRES) in Boulder (Colorado, USA) berichten jede Woche auf Englisch in ihren „MOSAiC Mondays – Weekly Updates from the Arctic“:
https://mosaic.colorado.edu/education/mosaic-mondays

Die Ausgaben vom 24. Februar und 02. März 2020 widmen sich der Atmosphäre und damit auch dem TROPOS-Forschungsgebiet, der Troposphäre:
https://mosaic.colorado.edu/education/mosaic-mondays/mosaic-monday-february-24-2020 & https://mosaic.colorado.edu/education/mosaic-mondays/mosaic-monday-march-2-2020
Eine klare Empfehlung für alle, die etwas Englisch verstehen! Also ab ca. Klasse 5…

„MOSAiC Mondays“ sind die wöchentlichen Infos des Bildungsteams vom CIRES in Boulder (Colorado, USA). Quelle: MOSAiC/CIRES/NSF/AWI

20. Februar 2020 (N51°21', E12°22')
POLARZEIT: EXPEDITION EXTREM - Gespräch & Performance im Naturkundemuseum

Der Leipziger Forscher Ronny Engelmann berichtete von der bisher größten Nordpol-Expedition.
Nachdem im Dezember das Publikum eine Live-Schalte auf das Forschungsschiff „Polarstern“ erlebte, war am 20. Februar nun der Leipziger Forscher zu Gast, der bei der größten bisherigen Expedition zum Nordpol dabei war. Dr. Ronny Engelmann vom Leipziger Leibniz-Institut für Troposphärenforschung berichtete im Gespräch mit Museumsdirektor Dr. Ronny Maik Leder von der Forschung, Eisbären und den extremen Bedingungen der Mission. Das Publikum beteiligte sich mit vielen Fragen am Gespräch.
http://www.schaubuehne.com/programm/polarzeit-expedition-extrem/

Der Leipziger Forscher Ronny Engelmann berichtete am 20.02. im Gespräch mit dem Direktor des Naturkundemuseums von MOSAiC. Foto: Maria Josefa Verdugo, AWI

  • Der Leipziger Forscher Ronny Engelmann berichtete am 20.02. im Gespräch mit dem Direktor des Naturkundemuseums von MOSAiC. Foto: Tilo Arnhold, TROPOS

  • Polarforschung historisch & modern. Links: Fotos von MOSAiC - rechts: ein historischer Anzug aus den Anfangsjahren der DDR-Antarktisforschung. Foto: Tilo Arnhold, TROPOS

  • Der Leipziger Forscher Ronny Engelmann berichtete am 20.02. im Gespräch mit dem Direktor des Naturkundemuseums von MOSAiC. Foto: Tilo Arnhold, TROPOS

17. Februar 2020 (N88°21', E78°40')

Eiskristalle – die Kunst des Winzigen

„Wir sind offensichtlich von Eis und Schnee umgeben, da die Polarstern ja im Eis eingefroren ist. Aber wusstet ihr, dass Eiskristalle auch in der Luft gegenwärtig sind? Diese haben je nach Temperatur unterschiedliche Formen: massive Platten oder Prismen, Säulen, sternförmige Platten, Nadeln oder Dendriten. Ihre Größe und Ausprägung hängen zusätzlich von der Luftfeuchtigkeit ab. Um diesen winzigen Kristalle untersuchen zu können, müssen sie nach dem Sammeln in einem Kunststoff konserviert werden, um einen Abdruck zu produzieren, der dann unter dem Mikroskop fotografiert werden kann, denn sonst würden sie ja wegschmelzen. Zum Größenvergleich ist eine Nähnadel mit abgebildet. Wir interessieren uns für ihre Form, um beispielsweise unsere aktiven Fernerkundungsmessungen der Atmosphäre besser interpretieren zu können, denn die verschiedenen Eiskristalle beeinfluss die Streuung von Licht und Strahlung unterschiedlich“, berichtet Folke Mertens im MOSAiC-Blog. Und unser Kollege Hannes Griesche ergänzt: „Die Fotos der Eiskristalle habe ich mit dem IcePIC (Ice Particle Imaging Camera) von CIRES (Cooperative Institute for Research In Environmental Sciences in Boulder, CO, USA) aufgenommen. Das ist ein Mikroskop, auf dem direkt eine Kamera montiert wird.“
https://follow.mosaic-expedition.org/blog/mosaic_17-2-20/?lang=de

Eiskristalle unter dem Mikroskop. Foto: Hannes Griesche, TROPOS

14. Februar 2020 (N88°2', E80°7')

Abschnitt 2 neigt sich dem Ende

"Es ist eine gute Tradition, dass es von jeder Expedition ein Gruppenfoto aller wissenschaftlichen Expeditionsteilnehmenden gibt. Wir haben uns dafür entschieden, unseres Foto vor unserem eingefrorenen Zuhause, der Polarstern, zu machen: Sie ist unser Schutz während der frostigen Polarnacht und wir möchten uns so bei der Crew dafür bedanken, dass sie sich hervorragend um das Schiff und die MOSAiC-Familie kümmert", schreibt das Team im Blog. https://follow.mosaic-expedition.org/blog/mosaic_14-02-20/?lang=de

Die Teilnehmenden von MOSAiC-Fahrtabschnitt 2 (PS122/2). Foto: Lukas Piotrowski

12. Februar 2020 (N87°54', E86°56')

Ein Lichtschimmer am Horizont!

„Gestern gab es eine wirkliche Veränderung der Lichtbedingungen. Es herrscht jetzt die  sogenannte nautische Dämmerung: Die Sonne steigt zwischen 6° und 12° unter den Horizont … . Dementsprechend kamen gestern jede Menge Menschen auf die Brücke, um den farbenfrohen Himmel zu genießen. Wir freuen uns schon sehr darauf, auch die Sonne selber zu erblicken, die wir nicht mehr gesehen haben als wir Ende November in Tromsø zu unserem MOSAiC-Abenteuer aufgebrochen sind…“, schreibt das Team: https://follow.mosaic-expedition.org/blog/mosaic_12-2-20/?lang=de

Nach Wochen der völligen Finsternis deutet sich mit dem ersten Dämmerlicht das Ende der Polarnacht an. Foto: Ivo Beck, Paul Scherrer Institut (PSI)

02. Februar 2020 (N48°45', E08°14')

MOSAiC in Fernsehen, Radio und Print

02. Februar
Die ARD zeigt exklusiv Videoaufnahmen vom 1. MOSAiC-Fahrtabschnitt bei „W wie Wissen“ im Ersten: https://www.daserste.de/information/wissen-kultur/w-wie-wissen/arktis-156.html & https://www.daserste.de/information/wissen-kultur/w-wie-wissen/videos/arktis-video-102.html

12. Februar
Fotografin Esther Horvath spricht im NDR-Fernsehen darüber, wie sie in der Kälte & Dunkelheit mit ihrer Kamera gearbeitet hat und was sie bei der Arbeit antreibt: https://www.ardmediathek.de/ndr/player/Y3JpZDovL25kci5kZS9mMGExMjI2Ni1kMGE0LTRjODItYjU2NS0xMGFjYzZjNDNlMDQ/fotografin-begleitet-polarstern-expedition

13. Februar:
Die Eisscholle von Polarstern erreicht den 88. Breitengrad. Karsten Schwanke berichtet für ARD-alpha über diese Expedition: https://www.br.de/mediathek/sendung/expedition-am-nordpol-av:5dd276f4ebea9c001ad8f003

