Prof. Dr. Mira Pöhlker
Mira Pöhlker ist Professorin für Experimentelle Aerosol- und Wolkenmikrophysik an der Universität Leipzig und Leiterin der Abteilung Atmosphärische Mikrophysik am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS).
In ihrer Forschung befasst sie sich mit dem Einfluss des Menschen auf das Klimasystem der Erde. Dazu untersucht sie Orte, an denen der menschliche Fußabdruck noch vergleichsweise gering ist. Sie hat sich auf Aerosole, Wolken und deren Wechselwirkungen und Effekte auf das Klimasystem spezialisiert. Dabei sind Langzeitmessungen am Boden und Flugzeugmessungen, welche sich durch Satelliten und Modellsimulationen effektiv auf eine globale und klimarelevante Skala übertragen lassen, besonders wichtig. Diese Feldmessungen werden durch Labormessungen (u. a. LACIS-T) erweitert. Dadurch ist es neben der Untersuchung der direkten Effekte auch die Erforschung ihrer Ursachen möglich, wodurch unser Verständnis des Erdsystems und der Klimaveränderung vertieft wird.
Seit 2012 arbeitet Pöhlker am Amazon Tall Tower Observatory (ATTO) im brasilianischen Regenwald. Dieser Ort zählt zu den artenreichsten Regionen der Erde, ist jedoch durch den Menschen stark bedroht. Die Messungen an der ATTO -Station sollen einerseits helfen, die Wechselwirkungen des Waldes mit der Atmosphäre besser zu verstehen. Zum anderen werden sowohl die Auswirkungen des massiven Eingriffes des Menschen in dieses einzigartige Ökosystem durch Brandrohdung, als auch die sich daraus ergebenden Effekte untersucht.
Der Amazonas wird häufig als „grüner Ozean“ bezeichnet. Im September und Oktober 2025 leitete Pöhlker die HALO-South-Kampagne rund um Neuseeland, um den „blauen Ozean“ – eine der am wenigsten vom Menschen beeinflussten Regionen der Erde – zu untersuchen und besser zu verstehen. Insgesamt 20 Messflüge offenbarten den starken Kontrast zwischen der durch Waldbrand-Aerosole belasteten Luft aus Australien und der außergewöhnlich sauberen Luft aus der Antarktis über dem Südpazifik. Die Flüge starteten von Christchurch und wurden mit dem High-Altitude and Long-Range-Forschungsflugzeug HALO durchgeführt. An Bord befand sich eine umfassende Instrumentierung zur Messung von Aerosolen, Wolken, Gasen und Strahlung, um alle relevanten Dimensionen der Aerosol- und Wolkenprozesse zu erfassen.
Neben dem Einfluss des Menschen auf die Umwelt beschäftigt sich Mira Pöhlker auch mit den Auswirkungen der Atmosphäre auf die menschliche Gesundheit. Im Mittelpunkt steht dabei, wie sich Gesundheitszustände durch eine verbesserte Luftqualität positiv verändern können. Pöhlkers Forschung richtet sich insbesondere auf Regionen mit hoher Luftverschmutzung – unter anderem in Ruanda – und untersucht Maßnahmen und Technologien, die dazu beitragen sollen, die Schadstoffbelastung für die betroffenen Bevölkerungsgruppen nachhaltig zu reduzieren.
Zum Erreichen der Forschungsziele arbeitet sie in internationalen Großprojekten, wie zum Beispiel dem CLOUD-Experiment am CERN und in zwei Horizon-Europe-Projekten, darunter CleanCloud und EDIAQI. Darüber hinaus engagiert sich Pöhlker in den Projekten BioSmoke und ATTO, im Barbados Aerosol Chemistry Observatory sowie in verschiedenen Forschungsmissionen mit dem HALO-Forschungsflugzeug.