13. Februar:
„Das Eis ist nicht ewig“ - Tilmann Bünz, Korrespondent in Stockholm, berichtet für die ARD-Tagesthemen im Ersten über MOSAiC: https://www.tagesschau.de/ausland/polarstern-arktis-101.html

14. Februar:
„150 Tage in der Polarnacht“ – Expeditionsleiter Markus Rex vom AWI erzählt eine Stunde lang über MOSAiC bei NDR-Kultur: https://www.ndr.de/ndrkultur/Markus-Rex-war-150-Tage-in-der-Polarnacht,audio636202.html

15. Februar:
„Gefangen im Eis: An Bord der Polarstern. Zwölf Monate der Drift der Schollen ausgeliefert. Ein Exklusiv-Bericht von der größten Arktis-Expedition aller Zeiten“ – Das GEO-Magazin widmet MOSAiC die Titelgeschichte seines März-Heftes: https://www.geo.de/magazine/geo-magazin/39095-geo-nr-03-2020-gefangen-im-eis

15. Februar:
„Diese Frau macht die Flieger fit für die größte Arktis-Expedition aller Zeiten“ - der Stern berichtet übe die „Polar 5“ & „Polar 6“, die im Zentrum der Flugzeugkampagne „MOSAiC Airborne 2020“ stehen, mit denen sich die Universität Leipzig an MOSAiC beteiligt: https://www.stern.de/reise/follow-me/arktis-expedition--diese-frau-macht-die-flieger-fit-fuers-ewige-eis-9125612.html

17. Januar:
Forscher berichtet von AWI-Expedition im ewigen Eis bei ‚buten un binnen‘ von Radio Bremen: https://www.butenunbinnen.de/videos/mosaic-expedition-polar-forschung-100.html

19. Februar:
Arktis-Expedition der Polarstern. ARD-Morgenmagazin im Ersten: https://www.ardmediathek.de/daserste/player/Y3JpZDovL2Rhc2Vyc3RlLmRlL21vcmdlbm1hZ2F6aW4vYmExZGMzYzQtODhlMy00MWM5LWFiNDAtNTU5ODg5NTQyMmUw/arktis-expedition-der-polarstern & Interview mit Expeditionsleiter Prof. Markus Rex https://www.daserste.de/information/politik-weltgeschehen/morgenmagazin/videos/markus-rex-polarforscher-100.html  

 

 

Im Arktischen Herbst wurde die Eisscholle für die einjährige Drift ausgesucht und im letzten Licht vor Einbruch der Polarnacht mit Messtechnik versehen. Davon berichten jetzt u.a. das Erste und viele weitere Medien. Foto: Ronny Engelmann, TROPOS

31. Januar 2020 (N87°26, E96°28)

Hitzewelle in der Arktis: +25K innerhalb weniger Stunden

Die Forschung rechnet damit, dass es durch den Klimawandel in Zukunft häufiger und stärker Wetterlagen geben wird, die Wärme aus dem Süden in die zentrale Arktis transportieren. Was passiert dann dort vor Ort? Wie verändert das die Wolken und Aerosole in der Atmosphäre? Wie beschleunigen diese Wärmeeinbrüche das Abschmelzen des Meereises? Für die Atmosphärenforschung sind das viele Fragen. Entsprechend gespannt war das MOSAiC-Team Atmos, ob es solche Ereignisse vor Ort erleben und messen kann.

Ende Januar passierte dann das, worauf die Forschenden gewartet hatten: Ein Wärmeeinbruch mit drastischen Temperaturschwankungen in extrem kurzer Zeit – mitten im Polarwinter: „Am frühen Morgen des 28. Januar erlebten wir mit -35.1°C die bisher kälteste Temperatur. Dann stiegen die Werte innerhalb der folgenden 24 Stunden auf unsere ‚normalen‘, ungefähr -25°C an. Aber anstatt so zu bleiben, wurde es immer wärmer bis hin zu unserer maximalen Temperatur auf MOSAiC-Abschnitt 2: Quasi tropische -10.8°C am Morgen des 30. Januar. Anschließend fiel das Thermometer aber innerhalb von nur 17 Stunden sofort wieder auf -35°C. Stellt euch einen Temperatursturz von 25°C auf 0°C in dieser Zeitspanne vor! Die Erwärmung war begleitet von starkem Wind, tiefstehenden Wolken und Schneefall. Wir nehmen an, dass ein über uns durchziehendes Tiefdrucksystem warme Luft von Spitzbergen zu uns geführt hat und die Bewölkung mit ihrem Rückstrahlungseffekt zusätzlich zur Erwärmung beigetragen haben. Team Atmo ist schon dabei, die Daten der Lidar- und Radarmessungen der Wolken zu analysieren, um mehr über ihre Zusammensetzung aussagen zu können“, schreibt Folke Mehrtens im MOSAiC-Blog.

https://follow.mosaic-expedition.org/blog/mosaic_31-01-20/?lang=de

Das aktuelle Wetter mit Luft- und Wassertemperatur, Windgeschwindigkeit sowie Luftdruck gibt es stündlich über die Bordwetterwarte des DWD auf Polarstern:
https://www.dwd.de/DE/fachnutzer/schifffahrt/maritimberatung/mosaic/polarstern/polarstern_node.html

Die Grafik zeigt, wie die Lufttemperaturen an der Polarstern vom Mittag des 28. bis zum Morgen des 31. Januar sehr schnell angestiegen sind und noch viel schnell wieder zurückgingen: Vom Morgen des 31. Januar bis zum Abend fiel das „Quecksilber“ von -10.8°C auf -35°C. Das sind rund -25K in knapp 18 Stunden! Grafik: MOSAiC-Expedition

26. Januar 2020 (N69°39′, E18°57′)

Ein schönes Bad im Hafen

Hallo zusammen,

Ich bin gut in Tromsø angekommen (auch mit mein Gepäck war pünktlich).

Die letzten beiden Tage waren wir mit Briefing(s), Kleidung und Sicherheitsanweisungen beschäftigt.

Das Wetter ist recht schön (-15C, etwas Wind) und wir haben im Hafen ein schönes Bad genommen .-) … Man versprach uns Tauchanzüge, aber es stellte sich heraus, dass es sich um Flotationsanzüge handelte, so dass wir völlig nass wurden.

Alle haben es jedoch geschafft, sich wieder auf die simulierte (Eis-)Scholle zu begeben, und jetzt sind wir bereit zum Auslaufen.

Hannes hat richtig vermutet, der russische Eisbrecher hatte mit starken Winden und Wellen im Meer zu kämpfen (7BFT+ und ~5-6m) und machte einen kleinen Umweg.

Der neue Plan sieht vor, dass wir morgen an Bord gehen und am Dienstag abreisen, wenn es das Wetter und der Zoll erlauben.

Beste Grüße,

Martin

(28.01.20) Die Teilnehmende des 3. Fahrtabschnitts von MOSAiC haben einige intensive Tage mit letzten Trainingskursen und diversen Briefings in Tromsø hinter sich. Nun warten sie darauf, dass die Kapitan Dranitsyn ablegt. Der russische Eisbrecher wird auch das nächste MOSAiC-Team zur Polarstern bringen und so den Austausch von Forschenden, Logistik und Schiffscrew ermöglichen. Gute Reise!
Foto: Michael Gutsche, MOSAiC (https://follow.mosaic-expedition.org/blog/mosaic_28-01-20/?lang=de)

26. Januar 2020 (N87°25; E94°17)

Eisbär-Besuch, Polarlicht und ein Camping-Ausflug

Hallo Leipzig!

Diesmal auf Englisch (und ins Deutsche übersetzt), damit auch die nicht-deutschsprachigen die Nachrichten lesen können aus ... na ja, ich wollte gerade den Nordpol schreiben. Aber das ist nicht ganz richtig. Aber fast! (155 Nanometer (nm)… nein, 155 Nautische Meilen (NM) sind es nur noch!).

Ich entschuldige mich für das lange Schweigen von meiner Seite. Aber keine Angst, ich bin nicht im arktischen Eis eingefroren. Auch wenn wir gestern Abend einen Campingausflug gemacht haben!

Aber lasst uns früher anfangen. Wir hatten eine ziemlich aufregende Woche in den letzten 7 Tagen. Vor genau einer Woche haben wir bemerkt, dass es in der Nacht einen Eisbärenbesuch gab. Niemand hat ihn gesehen, aber an der Messstelle für die Fernerkundung auf dem Eis gibt es eine automatische Kamera. Und bei einer regelmäßigen Überprüfung dieser Bilder fiel auf, dass ein Instrument eine andere Position hatte als am Tag zuvor. Also überprüften sie alle Bilder, bis sie schließlich den Bären sahen. Aber dieser Bär ist recht freundlich! Er berührte nur das Instrument, das ohnehin defekt war. Vielleicht dachte er, ein sanfter Schlag würde helfen. Auch die Fernbedienung hat er überprüft.

Hier ist, was sie über seinen Besuch geschrieben haben: "Ein großartiges Foto zeigt die Bärenspuren, die sich dem ARM "Swing Set" nähern, das Radiometer unterstützt, die auf die Oberfläche hinunterblicken und die sich ausbreitende kurz- und langwellige Strahlung sowie die Oberflächentemperatur messen. Die Forschenden werden bei ihren täglichen Inspektionen angewiesen, die Oberfläche unter dem Gerät so ungestört wie möglich zu halten. Anscheinend hat der Bär die Botschaft verstanden.  Dieses großartige Foto von Eric Brossier, das am Morgen nach der Durchsuchung des CO durch das Team LOGISTICS aufgenommen wurde, zeigt, dass sich der Bär dem Gerät näherte und dann anhielt. Er ging dann auf die andere Seite, stellte sich auf seine Hinterbeine, um die Radiometer zu untersuchen, und ging zurück, ohne eine einzige Spur unter den Sensoren zu hinterlassen. Obwohl es vielleicht interessant gewesen wäre, die Infrarot-Signatur eines Bärentatzenabdrucks zu betrachten, scheint es, dass dieser Bär für einen Job bei ARM qualifiziert sein könnte, da seine Untersuchung der Strahlungssensoren eine perfekte Vorgehensweise zeigte".

Als nächstes erlebten Dean (ein weiteres Mitglied des Atmos-Teams, das ich als Bärenwächter betreute) und ich vor einigen Tagen etwas Polarlicht. Sie waren ziemlich schwach, aber wir waren trotzdem ziemlich aufgeregt, einige hier oben zu sehen (obwohl ich nicht darüber nachgedacht habe, dass der magnetische Nordpol aus unserer Sicht eigentlich auf der anderen Seite des geographischen Nordpols lieg).

Die Abenteuer gingen am Freitag weiter, als in der Nähe des Schiffes ein Riss entdeckt wurde. Diese Gelegenheit wurde genutzt, um eine Messung zu starten (was offenbar zweimal pro Etappe oder so geschehen sollte), und viele Leute gingen hinaus. Da ich an dieser Angelegenheit hier überhaupt nicht beteiligt war, hier ihr Bericht: "Dies war das lang erwartete "Ereignis": die Chance, die Energie- und Gasflüsse zwischen Wasser und Luft durch das neu gebildete und ältere Eis zu messen. Es erlaubte auch, die Anfangspopulation des neu gebildeten Eises durch eisbewohnende Biota zu untersuchen. Nach einem kurzen Treffen nach dem Mittagessen begannen wir uns sehr schnell, hinauszugehen und das offene Wasser, Eis und Schnee sowie die Luft zu messen und zu beproben. Dies wurde vom Logistikteam, das den Transport und die Bewachung der Bären gewährleistete, stark unterstützt. Zusätzlich führten wir eine spezielle hochauflösende Vermessung des Bleis mit dem helikoptergestützten Laserscanner durch. Dies war eine große interdisziplinäre Anstrengung, um die Geheimnisse der zentralen Arktis im Winter zu entschlüsseln.“

Und dann machten wir gestern Abend den Camping-Ausflug. 20 Personen (einschließlich mir), die meisten von ihnen Wissenschaftler, aber auch ein Teil der Polarstern-Besatzung, gingen hinaus, um eine Nacht in Zelten zu verbringen, etwa einen Kilometer vom Schiff entfernt. Das war eine sehr schöne Erfahrung. Mein Favorit war eigentlich die Bärenwache, die ich von 1-2 Uhr morgens machte. Dort draußen zu sein, allein und die arktische Nacht fast ungestört zu erleben (es gab noch Licht vom Schiff, aber endlich kein Geräusch mehr!), war beeindruckend. Aber es war auch ziemlich kalt! Wir hatten wirklich gute Schlafsäcke, aber das Problem waren die Matratzen. Einige nahmen zwei, aber ich hatte nur eine, und das war leider nicht genug (wenn ich also ein paar lustige Sachen hier geschrieben habe, liegt das daran, dass ich letzte Nacht fast nicht geschlafen hätte .-) …). Aber vielleicht gehen wir nächstes Wochenende wieder hin, dann nehme ich zwei Matratzen mit! Und der Kaffee am Morgen war köstlich (mit frisch gemahlenen Kaffeebohnen!).

Beim OCEANET-Container läuft bis auf das Cimel alles perfekt. Aber ich habe es endlich geschafft, die Reparatur durchzuführen, die mir die Jungs aus Lille aufgetragen haben. Leider war es nicht gut für die Kabel, den Roboter wieder und wieder und wieder aufzustellen, und ein Kabel ging kaputt. Zum Glück haben wir einige geschickte Elektriker an Bord, die mir beim Löten der Drähte geholfen haben! …

Soweit der Bericht der vergangenen Tage bei MOSAiC. Ich glaube, ich muss jetzt ins Bett gehen. …

Viele Grüße

Hannes

Ein Eisbär hat die Remote Sensing Station auf dem Eis nachts besucht und die Instrumente begutachtet. Das zeigten die Aufnahmen der Überwachungskamera am nächsten Tag. Glücklicherweise hat sich der Eisbär ganz vorsichtig angenähert und nur eine Abdeckung abgerissen ohne weitere Installationen kaputt zu machen. Foto: Marcus Huntemann, AWI ( https://follow.mosaic-expedition.org/blog/mosaic_20-1-20/?lang=de )

  • Sobald Forschungsteams auf dem Eis arbeiten ist eine Bärenwache auf der Brücke. Unterstützt von einem ebenfalls mit Fernglas und über die Infrarotkamera Ausschau haltenden Wissenschaftler haben die Logistik-Teammitglieder die Umgebung im Blick. Sie stehen im Funkkontakt mit allen Gruppen, die auf der MOSAiC-Scholle arbeiten. Foto: Lukas Piotrowski, MOSAiC