Kurzvita
- Seit 2021: Leiterin der Abteilung Atmosphärische Mikrophysik am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung TROPOS
- Seit 2021: Professorin für Experimentelle Aerosol- und Wolkenmikrophysik, Universität Leipzig
- 2018–2021: Gruppenleiterin „Cloud Condensation Nuclei“, Max-Planck-Institut für Chemie, Mainz
- 2017: Promotion am Max-Planck-Institut für Chemie, Mainz („Investigation of atmospheric aerosol and cloud condensation nuclei under pristine and polluted conditions“)
- 2007–2012: Studium der Physik, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Wissenschaftliches Engagement
- Mitglied im Wissenschaftlichen Lenkungsausschuss des Forschungsflugzeugs HALO
- Mitglied im Advisory Board des RIFS (Research Institute for Sustainability, GFZ Potsdam)
- Leitung des World Calibration Center for Aerosol Physics (WCCAP)
- Seit 2022 Vertreterin für Klimaforschung der Universität Leipzig im europäischen Universitätsnetzwerk ARQUS
- Betreut zahlreiche Promotions- und Nachwuchsprojekte in Leipzig und Mainz
Wissenschaftskommunikation
Mira Pöhlker beteiligt sich regelmäßig an öffentlichen Vorträgen und Diskussionsformaten und gibt Interviews für Zeitungen, Radio und TV – unter anderem für die Süddeutsche Zeitung, die Mitteldeutsche Zeitung und das ZDF-Format Terra X. Sie tritt zudem in populärwissenschaftlichen Formaten wie der Kinderuni, dem Studium Universale oder bei Begleitveranstaltungen zum Kinofilm Checker Tobi und die Reise zu den fliegenden Flüssen auf.
Impressionen vom "Wissenschaftskino Leipzig für Kinder" am 13.04.24 im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig (Fotos: Tilo Arnhold, TROPOS)
Auch bei der SPIN2030 war das TROPOS unter anderem durch Mira Pöhlker vertreten: Bei der ersten Ausgabe dieses Wissenschaftsfestivals in Dresden präsentierten mehr als 50 Wissenschaftseinrichtungen ihre aktuellen Forschungsthemen – sowohl für Fachkolleg:innen als auch für Besucher:innen ohne wissenschaftlichen Hintergrund. Neben der Betreuung eines Informationsstandes brachten Mitarbeitende des TROPOS ihre wissenschaftlichen Inhalte auch in einem Science Slam und zwei Filmgesprächen ein.
Auszüge aus den Filmen auf dem Wissenschaftsfestival SPIN2030
Geleitete Projekte
Das Transregionale Forschungsprojekt "Arctic Amplification: Climate Relevant Atmospheric and Surface Processes and Feedback Mechanisms (AC)³" dient der vielschichtigen Erforschung der verstärkten Erwärmung der erdoberflächennahen Temperatur in der Arktis innerhalb der vergangenen Jahrzehnten, bekannt als die Arktische Verstärkung (engl. arctic amplification).
Im Rahmen des "CLOUD"-Experiments wird am CERN mit Hilfe einer speziellen Wolkenkammer der mögliche Zusammenhang zwischen kosmischer Strahlung und der Wolkenbildung untersucht, um das grundlegende Verstädnnis von Aerosolen, Wolken und deren Auswirkungen auf das Klima zu verbessern.
Das Projekt "EDIAQI" zielt darauf ab, Richtlinien und das Bewusstsein zur Verbesserung der Innenraumluftqualität in Europa zu fördern, indem es benutzerfreundlichen Zugang zu Informationen über Luftverschmutzung, deren Quellen und Risikofaktoren bietet.
Im Projekt "EngageMint" nutzen Schülerinnen und Schüler eine digitale Lernplattform, um sie auf einen Praxisworkshop vorzubereiten, in dem sie eigene Forschungsfragen zur Luftqualität entwickeln, Messgeräte bauen und programmieren, Experimten durchführen und ihre Ergebnisse präsentieren.
HALO South erschließt mit dem Forschungsflugzeug HALO atmosphärische Räume fernab etablierter Beobachtungsnetzwerke. Die Mission ermöglicht neue Einsichten in die Zusammensetzung, Dynamik und Strahlungswirkung der Atmosphäre über der Südhalbkugel.