  • Am 23. Januar war ein 50 Meter breiter und 1 Kilometer langer Riss im Eis entstanden. Das war ein lang ersehntes „Ereignis“: Die Chance, Energie- und Gasflüsse zwischen Wasser, neuem und altem Eis sowie der Atmosphäre zu messen. Foto: Folke Mehrtens, AWI

  • Wenn sich ein Riss in der MOSAiC-Eisscholle auftut, verschwindet das Eis nicht einfach, sondern taucht an anderer Stelle wieder auf. Wir nennen diesen Vorgang Umverteilung. Die Spur des Schneemobils vom Vortag ist dann plötzlich unter einem Eisrücken verborgen. Foto: Eric Brossier, Polar Yacht Vagabond / MOSAiC

22. Januar 2020 (N87°26, E93°52)

Polarlichter bei MOSAiC

'Ihr werdet auf der MOSAiC-Expedition keine Polarlichter sehen, dafür seid ihr zu weit im Norden', hieß es vorher. Normalerweise tritt dieses Phänomen vor allem in einem schmalen Band um die magnetischen Pole auf. Zu Polarlichtern kommt es, wenn elektrisch geladene Teilchen des Sonnenwinds auf Sauerstoff- und Stickstoffatome in den oberen Schichten der Erdatmosphäre treffen und diese ionisieren. Dabei entsteht das markante grüne Licht.

Unserem Kollegen Hannes Grische und Dean Howard von der University of Colorado Boulder gelangt jetzt ein besonderer Schnappschuss. Als sie zum Messen von Spurengasen auf der Eisscholle unterwegs waren, bemerkten sie schwache Strukturen am dunklen Himmel, die sich für Wolken untypisch schnell bewegten. „Glücklicherweise hatten wir eine Kamera nebst Stativ dabei und konnten so ein paar Langzeitbelichtungsaufnahmen machen“, berichtet Hannes. Die Fotos zeigen deutlich, dass es hier auf 87° 28‘ Nord Polarlichter gibt!

Der fast senkrechte Strich im oberen Bildteil ist die Leuchtspur eines polumlaufenden Satelliten, die während der Polarnacht besonders deutlich zu sehen sind, da sie von der Sonne angestrahlt werden, während es Boden dunkel ist. Für das Foto mussten die beiden übrigens 25 Sekunden stillstehen – bei -27°C …

 https://follow.mosaic-expedition.org/blog/mosaic_23-1-20/?lang=de

Polarlicht (Aurora Borealis) während der MOSAiC-Expedition auf 87° 28‘ Nord am Morgen des 22. Januar 2020. Hannes Griesche (TROPOS, links) und Dean Howard (University of Colorado Boulder, rechts) während des Messens von Spurengasen auf der Eisscholle. Foto: Hannes Griesche, TROPOS

08. Januar 2020 (N51°21'9", E12°26'5")

Lidar-Daten jetzt online

Die Lidardaten vom TROPOS-PollyArielle im OCEANET-Container aus dem 1. Fahrtabschnitt von MOSAiC sind jetzt online in der TROPOS-Datenbank: http://polly.tropos.de/?p=lidarzeit&Ort=35

Alle Stationen des weltweiten Lidarnetzwerkes PollyNet gibt es unter: http://polly.tropos.de/ sowie http://picasso.tropos.de/

Mehr zu PollyNet, das Teil von ACTRIS ist, unter: https://www.tropos.de/forschung/grossprojekte-infrastruktur-technologie/koordinierte-beobachtungen-und-netzwerke/pollynet

PollyNet. Source: TROPOS.de

05. Januar 2020 (N87°4; E115°19)

Minustemperaturen und Finsternis

… können Hannes Griesche nicht schocken. Die Morgenpost am Sonntag berichtet über die MOSAiC-Expedition.

https://www.tag24.de/nachrichten/arktis-expedition-mosaic-saechsischer-forscher-hannes-griesche-ist-unser-mann-im-ewigen-eis-1341648

01. Januar 2020 (N86°44; E117°36)

Neujahr & nördlichste Silvesterparty der Welt

Frohes neues Jahr!

Wir haben hier heute am Boden fast gefühlte -50°C (bei eigentlichen -31 und mit ca. 10m/s Wind). In der Atmosphäre über uns ist es dagegen noch deutlich kälter: -78°C misst die Radiosonde in 18km Höhe.

Als nächsten Stationspunkt wurde der Nordpol eingetragen und daher wird immer die Distanz dahin angezeigt. Aktuell steht da: 197.45 NM – also Nautische Meilen. Das sind 365km – gemessen an den 4361km bisher nur noch ein Katzensprung .-)

Unsere Zeit ist übrigens Moskauer-Zeit. Wir waren also 2 Stunden vor Deutschland in 2020 und haben tatsächlich mal wieder einen strahlenden Sternenhimmel.

Viele Grüße!

Hannes

 

PS. Neujahr auf Polarstern klingt übrigens so: https://www.awi.de/fileadmin/user_upload/AWI/Expedition/Schiffe/Downloads/Polarstern-Horn2.mp3

Nördlichste Silvesterparty der Welt. Bei 86°38,25N/118°04.06E begrüßte das MOSAiC-Team die neue Dekade. Julia Wenzel vom Deutschen Wetterdienst (DWD) hatte die Ehre, das Schiffshorn um Mitternacht erschallen zu lassen. Foto: Michael Ginzburg

29. Dezember 2019 (N86°38; E115°52)

Noch 202.22 NM bis zum Nordpol

Hallo in die Heimat,

hier kommt eine kleine Zwischen-den-Jahren-Mail. Viel passiert ist hier in den letzten Tagen jedoch nicht. Wir hatten zweimal Besuch von einem Polarfuchs (anbei ein Foto). Aber obwohl die eigentlich immer in der Nähe von Eisbären unterwegs waren, haben diese sich bei uns noch nicht sehen lassen.

Unser Lidar „Arielle“ hat von mir am 23.12. einen kleinen Weihnachtsputz bekommen. Und gleich am Abend hat sich der Computer neugestartet. Aber seitdem läuft alles wieder wie gehabt. Nur interessante Falle bleiben gerade aus. Wir haben in den letzten Tagen wieder häufiger diese niedrigen Wolken gehabt, so dass es selten Signale von oberhalb 2km gibt. Und wenn doch, dann halte ich die Augen nach Polaren Stratosphärenwolken (PSCs) offen. Aber bisher habe ich nichts dergleichen in den Daten gesehen. Der Rest der Instrumente misst fleißig vor sich hin und das Cimel-Photometer  wartet sehnsüchtig darauf, dass der Mond wieder aufgeht.

Heiligabend hatten wir eine schöne Weihnachtsfeier (die wir als nördlichste der Welt definiert haben), mit Reden vom Kapitän und Fahrtleiter, Besuch vom Weihnachtsmann und Wichtel-Geschenken für alle. 

Am 1. Weihnachtstag gab es dann Ausflüge zu Fuß, oder, wer welche hatte, per Ski (ich konnte mir ein Paar ausleihen und war in der Skiergruppe unterwegs). Silvester steht dann schon die nächste offizielle Feier an, mit Begrüßung des neuen Jahres auf der Brücke.

Einen guten Rutsch ins neue Jahr wünsche ich allen!

Viele Grüße aus dem Eis,

Hannes

Besuch in der Dunkelheit der Polarnacht. Ein Polarfuchs kommt in der Nähe der Polarstern vorbei. In der Regel ernähren sie sich von den Resten, die Eisbären nach der Robbenjagd auf dem Eis zurücklassen und folgen diesen. Diesmal war aber kein Eisbär zu sehen. Foto: Hannes Griesche, TROPOS

24. Dezember 2019 (N86°38; E113°46)

Heiligabend

Das MOSAiC-Expeditionsteam genießt einen fröhlichen Weihnachtsabend an Bord der Polarstern. Der Weihnachtsmann hat uns einen Besuch abgestattet!

Foto: Folke Mehrtens, AWI

21. Dezember 2019 (N86°41;E112°24)

Wintersonnenwende

Ab jetzt werden die Tage länger!

 

Hallo nach Leipzig,

hier kommt ein Update von der Scholle. Im Container konnte ich regelmäßig nachschauen und mein Vorgänger Ronny hat mir alles sehr schön eingerichtet. Ich musste nur eine Software neu starten, damit die ganzen Daten auch in das zentrale Datacenter hier kopiert werden, aber alles andere läuft fein durch und misst.

Gestern Abend haben sich dann endlich die tiefen Wolken verzogen und unser Lidar Polly-Arielle konnte mal wieder Aerosolschichten messen. Und davon gab es zwei den ganzen Abend lang unterhalb von 2 km und eine bei 5km. Und da bin ich mir nicht sicher, aber oberhalb von 11km könnte das stratossphärische Aerosol sein, dass wir hier zuletzt so oft gesehen haben. Die Tropopause ist mittlerweile wieder bei 11km Höhe.

Gestern hatten wir ja den kürzesten unserer nicht vorhandenen Tage und haben den gebührend gefeiert. Dazu gab es Glühwein und der empfiehlt sich in Thermosbechern zu genießen. Sonst ist er angeblich schneller gefroren als ausgetrunken. .-)

Frohe Weihnachtsferien allen!

Viele Grüße,

Hannes Griesche

Foto: Stefan Hendricks, AWI

Messung des TROPOS-Lidars PollyArielle vom 21.12.2019

„Die vielen hohen Wolken bis 11 km zeigen (mal wieder) an, dass die Arktis kein abgeschlossenes System ist. Immer wieder überqueren Luftmassen aus eher mittleren Breiten den Pol. Die stabilen Luftmassen (und eingelagerten Aerosolschichten) weiter unten (unterhalb von 5-6km) sind da wohl schon eher typisch für winterliche arktische Verhältnisse“, interpretiert Albert Ansmann (Leiter der TROPOS-Arbeitsgruppe Bodengebundene Fernerkundung) die Messung vom 21.12.2019. Grafik: Hannes Griesche, TROPOS

19. Dezember 2019 (N86°40; E112°52)

Wechsel von Abschnitt 1 auf 2 abgeschlossen

Der russische Versorgungseisbrecher Kapitan Dranitsyn verließ die MOSAiC-Eisscholle am 18. Dezember 2019 um 14:30 Uhr Schiffszeit (12:30 Uhr MEZ). Damit ist die Versorgung und der Austausch zwischen Leg 1 und Leg 2 abgeschlossen. 

Abreise der Kapitan Dranitsyn. Foto: Alfred-Wegener-Institut / Folke Mehrtens (CC-BY 4.0)

18. Dezember 2019 (Leipzig/Dresden)

Schichtwechsel am Nordpol in den Medien

Über den Wechsel zwischen Fahrtabschnitt 1 und 2 bei MOSAiC berichten u.a.:

+ Sächsische Zeitung am 19.12.19: "Schichtwechsel am Nordpol" > https://www.saechsische.de/plus/schichtwechsel-am-nordpol-arktis-expedition-mosaic-saechsische-wissenschaftler-tropos-leipzig-5152729.html

+ MDR-Sachsenspiegel am 17.12.19: "Wie Leipziger Forscher in der Arktis am Klima forschen" > https://www.mdr.de/video/mdr-videos/a/video-366150.html

+ MDR-Radio-Sachsen am 17.12.19: "Schichtwechsel auf der Polarstern - Leipziger Forscher im Interview" > https://www.mdr.de/sachsen/leipzig/leipziger-forscher-polarstern-expedition-100.html

Rendesvouz in the Arctic. Photo: Ivo Beck, PSI (CC-BY 4.0)

17. Dezember 2019 (Leipzig)

Performance "POLARZEIT: Expedition extrem"

Zur Performance im Naturkundemuseum Leipzig gab es am Dienstag, 17.12.19, ab 19:30 Uhr auch ein Telefonat mit Ronny Engelmann vom TROPOS aus Leipzig, der im Rahmen der internationalen MOSAiC-Expedition gerade mit dem Forschungseisbrecher Polarstern in der Nähe des Nordpols auf einer Eisscholle durch die Arktis driftet und dabei hilft, der globalen Klimaforschung erstmals begehrte Daten aus der Polarnacht zu liefern.
http://www.schaubuehne.com/programm/polarzeit-expedition-extrem/

Das Kooperationsprojekt "Expedition 4x6" zwischen Naturkundemuseum Leipzig und Schaubühne Lindenfels widmet sich jetzt den Expeditionen in die Eiswelten der Polargebiete. Foto: Tilo Arnhold, TROPOS

Lisa Berger (Schaubühne Leipzig) und Dr. Ronny Leder (Direktor Naturkundemuseum Leipzig) im Gespräch mit Dr. Ronny Engelmann (TROPOS) während der MOSAiC-Expedition in der Arktis - via Satellitentelefon.

Rund 40 Leipzigerinnen und Leipziger erlebten die Polarzeit-Performance der Schaubühne Lindenfels im Naturkundemuseum Leipzig und hörten gespannt beim Telefonat mit der Polarstern in der Arktis zu. (Fotos: Tilo Arnhold, TROPOS)

17. Dezember 2019 (Potsdam)

UFA SHOW & FACTUAL zeigt erstes Material

"Kamerateams der UFA SHOW & FACTUAL begleiten die MOSAiC-Expedition ... exklusiv über den gesamten Zeitraum. ... Abschnitt für Abschnitt stellen UFA SHOW & FACTUAL und das Alfred-Wegener-Institut einige Minuten Material zur Verfügung"

https://www.ufa.de/presse/ufa-show-factual-begleitet-exklusiv-die-groesste-arktis-expedition-aller-zeiten-und-zeigt-nun-erstes-material

Video bei Youtube:

https://www.youtube.com/watch?v=tTAKzEUl0N0&feature=youtu.be

Foto: Alfred-Wegener-Institut / Stefan Hendricks (CC-BY 4.0)

16. Dezember 2019 (N86°37; E117°52)

Treffen sich zwei Eisbrecher - 270 Kilometer vom Nordpol entfernt

Schichtwechsel am Nordpol

Zu Beginn der zweiten Etappe der einjährigen MOSAiC-Expedition ziehen die Teilnehmer ein erstes Fazit

Mit dem Austausch von Team und Schiffscrew geht die bislang größte wissenschaftliche Expedition in der Zentralarktis in die nächste Phase, um dringend benötigte Forschung am arktischen Klimasystem durchzuführen. Das Team des ersten Fahrtabschnitts, geprägt durch dünnes Meereis, zieht erste Bilanz: Trotz extremer Herausforderungen fließen die wissenschaftlichen Daten zuverlässig. Das neue Team sieht nun der dunkelsten und kältesten Forschungsperiode entgegen: dem bislang unerforschten arktischen Winter.

Mehr in der Pressemitteilung des AWI unter https://www.awi.de/ueber-uns/service/presse-detailansicht/presse/schichtwechsel-am-nordpol.html

 

Gruppenfoto des ersten Teams kurz vor Ende von Leg1. Unser Kollege steht hinten, aber - wie es sich für einen Atmosphärenforscher gehört .-) - ganz oben. Foto: Alfred-Wegener-Institut / Esther Horvath (CC-BY 4.0)

Rund 100 Personen tauschen die Plätze zwischen dem Forschungseisbrecher Polarstern, der seit Oktober mit dem arktischen Meereis driftet, und dem russischen Versorgungseisbrecher Kapitan Dranitsyn.

  • Polarstern und Captain Dranitsyn treffen sich an der MOSAiC-Scholle für den Austausch zum Start des zweiten Fahrtabschnitts. (Foto: Esther Horvath and Jakob Stark)

  • Nach der Ankunft an der MOSAiC-Scholle mit Captain Dranitsyn besuchen die wissenschaftlichen Teams und die Crew der zweiten Etappe die Polarstern. (Foto: Esther Horvath)

  • Frachtbetrieb auf dem Hubschrauberdeck von Polarstern (Foto: Esther Horvath)

  • Der Austausch zwischen den Schiffen bedeutet eine komplexe logistische Operation, bei der teilweise Fracht über das Eis, teilweise mit den Kränen direkt von Schiff zu Schiff befördert wird. (Foto: Esther Horvath)

  • Das Team Biogeochemie führt am Bohrloch die wissenschaftliche Übergabe durch. (Foto: Esther Horvath)

  • Wissenschaftler im Übergabegespräch auf der MOSAiC-Scholle (Foto: Esther Horvath)

14. Dezember 2019 (N86°36 E118°31)
Erste Filmaufnahmen im Deutschen Fernsehen

"Arktis-Expedition: Erste Filmaufnahmen der "Polarstern"

ARD-Tagesschau und -Tagesthemen zeigen anlässlich der UN-Klimakonferenz COP25 erste Filmaufnahmen aus dem Eis. (Das Erste, 14.12.19, 20:00 & 23:30 Uhr)

https://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-634023.html

 

Filmcrew bei der Arbeit im Eis. Foto: Esther Horvath, AWI

12. Dezember 2019 (N86°35 E119°17)
UN-Klimakonferenz COP25 in Madrid

Auf Einladung des BMBF gibt es im Deutschen Pavillon auf der UN-Klimakonferenz COP25 ein Side Event "Aerosol-Wolken-Wechselwirkungen in einem sich wandelnden Klima: Chance oder Bedrohung". Expertinnen und Experten, die mittels Live-Übertragungen zu Messstationen an Schlüsselorten auf verschiedenen Kontinenten und zum Forschungsschiff „Polarstern" in der Arktis zugeschaltet sind, stellen den Einfluss sich ändernder Luftverschmutzung auf das Wetter vor Ort und den globalen Klimawandel vor. Via Satelliten-Telefon können wir dabei auch mit unserem Kollegen Ronny Engelmann sprechen.

Mehr Infos unter
https://www.fona.de/de/aktuelles/nachrichten/2019/aerosole_wolken_side_event_cop25.php
&
https://www.tropos.de/aktuelles/veranstaltungen/un-klimakonferenz-2019-cop25

Die MOSAiC-Expedition ist auf der COP25 in Madrid dabei - via Satellitentelefon. Foto: Konstantin Engelbrecht, BMZ

10. Dezember 2019 (N86°32 E120°59)

„Man könnte es also schon fast Nordpol nennen .-)“

Kurz vor Ende des ersten Fahrtabschnittes von MOSAiC konnten wir am Dienstagabend mit unserem Kollegen Ronny Engelmann auf der Polarstern via Satellitentelefon sprechen. Das 5min-Telefonat war ein Test für die Live-Schaltung zu Observatorien weltweit während der UN-Klimakonferenz COP25 in Madrid, wo am Donnerstag in einem Side-Event über das internationale Lidar-Netzwerk PollyNet, die EU-Forschungsinfrastruktur ACTRIS und die Bedeutung von kurzlebigen Klimatreibern wie Aerosolen, Wolken und Spurengasen informiert werden soll.

Dr. Ronny Engelmann vom TROPOS an seinem Arbeitsplatz, dem OCEANET-Container auf der Polarstern während des ersten Fahrtabschnitts der MOSAiC-Expedition. Foto: Esther Horvath, AWI

Telefonat mit Dr. Ronny Engelmann vom TROPOS – z.Z. auf der FS Polarstern in der zentralen Arktis (10. Dezember 2019, 18:00 MEZ)

Telefonat mit Dr. Ronny Engelmann vom TROPOS – z.Z. auf der FS Polarstern in der zentralen Arktis (10. Dezember 2019, 18:00 MEZ)

Wie geht es Dir? Wie ist das Wetter bei Euch?

Mir geht es super. Das Wetter ist heute extrem schön: Wir haben sehr klaren Himmel, leichten Wind und gerade etwa -28°C.

Wo befindet ihr Euch zur Zeit?

Wir sind momentan ungefähr bei 86,5 Grad Nord und auf direktem Weg nach Norden. Man könnte es also schon fast Nordpol nennen .-)

Ist seid dort auf einer Forschungsreise mit einem Schiff, welches viele wissenschaftliche Geräte trägt. Was untersucht ihr dort alles?

Wir sind auf der Expedition MOSAiC. Das ist eine multidisziplinäre Messkampagne, wo es um arktische Parameter geht. Vom tiefen Ozean bis in die hohe Atmosphäre übers Eis über Biologie alles wird vermessen. Dazu gibt es verschiedene Teams und wir gehören zum Team Atmosphäre. Und im speziellen untersuchen wir, wie Aerosole und Wolken transportiert werden.

Das TROPOS ist beteiligt mit mehreren Geräten. Welche sind das?

Wir haben einen Messcontainer mit einem Aerosol- und Wolkenlidar, zwei verschiedene Mikrowellenradiometern, ein bisschen Standardmeteorologie und eine Strahlungsmessstation. Damit wollen wir den Zusammenhang zwischen Aerosolen, Wolken und Strahlung hier festhalten.

Ihr untersucht also die Atmosphäre. Habt ihr schon etwas Besonderes festgestellt?

Hmm, besonders: Man stellt sich die Arktis immer als ursprünglich, also als eine Art Reinluftgebiet vor. Aber so ist es nicht. Wir sehen die ganze Zeit Aerosolschichten in 7 bis 14 Kilometern Höhe, die aus südlichen Breiten antransportiert werden. Und am Boden, wenn man Wolken hat – und wir haben oft ziemlich viele Wolken - , ist die Luft sehr sauber, weil die Wolken das alles auswaschen. Wenn wir aber wie z.B. die letzte Woche ziemlich wenig Wolken haben, kann man sehen wie kontinentale Verschmutzung z.B. aus Waldbränden nach Norden in die Arktis driftet, wo man das dann hier messen kann. Das ist speziell.

Also seid ihr gar nicht so weit weg von uns: Wir schicken zur Zeit unsere Abgase zu Euch…

So könnte man das sagen, ja. Es ist aber auch nicht ganz einfach herauszufinden, von wem das stammt weil wir hier ja Wettermodelle haben, aber keinen Live-Zugang zu den Trajektorienberechnungen. Deshalb ist es noch viel Arbeit herauszubekommen, wo das eigentlich alles herkommt.

Wie ist der Plan? Wie lange soll Eure Forschungsreise gehen?

Diese Messkampagne dauert ja ein ganzes Jahr. Ich bin jetzt auf dem ersten Abschnitt dabei. Insgesamt gibt es 6 Abschnitte bis Oktober nächstes Jahr. Wir wollen alle Jahreszeiten am Nordpol erfassen. Mein Abschnitt selber wird ziemlich bald enden, da wir demnächst Ablösung bekommen mit einem anderen Schiff. Das ist noch ungefähr 100 Meilen entfernt und wird eventuell morgen – wenn es gut läuft – am Horizont auftauchen. Dann wird ein bisschen umgeladen, dann werden wir Personal austauschen und dann fahren, glaube ich, alle auf diesem Schiff bis auf 5 Leute zurück.

(Die Fragen stellten Dr. Dietrich Althausen und Tilo Arnhold.)

 

 

8. Dezember 2019 (Leipzig/Tromsø/Arktik)

Neue Ausrüstung und Ablösung unterwegs

Sensoren für den großen TROPOS-Fesselballon „BELUGA“ unterwegs zu MOSAiC

Für den kommenden Einsatz des TROPOS Fesselballons „BELUGA“ auf der MOSAiC Expedition von April bis Juni 2020, sind nun auch die Instrumente zur Erforschung der atmosphärischen Grenzschicht in der Arktis auf dem Weg ins Eis. Auf dem ersten Versorgungseisbrecher „Kapitan Dranitsyn“ werden die Sensoren zur Messung von Aerosolen, Turbulenz und Strahlung zur eingefrorenen Polarstern gebracht. Mit dabei ist auch das Ergebnis intensiver Entwicklungsarbeiten des TROPOS: zwei neue Plattformen „CAMP 1 & 2“, die mittels hochsensibler Instrumente selbst geringste Konzentrationen an Ruß sowie weitere Aerosol-Eigenschaften messen können. Christian Pilz, TROPOS

BELUGA-Ausrüstung vor dem Abtransport. Foto: Tilo Arnhold, TROPOS

Im November gingen vom TROPOS in Leipzig aus mehrere Kisten nach Tromsø (Norwegen). Von dort bringt sie ein russischer Eisbrecher zur Polarstern damit die Technik dann im Frühjahr 2020 auf dem Eis eingesetzt werden kann. Fotos: Tilo Arnhold, TROPOS

Mit der „Kapitan Dranitsyn“ ist Ende November in Tromsø (Norwegen) auch ein Kollege aus unserer Lidargruppe gestartet, der den jetzigen Betreuer des OCEANET-Containers ablösen wird. Der Eisbrecher wird an der Polarstern für ca. 13.12. erwartet.

  • Foto: Folke Mehrtens, AWI

  • Foto: Folke Mehrtens, AWI

  • Foto: Folke Mehrtens, AWI

7. Dezember 2019 (N86°9 E122°9)

Winterstürme und völlige Finsternis

„Bis einschließlich gestern herrschte hier ein paar Tage lang ein starker Wind mit Schneedrift und geringen Sichtweiten. Um die Arbeit auf dem Eis zu erleichtern und den Weg nach Hause zu beleuchten, werden die drei Scheinwerfer von Polarstern eingesetzt.“ https://follow.mosaic-expedition.org/

Die Polarstern in der Polarnacht. Inzwischen herrscht rund um die Uhr totale Finsternis. Bis mittags eine Andeutung von Dämmerung zu erahnen ist, wird noch über ein Monat vergehen, bis sich wieder die Sonne am Horizont zeigen wird, noch deutlich länger. Die Temperaturen sinken unter -30°C – im Schneesturm mit Windchill-Effekt weit unter -40°C. Foto: Esther Horvarth, AWI

6. November 2019 (N85°55; E116°43)

Arbeit in der Polarnacht

„Unsere Schiffsuhren stehen derzeit auf UTC+8. Damit sind wir der mitteleuropäischen Zeit sieben Stunden voraus. Wir werden von nun an jede Samstagnacht die Uhren zurücksetzen bis wir UTC +3 erreicht haben. Das ist die Moskauer Zeit, nach der auf dem Eisbrecher Dranitsyn, das nächste Versorgungsschiff, gelebt und gearbeitet wird.“ https://follow.mosaic-expedition.org/

Die Polarstern in der Polarnacht. Die großen Bordscheinwerfer bringen etwas Licht ins Dunkel. Vorn auf dem Deck stehen diverse Messcontainer, darunter auch der OCEANET-Container vom TROPOS – zu erkennen am grünen Licht des Lasers, das von der Dachluke des Containers reflektiert wird. Der Laserstrahl des Lidars selber ist nicht zu erkennen, weil die Luft am Boden hier sehr sauber ist und die Bordscheinwerfer der Polarstern deutlich heller sind. Foto: Esther Horvarth, AWI

25. Oktober 2019 (N85°26 E127°50)

Polarnacht & Wetter

Polarnacht

Die Polarnacht ist auf der MOSAiC-Eisscholle eingekehrt. Dunkelheit prägt das Bild da die Sonne nicht mehr über den Horizont kommt. Statt dessen gibt es in der Mittagszeit nur noch wenig Restlicht wie in der Heimat weit nach Sonnenuntergang am Ende der Dämmerung.

https://follow.mosaic-expedition.org/blog/mosaic_25-10-19/?lang=de

Die Scholle triftet jetzt immer mehr nach Nordwesten Richtung Spitzbergen: https://www.awi.de/fileadmin/user_upload/MET/PolarsternCoursePlot/psobse.pdf 

 

Wie ist das Wetter auf FS Polarstern in der Arktis gerade?

Die aktuellen Daten zu Temperatur, Niederschlag und Wind gibt es jetzt auch stündlich beim Norwegischen Wetterdienst - inkl. Vorhersage: https://www.yr.no/en/forecast/daily-table/0-82/Polarstern

Mehr dazu in den PolarPredictNews auf Englisch: https://www.polarprediction.net/news.html

Diese Daten stammen von der Bordwetterwarte der Polarstern, die vom Deutschen Wetterdienst (DWD) betrieben wird. Die aktuellen Wetterdaten sind auch online
beim DWD https://www.dwd.de/DE/fachnutzer/schifffahrt/maritimberatung/mosaic/polarstern/polarstern_node.html
und AWI https://www.awi.de/nc/forschung/langzeit-beobachtung/atmosphaere/polarstern-eisbrecher.html

 

Die Polarstern in der Polarnacht. Foto: Alfred-Wegener-Institut / Esther Horvath (CC-BY 4.0)

04. Oktober 2019:
MOSAiC-Expedition startet Eisdrift auf einer Scholle bei 85 Grad Nord und 137 Grad Ost

Das MOSAiC-Team hat die Scholle festgelegt, die Ausgangspunkt für die einjährige Eisdrift mit dem deutschen Forschungseisbrecher Polarstern vorbei am Nordpol sein wird. Vorausgegangen ist eine intensive Suche per Satellitenbildern und Helikopter-Überflügen im Zielgebiet in der zentralen Arktis, die durch den vom Arktischen und Antarktischen Forschungsinstitut Russlands (AARI) betriebenen Eisbrecher Akademik Fedorov unterstützt wurde. Die beteiligten Wissenschaftler hatten 16 Schollen genauer untersucht, deren Satellitenaufnahmen vermuten ließen, sie wären groß genug für das Forschungscamp. Während einer Zusammenkunft auf der Polarstern werteten sie schließlich die Ergebnisse aus und einigten sich darauf, die Eisdrift auf einer etwa 2,5 mal 3,5 Kilometer messenden Scholle bei 85 Grad Nord und 137 Grad Ost vorzubereiten. Die Scholle, an der sich die Polarstern nun festfrieren lässt, driftet derzeit bis zu 10 Kilometer pro Tag in unterschiedliche Richtungen.

Mehr dazu unter: https://www.awi.de/ueber-uns/service/presse-detailansicht/presse/eine-festung-aus-eis-und-schnee.html

 

Erste Forschergruppe auf der Scholle (Foto: Esther Horvath, AWI)

22. September 2019:
Auf dem Weg ins Packeis

Polarstern ist unterwegs in die nordöstliche Arktis. Die Vorbereitungen für die Arbeiten auf der Eisscholle laufen während dieser Transferfahrt auf Hochtouren. In der Barentsee boten sich nachts spektakuläre Anblicke von Nordlichtern, der Aurora Borealis:  https://follow.mosaic-expedition.org/blog/mosaic_22-09-19/?lang=de
Für unseren Lidarexperten ein seltener Anblick: Das grüne Licht des Lasers aus unserem OCEANET-Container trifft auf grüne Polarlichter.

 

"Leinen Los für MOSAiC Leg 1" - der erste Post im Polarstern-Blog von Marcel Nicolaus (AWI) vom 22.09.2019: https://blogs.helmholtz.de/polarstern/2019/09/leinen-los-fuer-mosaic-leg-1/

Mehr zum tagesaktuellen Geschehen auf Polarstern unter https://follow.mosaic-expedition.org/

 

Foto: Alfred-Wegener-Institut / Stefan Hendricks

Abschiedsparty zum Auslaufen der FS Polarstern in Hafen von Tromsø (Norwegen) am 20.09.2019

  • Foto: Ronny Engelmann, TROPOS

  • Foto: Alfred-Wegener-Institut (CC-BY 4.0)

  • Foto: Andreas Macke, TROPOS

  • Foto: Alfred-Wegener-Institut (CC-BY 4.0)

  • Foto: Alfred-Wegener-Institut (CC-BY 4.0)

  • Foto: Alfred-Wegener-Institut (CC-BY 4.0)

  • Foto: Alfred-Wegener-Institut (CC-BY 4.0)

  • Foto: Alfred-Wegener-Institut (CC-BY 4.0)

  • Foto: Alfred-Wegener-Institut (CC-BY 4.0)

  • Foto: Alfred-Wegener-Institut (CC-BY 4.0)

  • Foto: Alfred-Wegener-Institut (CC-BY 4.0)

  • Foto: Alfred-Wegener-Institut (CC-BY 4.0)

20. September 2019:
Abfahrt der Polarstern

Meldungen und Medienberichte zum Start:

Radiointerview auf detektor.fm mit Prof. Dr. Andreas Macke, zum Interview "Die größte Arktis-Expedition der Geschichte", 19.09.2019

Bericht im Tagesspiegel, zum Artikel "Eiskalte Forschung Warum Wissenschaftler den Winter in der Arktis verbringen", 18.09.2019

Bericht in der sächsischen Zeitung, zum Artikel "Sachsen lassen sich am Nordpol einfrieren. Heute beginnt Mosaic, die größte Arktis-Expedition aller Zeiten. Sächsische Forscher sind dort mit dabei - und auch die SZ", 20.09.2019

In Tromsö werden die letzten Container verladen. Der weiße OCEANET-Container von TROPOS (rechts in der Mitte) steht bereits auf dem Deck. Foto: Esther Horvarth, AWI

26. August 2019:
Abtransport Container & Ausrüstung

Jetzt geht’s los! Unser OCEANET-Container mit PollyNet-Lidar & anderen Geräten hat heute Leipzig verlassen. Ziel: Tromsö.

https://twitter.com/TROPOS_de/status/1166004044768456704

Foto: Tilo Arnhold, TROPOS

Vorbereitungen

Das Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) wird sich federführend an zwei zentralen Messungen der MOSAiC-Kampagne beteiligen: Zum einen wird der OCEANET-Fernerkundungscontainer für die gesamte Eisdrift kontinuierlich die vertikale Aerosol- und Wolkenverteilung mittels Lidar, Radar und Mikrowellenradiometern erkunden. Zum anderen wird ein 90 Kubikmeter großer Fesselballon auf den Abschnitten 4 und 5 im Sommer 2020 mehrere Messsysteme bis in 1500 m Höhe bringen, um die arktische Grenzschicht möglichst genau auszumessen. TROPOS ist außerdem in die Fahrtleitung des Expeditionsabschnitts 5 eingebunden: Fahrtleiter dieses Abschnitts werden Prof. Dr. Dieter Wolf-Gladrow vom AWI und TROPOS-Direktor Prof. Dr. Andreas Macke sein.

siehe Pressemitteilung vom 27. Juni 2018

 

Von Mitte Januar bis Mitte Februar 2019 fand an der TROPOS-Station Melpitz bei Torgau eine Feldkampagne, die zur Vorbereitung auf die MOSAiC-Expedition diente.

siehe auch Kampagnenbericht von Februar 2019 und Video zu den Probemessungen von MDR Wissen

 

Im Winter hat das Leipziger Team in Melpitz den Auf- und Abbau des Fesselballons samt der daran angehängten Messtechnik geprobt. Foto: Tilo Arnhold, TROPOS

Ein Jahr eingefroren im Nordpolarmeer

MOSAiC - Multidisciplinary drifting Observatory for the Study of Arctic Climate

Es wird die größte Arktisexpedition aller Zeiten: Ab Herbst 2019 driftet der deutsche Forschungseisbrecher Polarstern eingefroren durch das Nordpolarmeer. Auf der MOSAiC-Expedition erforschen Wissenschaftler aus 19 Nationen die Arktis im Jahresverlauf. Sie überwintern in einer Region, die in der Polarnacht nahezu unerreichbar ist. Allein die Naturgewalt der Eisdrift bietet ihnen diese einmalige Chance. Auf einer Eisscholle schlagen sie ihr Forschungscamp auf und verbinden es mit einem kilometerweiten Netz von Messstationen.

Kaum eine Region hat sich in den vergangenen Jahrzehnten so stark erwärmt wie die Arktis. Ziel der Expedition ist es daher, den Einfluss der Arktis auf das globale Klima besser zu verstehen. Sie wird damit ein Meilenstein für die Klimaforschung, ihre Daten wertvoll für Generationen sein. Die Mission unter Leitung des Alfred-Wegener-Instituts ist verbunden mit noch nie dagewesenen Herausforderungen. Eine internationale Flotte von Eisbrechern, Helikoptern und Flugzeugen versorgt das Team auf dieser extremen Route. Nur mit geeinten Kräften kann die Expedition gelingen.

Trailer zur MOSAiC-Expedition des Alfred-Wegener-Instituts

Erstmals wird der Forschungseisbrecher Polarstern eingefroren durch die zentrale Arktis driften. Archivfoto (Polarsternexpedition ANT-XXIX/6 2013): Alfred-Wegener-Institut/Stefan Hendricks

Die MOSAiC-Expedition des deutschen Forschungseisbrechers Polarstern. Karte: AWI/BMBF